Weil am Rhein Öko statt Öl

Holger Anhäußer hat früher mit Öl gehandelt, nun vertreibt der Weiler ökologisch wertvolle Coffee-to-go-Becher. Foto: zVg

Weil am Rhein - Ist der tiefschwarz verölte Geist einmal grün gewaschen worden? Holger Anhäußer lacht kräftig auf die nicht ganz ernst gemeinte Frage unserer Zeitung. „Jetzt habe ich ein grünes Herz“, antwortet der Weiler. Denn mit 58 Jahren unternimmt er gerade einen Neustart: Statt Heizöl vertreibt der Geschäftsführer jetzt vegane und biologisch abbaubare Coffee-to-go-Becher.

Das Umdenken erfolgte in den vergangenen zwei bis drei Jahren. Während viele Menschen sagen, sie hätten keinen Einfluss darauf, die Welt ein Stück weit besser zu machen, ist Anhäußer überzeugt, dass durchaus Möglichkeiten bestehen. „Ich kann etwas dazu beitragen, den Kindern eine bessere Welt zu hinterlassen.“ Privat geht der Vater von drei Kindern daher auch mit Tupperdosen zum Supermarkt, um Verpackungen zu vermeiden. Obstnetze statt Plastiktüten gehören ebenso dazu.

Sieben Jahre lang war Anhäußer zwischenzeitlich im Vertrieb beim Weiler Mineralölhandel (MhW) tätig. Regenerativ ist der Rohstoff keineswegs. Das fand irgendwann auch der Vertriebler. In den zurückliegenden Jahren reifte der Wunsch, etwas mit ressourcenschonender Produktion vertrieblich umzusetzen. Und in der nächsten Woche wird der Weiler auch ganz offiziell diesen Weg beschreiten, wenn seine QuoXX Handels GmbH zum 1. Oktober gegründet wird.

Anhäußer ist alleiniger Geschäftsführer, noch ohne Mitarbeiter. Dafür mit einem guten Netzwerk, wie er betont, worunter auch das BNI Südwest fällt. Mit seinem Start-up-Unternehmen arbeitet er mit drei Studenten zusammen, die den besonderen Becher entwickelt haben und nun als „Heybico“ am Markt agieren. Konkret geht es um 8,7 Zentimeter Durchmesser große und 32 Gramm schwere und individuell bedruckbare Exemplare, die von der Gesellschaft Hans Fleig in Lahr produziert werden.

Das Besondere: Der Deckel besteht laut Produktbeschreibung aus nachwachsenden und natürlichen Rohstoffen. Darunter befinden sich Biopolymer Polyhydroxyalkanoaten, Stärke, Lignin, Naturharze, -wachse, -öle, natürliche Fettsäuren, Cellulose, biologische Additive und natürliche Verstärkungsfasern. Unterm Strich sind die mit 21 verschiedenen Motiven zum Verkauf angebotenen Becher dann biologisch abbaubar und kompostierbar – ganz nach dem Geschmack von Anhäußer. So würden diese im Schwarzwald produziert, lediglich eine Komponente kommt aus der Ruhrpott-Metropole Essen, das Filzband, damit sich die Nutzer beim Kaffeetrinken nicht die Finger verbrennen.

Doch nicht nur Privatkunden, sondern vor allem auch Unternehmen nimmt der Vertriebler für den Verkauf in den Blick. Zwar weiß er auch, dass viele Betriebe angesichts von Corona anderes zu tun haben, als sich mit veganen, kompostierbaren und für die Spülmaschine geeigneten Bechern als Werbeartikel zu beschäftigen. Doch einige fragen diese momentan dennoch nach. Und sei es als Ausspülbecher beim Zahnarzt, also als Ersatz für die Plastik-Wegwerfbecher. Auch für den Wellnessbereich von Hotels gibt es Anfragen. „Die Bremse ist wieder gelöst“, spürt Anhäußer Rückenwind in der Nach-Lockdown-Phase.

Diesen Monat hat er schon zehn Aufträge mit einem Auftragsvolumen von gut 15 000 Euro an Land ziehen können. „Für mich ist nur wichtig, dass ich meinen Lebensunterhalt damit bestreiten kann“, hat er keine allzu hohen Ziele. 10 000 Becher pro Monat sollen aber an den Mann oder an die Frau gebracht werden.

Sollten es deutlich mehr werden, wäre es aber auch kein Problem. In Lahr gebe es genug Produktionskapazitäten. „Vielleicht wird durch Corona auch wieder stärker auf den Standort Deutschland gesetzt“, ist der Weiler gespannt, wie sich sein Start-up und der Vertrieb der Becher so entwickeln. Schon jetzt ist er aber froh: „Irgendwie ist es ja ein Greenwashing des verölten Geistes.“

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