Weil am Rhein Orgel erhält frische Töne mit weichem Klang

Zoë Schäuble

Aus dem Inneren der katholischen Pfarrkirche St. Peter und Paul ertönen momentan Staubsaugergeräusche. Die Orgel ist verstummt. Aber nur für kurze Zeit. Rund fünf Wochen lang dauert die Revision, das Reinigen und Instandhalten der Orgel.

Von Zoë Schäuble

Weil am Rhein. Den Sauger hält Robert Balogh zusammen mit einer langstieligen Bürste in der Hand. Beide Utensilien braucht der Pfeifenbauer der Schweizer Orgelbaufirma Metzler, die die Orgel vor 31 Jahren erbaute, zur Reinigung der klangerzeugenden Orgelpfeifen. Für den besonders hartnäckigen Schmutz kommt eine Druckluftpumpe zum Einsatz. Alle Pfeifen müssen bei der Revision, die der Wartung und Pflege des Kircheninstruments dient, einzeln heruntergenommen und durchgewischt werden. „Nicht nur Staub und Ruß hat sich hier angesammelt“, sagt Balogh und reibt sich das Harz von den Handschuhen, das auch an den Pfeifen haftet. Es stammt von der hölzernen Verankerung und wird, wie anderer Dreck, bei der Revision sorgfältig entfernt. Die Zinnpfeifen sind von Hand gehämmert und relativ weich und biegsam. Deshalb muss der Pfeifenbauer auch auf Dellen oder Kratzer im Metall achten. „Die würden nämlich den Klang verändern.“

Den Klang erhalten

Seit rund zwei Wochen gilt all seine Aufmerksamkeit den silbernen Klangkörpern, noch weitere drei sind bis zum Abschluss der Revision veranschlagt. Die sind auch nötig, hat die Orgel doch rund 2200 Pfeifen.

Alle Teile, nicht nur die Pfeifen, müssen auseinandergebaut, kontrolliert, geputzt und anschließend wieder an ihre ursprüngliche Stelle verbracht werden, skizziert Michael Klahre von der gleichnamigen Schweizer Firma das Vorgehen. Zusammen mit seinem Kollegen Achim Reichmann ist der Orgelbauer gerade dabei, das Manual, also die mit den Händen zu bedienende Klaviatur der Orgel mit neuen Muttern zu bestücken. „Die neuen sind aus Holz und ersetzen die alten ledernen.“ Gut 500 Muttern werden ausgetauscht. Denn das Leder ist über die Jahre brüchig geworden. „Alle diese Maßnahmen dienen der Erhaltung einer guten Klangqualität.“

Nicht nur feinfühlige Finger, sondern auch Muskelkraft sind bei der Revision gefragt. Denn neben diesen Kleinstarbeiten muss auch schweres Holz bewegt werden. Darum kümmert sich Reichmann, der die hölzerne Verkleidung im oberen Stockwerk montiert. In verschiedenen Arbeitsschritten werden so sukzessive alle Teile mindestens einmal von den drei Spezialisten in die Hand genommen. Angst davor, etwas zu vertauschen oder gar zu vergessen haben sie nicht. „Wir benötigen keinen Bauplan, wir kennen das Instrument“, verdeutlicht Klahre, dessen täglich Brot das Auseinanderbauen und Instandsetzen ist. Zunächst wird das Schwellwerk, danach das Hauptwerk und schließlich das Brustwerk abgebaut. Ausgetauscht wird auch der Motor der mit mechanischer Traktur arbeitenden Orgel. „Der ist natürlich nach rund 30 Jahren nicht mehr der neueste.“

Aus mehreren 10 000 Teilen, so Reichmann, besteht die Orgel, die in der Pfarrkirche seit dem 11. März 1990 nahezu störungsfrei ertönt. Das liege besonders an der soliden Bauweise, weiß Klahre. Bis auf die witterungsbedingten „Wehwehchen“ und die durch normalen Verschleiß verursachten „Macken“ tat die Orgel jahrelang bei Gottesdienst und Kirchenkonzert zuverlässig Dienst.

Um die 80 000 Euro wird die Revision kosten, erzählt Pfarrer Gerd Möller. Finanziert wird die Revision, die alle 25 bis 30 Jahre gemacht werden muss, aus Haushaltsmitteln der Kirchengemeinde, bezuschusst von der Erzdiözese Freiburg. Möller: „Auch Spenden von Kirchenkonzerten fließen in die Revision.“

Noch viel zu tun

In rund drei Wochen soll die Orgel wieder im Gottesdienst ertönen. Bis dahin werden sich zwei weitere Fachleute der Intonation und Stimmung des Instruments widmen. „Das ist der abschließende Arbeitsschritt“, erklärt Klahre.

Die Erhaltung des harmonischen Klangs ist das wichtigste bei der Revision. Denn dafür, da sind sich die Spezialisten einig, schätzen die Besucher die Orgel schließlich.

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