Weil am Rhein Orgelkunst der erbaulichen Art

Olivier Wyrwas an der Metzler-Orgel zu St. Peter und Paul in Weil am Rhein Foto: Walter Bronner Foto: Weiler Zeitung

Von Walter Bronner

Weil am Rhein. Die Metzler-Orgel der Weiler Pfarrkirche St. Peter und Paul ist ein prächtiges, aber auch hoch empfindliches Instrument, das auf Temperaturschwankungen sofort reagiert. Der abrupte Wechsel von hochsommerlicher Hitze auf angenehm herbstliche Wärmegrade am Wochenende erforderte deshalb für das Abschlusskonzert der Reihe „Orgelmusik zum Samstagabend“ fachmännische Regulierungen etlicher „verstimmter“ Leichtmetallpfeifen.

Die entfalteten denn auch wieder ihren wohltemperierten Ton, als Olivier Wyrwas am Spieltisch Platz nahm und die Hörergemeinde mit höchst erbaulicher Barockmusik erfreute. Der 27-jährige Titularorganist zweier Kirchen in Mulhouse (Elsass) hatte es dabei nicht auf Entfaltung effektbetonten Virtuosentums angelegt, dafür umso mehr auf klarsichtige Deutung musikalischer Substanz.

Dies zunächst am Beispiel einer Toccata aus der Sammlung „Apparatus musico-organisticus“, die der seinerzeit weitgereiste, unter anderem in Paris, Rom und Wien wirkende Altmeister Georg Muffat 1690 herausgab. Die mustergültige Interpretation dieses melodisch üppigen und rhythmisch kontrastreichen „Vorführstücks“ unterschiedlichster Registerfarben des Kircheninstruments bestach vor allem durch eine ausgefeilte Non-Legato-Technik, mit der Wyrwas den musikalischen Gehalt der Komposition ausziselierte.

Diese Kunst der Artikulation, bei der winzige Unterbrüche in den Tonfolgen einzelne Töne umso plastischer hervortreten lassen, prägte auch die weitere Vortragfolge mit zwei Werken des letzten Bach-Schülers Johann Gottfried Müthel. Zunächst das Choralvorspiel „Was mein Gott will…“ als exemplarisches Beispiel dafür, wie sehr der Komponist bemüht war, das Erbe des großen Lehrers zu bewahren und nachzuahmen.

Dann eine hymnisch auftrumpfende mit filigranen zartmelodischen Einsprengseln durchwirkte Fantasie Es-Dur, die Elemente barocker Tradition und der Vorklassik elegant vermengte. Der zweite Teil der fesselnden Orgelstunde war dann ausschließlich Johann Sebastian Bach gewidmet. Zunächst erklang der dreistimmige, geradezu tänzerisch umspielte cantus firmus (Liedmelodie) des „Leipziger“ Chorals „Schmücke dich, o liebe Seele“.

Sodann die aparte Triosonate E-Dur (BWV 525) mit ihrem eingangs munter hüpfenden Allegretto, dem meditativen Largo-Mittelteil und einen erfrischend-vitalen Allegro-Finale. Abschließend noch die sehr selten zu hörende, dicht strukturierte und technisch hoch anspruchsvolle Fantasie und Fuge c-Moll (BWV 537), die dem famosen Interpreten auch noch Gelegenheit gab, quasi alle Register zu ziehen und die Fortissimo-Klangpracht der Metzler-Orgel in ihrer ganzen Fülle zu entfalten.

Den anhaltenden Beifall vergalt der Konzertgeber mit Bachs trostvollem weiteren Orgelchoral „Wenn wir in höchsten Nöten sein…“.

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