Weil am Rhein Orgelspiel: Zwischen den Jahrhunderten

Jan Doležel an der Metzler-Orgel Foto: Gottfried Driesch

Weil am Rhein - Zur Eröffnung der Konzertreihe in St. Peter und Paul spielte der tschechische Organist Jan Doležel.

Wieder einmal ist es dem Organisator der Orgelkonzerte Albrecht Klär gelungen, einen hervorragenden Künstler zu gewinnen.

Das Konzert am Samstag begann mit einem Werk von Heinrich Kaminski aus Tiengen. Seine Musik ist weitgehend unbekannt, da er in der Zeit des Nationalsozialismus wegen politischen und rassischen Gründen verfolgt wurde. Kaminski war einer der Lehrer von Carl Orff. Von ihm erklang zunächst „Wir glauben all an einen Gott“, aus „Drei Choralvorspiele“, 1930. Das Werk beginnt mit kräftigen Bässen. Die Komposition ist ganz im Stil des 19. Jahrhunderts gehalten. Die Metzler-Orgel überzeugte mit einem satten, sehr ausgewogenen Klang. Vom mystischen Piano bis zum strahlenden Forte ließ der Organist das Instrument erklingen. Fulminant endet die Komposition. Ein weiteres Choralvorspiel von Kaminski „Vater unser im Himmelreich“ stand auf dem Programm. Auch dieses überzeugte durch große Variationen.

Großes Klangspektrum

Zwei Werke aus dem Frühbarock von Johann Ulrich Steigleder entführten in die fernere Vergangenheit. Insgesamt vier Variationen aus dem „Tabulatur Buch Darinnen daß Vatter unser“, 1627, erklangen. Sehr zart mit geschlossenem Schwellwerk erklang die Variation 4 „Coral im Discant“. Die Variationen 6 und 19 widmeten sich den tieferen Registern. Die letzte Variation 40 nutzte das Klangspektrum der Orgel aus.

Sehr aufgelockert waren die „Skizzen für den Pedalflügel“ op. 58 von Robert Schumann. Die beiden ersten Nummern bestachen durch getupfte Akkorde, die sehr rhythmisch erklangen. Das krasse Gegenteil sind die beiden letzten Nummern, die aufgewühlt und reich an Tönen daherkommen.

In einer Orgeltranskription von Christoph Bossert, einem Lehrer von J Doležel, erklang zum Abschluss das „Praeludium und Fuge B-Dur“ op. 35/6 von Felix Mendelssohn Bartholdy. Hier konnte der Organist die vollen klanglichen Möglichkeiten der Orgel, wie sie die Musik der Romantik verlangt, voll ausspielen. Doležel verfügt über eine überragende Technik, die hier voll zur Geltung kam. Spielerisch leicht erklang die Musik.

Mit der Zugabe „Felix namque“ von Thomas Tallis verabschiedete sich der Künstler.

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