Weil am Rhein Pächter zieht schnell die Reißleine

Die Gaststätte „Dreiländerblick“ in Ötlingen Foto: Marco Fraune Foto: Weiler Zeitung

Nur ein halbes Jahr nach dem Start ist schon bald wieder Schluss: Der Pächter der Gaststätte „Dreiländerblick“, Martin Aenis, wird den Gastro-Betrieb in Ötlingen Mitte Februar einstellen. Den Pachtvertrag hat der Geschäftsführer der „Dreiländerblick GmbH“ mit Wirkung zum 29. Februar 2020 gekündigt, ebenso wie schon einigen der 18 Mitarbeiter. Grund sei vor allem eine fehlende Planungssicherheit für die Zukunft. Der Verpächter zeigt sich überrascht.

Von Marco Fraune

Weil am Rhein-Ötlingen. Rund 300 000 Euro wollte Aenis jetzt in die Küche investieren. Temperaturen von 55 Grad Celsius am Herd würden beispielsweise eine neue Lüftung erforderlich machen. Doch er wisse nicht, wie sich dies dann auf das Gebäude insgesamt auswirke. „Der Pachtvertrag bietet keine Möglichkeit, für die Zukunft zu planen“, blickt er auf einen sich jeweils um ein Jahr verlängernden Zeitraum. Zwar schätzt er, dass sogar auf zehn Jahre hin eine Verlängerung mit dem Besitzer der Immobilie möglich gewesen wäre. Doch darüber hinaus sei es völlig unklar, wie es weiter geht. Angesichts des Investitionsvolumens zieht Aenis lieber jetzt die Reißleine, wie er im Gespräch mit unserer Zeitung erklärt.

Überraschter Verpächter

Verpächter Axel Brombacher, Anteilseigener und Geschäftsführer der Dreiland Verwaltungs KG, die seit 2017 Eigentümer des Gebäudes ist, kann den Verweis auf die fehlende Planungssicherheit nicht verstehen. So habe er keinen Vorschlag von Aenis für einen neuen Vertrag erhalten, was dieser wiederum als Sache des Verpächters ansieht.

Kursierenden Gerüchten, dass die Gaststätte einmal zu Wohnungen umgebaut wird, widerspricht Brombacher. „Ich bin im Dorf sehr verwurzelt und mit dem ,Dreiländerblick’ aufgewachsen. Ich habe keine Pläne für eine Wohnbebauung.“ In der Lage sei ein guter Wirtschaftsbetrieb möglich, hofft er auf einen passenden Nachfolge-Wirt.

Mitarbeiter informiert

Den Mitarbeitern hat Aenis am Samstag auf einer Versammlung die Kündigung des Pachtverhältnisses mitgeteilt. Zugleich schilderte er, dass der Pachtvertrag nach eigener Einschätzung zu viele Risiken für den Pächter enthalte. Auch habe er unter falschen Voraussetzungen am 6. Dezember 2018 die Betreiber-GmbH gekauft und das Geschäftsführeramt von Gerd Güthlin übernommen. „Wir waren guten Glaubens, doch wir haben Fehler gemacht.“ Konkret habe er zum Zeitpunkt der Vertragsunterzeichnung nicht den Pachtvertrag eingesehen, auch nicht darauf gepocht. Erst einige Tage später realisierte der 44-jährige Eimeldinger dann die für ihn nicht passenden Passagen.

Brombacher: Bewusst niedrig

Brombacher betont, dass nichts am Pachtvertrag verändert worden sei, der Verkauf der Betreiber-GmbH zudem nicht über ihn lief. Der Pachtbetrag sei bewusst niedrig, da somit dann Renovierungskosten auch vom Pächter mitzutragen seien. Beruflich sei er stark engagiert, sodass der Pachtvertrag diesem Fakt auch Rechnung trage. Pauschale Passagen wolle er nicht aus dem Werk streichen, sondern hier sah er auch Aenis in der Pflicht, einen Vorschlag zu unterbreiten.

Gebäude war verkauft

Kritisch sieht Aenis, dass das Gebäude schon 2017 verkauft war, wobei er davon ausging, die Immobilie befinde sich noch im Besitz der Familie Güthlin. Doch die Dreiland Verwaltungs KG besitzt diese, was Brombacher auch offen kommunzieren will.

Für Aenis macht das Besitzverhältnis in Zusammenhang mit dem Pachtvertrag einen großen Unterschied: Er könne doch nicht für ein Gebäude verantwortlich sein. „Mein Interesse liegt an der Gastronomie, nicht am Gesamtgebäude.“ Schließlich habe er auch bewusst die Betreiber-GmbH Ende vergangenen Jahres gekauft, um das traditionsreiche und bekannte Gasthaus in Ötlingen mit gutbürgerlicher klassischer Küche weiterzuführen. „Das war mein Herzensanliegen.“

Umso mehr bedauert er im Gespräch den Schritt, den er nun gehen müsse. Vor allem auch für die betroffenen Mitarbeiter, die er bei der Jobsuche unterstützen will. Erste Kündigungen habe er aufgrund der Fristen schon aussprechen müssen. Es handele sich um zehn Vollzeitstellen, die von 18 Mitarbeitern ausgefüllt werden.

Die Betreiber-Gmbh

Der Pachtvertrag zwischen der Eigentümer-Gesellschaft und der „Dreiländerblick GmbH“ endet zwar im Februar, doch Aenis bleibt deren Eigentümer. Gekauft hatte er Ende vergangenen Jahres schließlich auch das Gesellschaftsvermögen, also das Inventar bestehend aus Mobiliar, Küche und der weiteren Gastro-Ausstattung. „Wir werden verschiedene Optionen prüfen“, will der Geschäftsführer noch die Zukunftsoptionen offen halten. Unter anderem ein langfristiges weiteres Engagement im Gastronomiebereich und auch ein stärkeres Engagement in Richtung Projektmanagement seien Optionen.

Suche nach Nachfolger

Grünes Licht habe Aenis bereits dem Verpächter für die Suche nach einem Nachfolger gegeben. Dieser habe nicht nur die Kündigung zum 29. Februar bestätigt, sondern wolle nun sich um eine Nachfolge kümmern.

Mit öffentlichen Schuldzuweisungen hält sich der Eimeldinger, dessen Frau ursprünglich aus Ötlingen stammt, zurück. „Wir haben anfangs sicher auch Fehler gemacht, doch das ist nicht der Grund für das Ende“, erklärt er. Nun will er das nächste halbe Jahr noch gut nutzen, wobei er hier auf die Stammkundschaft und viele Gäste hofft. Er gebe weiterhin „Vollgas“.

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