Weil am Rhein Perlend und in ganzer Größe

„Frühling mit Fagott“ war das Motto des Muttertagskonzerts der Orchestergesellschaft Weil unter Leitung von Franck Nilly mit dem Solisten Benedikt Schobel. Foto: Jürgen Scharf

Weil-Märkt - Eine Perle aus der Fülle der Konzertliteratur stand beim Frühlingskonzert der Orchestergesellschaft Weil am Rhein in der Altrheinhalle Märkt auf dem Programm: das selten gehörte Fagottkonzert von Johann Nepomuk Hummel. Es gab auch dem Abend den Titel: „Frühling mit Fagott“.

Für das bislang im Konzertbetrieb eher unterbewertete Werk des jungen Mozart-Schülers brach Benedikt Schobel, Solofagottist des Basler Sinfonieorchesters, mit hörbarem Engagement eine Lanze. Schobel hatte nicht nur den schwierigen Part voll im Griff, sondern konnte auch spieltechnisch mit einer hochanständigen Wiedergabe überzeugen und sich sowohl technisch als auch tonlich als Bläser von Spitzenformat präsentieren.

Die Orchestergesellschaft unter Leitung von Franck Nilly hat die erfrischende Virtuosität des Hummel-Konzerts mit dem nötigen Elan und sorgfältiger Genauigkeit begleitet. So konnte der Fagottist den kantablen zweiten Satz mit ruhig fließendem Atem aussingen und den dritten sehr lebendig und beweglich mit rasanten Läufen gestalten.

Was für Ausnahmequalitäten Schobels Ton hat, zeigte sich auch in der vom Publikum erklatschten Solo-Zugabe, der Bearbeitung einer Bach-Bourrée.

Im zweiten Teil sprudelte die Glücksquelle Mozart

Im zweiten Teil sprudelte dann die Glücksquelle Mozart, beginnend mit der Ouvertüre zu „Titus“, die schon fast eine einsätzige Miniatursinfonie ist, als Krönung gefolgt von der Prager Sinfonie, der Nr. 38 (KV 504), die in ihrer ganzen sinfonischen Größe erklang.

Nilly und den Weilern gelang eine solche schlüssige, dramatisch-pulsierende Interpretation, dass man von der Qualität des Musizierens beim Zuhören nur begeistert sein konnte. Wenn man weiß, dass diese Sinfonie gleichzeitig mit dem „Figaro“ entstand, hört man die entsprechende leidenschaftliche, opernhafte Dramatik aus dieser Sinfonie heraus.

Diese Lebendigkeit und Bewegtheit in den einzelnen Passagen konnte Nilly in seinem dynamisch motivierenden Dirigat realisieren. Dass die Sinfonie in jeder Hinsicht radikal ist, zeigt sich auch daran, dass es kein Menuett gibt, weil in den drei Sätzen alles schon gesagt ist.

Das Menuett als Form wurde aber nachgeholt in der ersten Zugabe, nämlich im Menuett aus der Posthorn-Serenade von Mozart, gespielt vom ersten Trompeter des Weiler Orchesters, Jan Van de Woerd, der auf einem originalen Posthorn mit Naturtönen blies.

Die zweite Zugabe knüpfte an den Beginn des Konzertprogramms an: an Jacques Offenbachs Ouvertüre zur Opéra-bouffe „Pariser Leben“ mit ihren zündenden Potpourri-Melodien. Den Meister des Witzes und der Leichtigkeit hat die Orchestergesellschaft, die sich ja auch auf Walzerklänge, Opernmusik, Flamenco, Filmmusik und sogar Classic-Rock versteht, mit dem nötigen Esprit gespielt, sich als musikalischer Fremdenführer betätigt und das Pariser Leben hochleben lassen.

Ein Quäntchen noch spritziger und temperamentvoller war dann die Wiederholung der Ouvertüre – ein charmantes Muttertagspräsent. Da perlte der Champagner!

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