Weil am Rhein Plötzlich ein Jagdgenosse

Jagd Foto: sba/Felix Kästle

In Weil am Rhein gibt es seit kurzem eine Jagdgenossenschaft. Die entsprechende Versammlung fand bereits nicht-öffentlich am 23. Juni in der Festhalle Haltingen statt. An gleicher Stelle wunderte sich am Donnerstagabend Thomas Bayer (Grüne), wie schnell man plötzlich zum Jagdgenossen wird.

Von Marco Fraune

Weil am Rhein. So bilden die Eigentümer der Grundflächen, die zu einem gemeinschaftlichen Jagdbezirk gehören, die Jagdgenossenschaft. Wer beispielsweise ein Grundstück am Tüllinger besitzt, ist Jagdgenosse, erklärte Haltingens Ortsvorsteher Michael Gleßner auf Nachfrage von Bayer. Angesichts der badischen Realteilung gebe es auch sehr viele neue Genossen. Die Gründung sei über die ortsübliche Bekanntmachung mitgeteilt worden. „Es ist nicht tragisch, dass sie es nicht wussten. Jetzt wissen sie es“, sagte der Ortsvorsteher in Bayers Richtung. Bei weiteren Versammlungen könne er auch mitreden.

Dies geht wiederum zu Lasten des Ortschaftsrats, wie UFW-Chef Eugen Katzenstein herausarbeitete. Denn der mit Haltingen –­ebenso für Ötlingen – seinerzeit geschlossene Eingemeindungsvertrag sehe vor, dass der Ortschaftsrat für die Vergabe der Jagdpacht zuständig ist. Bei einer Weitervergabe an die aktuell zwei Pächter sei dies weiterhin der Fall, doch wenn ein neuer dazu komme, dann sei dies Sache der neuen Genossenschaft.

Katzenstein störte sich daher, dass immer mehr örtliche Befugnisse aus dem Eingemeindungsvertrag durch andere Verträge weggenommen werden. Dies sei eine „bürgerferne Verwaltung.“ Das Gesetz sei in Stuttgart gemacht worden, wollte Gleßner dem nicht widersprechen. Denn die Vergabe der Jagdpacht habe auf dem Land schon immer funktioniert.

Eine Jagdgenossenschaft war bislang nicht gebildet worden, die Verwaltung der Jagdpacht oblag der Grundstücksabteilung der Stadtkämmerei, die Pachtverträge schloss der OB ab, wobei Weil über zwei Jagdbezirke verfügt, Haltingen und Ötlingen. Die Abgrenzung der Bezirke ist historisch begründet und umfasst Flächen der Gemarkungen Eimeldingen, Haltingen, Märkt, Ötlingen und Weil. Mit dem von der Landesregierung 2014 verkündeten neuen Jagdgesetz wurde bestimmt, dass bis Anfang April dieses Jahres eine Jagdgenossenschaft zu bilden ist, wobei es noch einen Corona-Aufschub gab. Nun erfolgte aber die Gründung – und damit die Geburtsstunde von vielen Jagdgenossen, von denen einige bislang noch nichts von ihren neuen Befugnissen wussten, wie im Ortschaftsrat deutlich wurde.

Zum Abschluss der Beratungen soll der Gemeinderat am 28. September der Übertragung der Verwaltung der Jagdgenossenschaft Weil am Rehin für die Dauer der gesetzlichen Mindestpachtzeit von sechs Jahren auf den Gemeinderat zustimmen. Als Jagdvorstand wurden von der Genossenschaft OB Wolfgang Dietz und als Stellvertreter EBM Michael Koger gewählt.

  • Bewertung
    0

Umfrage

reg_0210_Impfung_dpa_Christoph_Soeder

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hal vorgeschlagen, die „epidemische Notlage von nationaler Tragweite“ Ende November zu beenden. Was halten Sie davon? 

Ergebnis anzeigen
loading