Weil am Rhein Polizei will in Fläche Präsenz zeigen

Der Körperkontakt zwischen Tätern und den Polizisten lässt nicht immer vermeiden. Foto: sba/Johannes Neudecker

Weil am Rhein - Der Körperkontakt mit Fremden ist in den Corona-Zeiten fast ein Tabu. Die Polizisten kommen hingegen nicht umhin, Personen zu durchsuchen oder auch Handschellen anzulegen. Ziel ist laut der Weiler Revierleiterin Kathrin Mutter außerdem, weiterhin im öffentlichen Raum Präsenz zu zeigen. Ihre Dienstelle sei derzeit „in sehr geringem Maße vom Coronavirus betroffen“.

Die Infektionskette sei in dieser Woche direkt unterbrochen worden, schildert Mutter im Gespräch mit unserer Zeitung die aktuelle Situation. Angesichts des sehr geringen Coronavirus-Ausfalls gebe es keinen Personalengpass, sondern wie bei üblichen Krankheitsfällen auch könne die anstehende Arbeit durch das Team aufgefangen werden.

„Die Polizei zieht sich nicht aus der Fläche zurück“, unterstreicht die Weiler Revierleiterin. In die Zuständigkeit fallen neben Weil am Rhein auch Bad Bellingen, Binzen, Efringen-Kirchen, Eimeldingen, Fischingen, Kandern, Malsburg-Marzell, Rümmingen, Schallbach, Schliengen und Wittlingen. Wichtig sei, Präsenz zu zeigen, zu erklären und zu sensibilisieren und für Sicherheit zu sorgen. Daher habe man viel Personal im Einsatz.

Auch wenn Täter hustet

Klar sei aber auch, dass sich die Beamten schützen müssen. Daher gilt die klare Empfehlung, Anzeigen per Brief, E-Mail oder Telefon zu erstatten und nicht direkt in der Wache. „Wir sind außerdem vorsichtig und halten Sicherheitsabstand.“ Bei entsprechenden Hinweisen würden die Beamten dann Mundschutz tragen. Die Polizisten seien sensibilisiert. Klar sei aber auch: „Wenn eine Person zur Festnahme ausgeschrieben ist, muss ich diese festnehmen, auch wenn er Husten hat.“ Gleiches gelte für notwendige Durchsuchungen. Gegebenenfalls wird anschließend der Streifenwagen desinfiziert. „Jeder Streifenpolizist ist mit verantwortlich.“ So sei auch schon eine große Menge an Desinfektionsmittel gekauft worden.

Durch das Schichtsystem gebe es zwischen den Beamten keinen unmittelbaren Kontakt zur anderen Einsatzeinheit, oder sehr geringen. Dass auch Polizisten ihre Eltern pflegen oder die Kinder betreuen müssen, stelle das Revier vor erhebliche Herausforderungen. „Wir kriegen es aber miteinander hin. Die Motivation in der Mannschaft ist groß.“ Außerdem wisse jeder, dass die Polizei für die Sicherheit verantwortlich ist.

Rechtslage nun klar

Überwiegend treffen die Beamten mit ihren Erläuterungen zum Kontaktverbot, das vom Land ausgesprochen wurde, auf Verständnis – „aber nicht immer“. Beispielsweise würden Jugendgruppen sich nicht immer der Situation bewusst sein, dass nicht mehr als zwei Personen sich gemeinsam im öffentlichen Raum nah beieinander aufhalten dürfen, mit Ausnahme von Kernfamilien. Nach den Schwierigkeiten in der vorherigen Woche als in schnellem Takt geänderte Verordnungen erlassen wurden, gebe es nun mehr Klarheit für beide Seiten, also „eine relativ stabile Rechtslage“, so Mutter. Dies bedeutet zugleich, dass bei Straftatbeständen kein Handlungsspielraum besteht, anders als bei Ordnungswidrigkeiten. „Wenn wir keine Einsicht spüren, wird sanktioniert“, unterstreicht die Weiler Revierleiterin.

Mehr häusliche Gewalt?

Solche Verstöße nach dem Infektionsschutzgesetz würden in der neuen Kriminalstatistik für das Jahr 2020 häufiger auftauchen. Dafür entfällt aktuell für die Weiler Ordnungshüter die ansonsten mindestens dreimal täglich anstehende Aufnahme von Ladendiebstählen, bei denen die Identität des Täters nicht festgestellt werden kann. Unterm Strich werde es angesichts der Corona-Krise wohl eine rückläufige Fallzahl von Straftaten geben.

Ob es angesichts des Gebots, zu Hause zu bleiben, eine Zunahme häuslicher Gewalt geben wird, bleibt laut Mutter abzuwarten. Den einen oder anderen Fall habe es auch schon vor Corona gegeben. Doch je längere die Bürger in ihren eigenen vier Wänden seien und sich womöglich um die ungewisse Zukunft sorgen, je eher könne es zu Problemen kommen.

Seit sich nur noch zwei statt fünf Personen im öffentlichen Raum treffen dürfen, gebe es auch keine „Hotspots“ mehr, wo es zu größeren Zusammenkünften kommt. Treffen von Jugendlichen im Wald gab es hingegen schon.

In positiver Erinnerung ist der Revierleiterin eine weitläufige Bekannte, die vor wenigen Tagen zur Wache kam. Sie hatte 50 selbst genähte Mundschutz-Einheiten vorbeigebracht. „Das war richtig nett.“

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