Weil am Rhein Außergewöhnliches Jahr gemeistert

Das Sparkassen-Vorstandstrio ist angesichts der Rahmenbedingungen zufrieden mit dem Bilanzjahr 2020 (v.l.): Peter Blubacher, Patrick Glünkin und Ulrich Feuerstein. Foto: Marco Fraune

Weil am Rhein - Die Sparkasse Markgräflerland hat trotz Pandemie eine stabile Bilanzentwicklung im vergangenen Jahr hingelegt. Das Vorstands-Trio um den Vorsitzenden Ulrich Feuerstein zeigte sich im Bilanzgespräch mit dem Geschäftsverlauf „insgesamt zufrieden“. Dennoch sieht sich die Bank gezwungen, auf prall gefüllte Konten Strafzinsen, so genannte Verwahrentgelte, zu erheben. Das treffe aber nur maximal jeden zehnten Kunden.

Von einem „außergewöhnlichen Jahr“ sprach gestern beim Jahresbilanzpressegespräch Sparkassen-Chef Feuerstein. Unterm Strich stand nicht nur angesichts von 2,8 Milliarden Euro eine leicht verbesserte Bilanzsumme, sondern auch ein Mehr beim Kreditbestand. Hier wurde die Zwei-Milliarden-Marke erreicht. Die Margen seien aber bedenklich, wissen die heimischen Sparkassen-Verantwortlichen.

Die Eigenkapital-Quote der Bank beläuft sich auf rund 18 Prozent. „Wir sind eine verlässliche Sparkasse“, sieht Feuerstein sein Institut gut aufgestellt.

EZB-Strafzinsen für Kunden

Angesichts von Strafzinsen, welche auch von der Sparkasse Markgräflerland in Höhe von aktuell 0,5 Prozent an die Europäische Zentralbank (EZB) entrichtet werden müssen, ist die Höhe der Einlagen der Sparkassenkunden von größerer Relevanz. Die Summe stieg um 7,2 Prozent (plus 112 Millionen Euro) auf 1,7 Milliarden. Aktuell zeigt sich, dass auf dem Markt sehr viel Geld ist.

Die Sparquote sei so hoch wie noch nie. Angesichts der andauernden Niedrigzinsphase, der Ausweitung von Minuszinsen und der zunehmenden gesetzlichen Regulierungen als belastende Faktoren sieht sich die Sparkasse gezwungen, ab dem 1. März ein „Verwahrentgelt“ zu erheben.

Die Strafzinsen in Höhe der anfallenden EZB-Strafzinsen betrifft die überwiegende Mehrheit nicht. Wer auf dem Giro- und Tagesgeldkonto zusammen aber mehr als 50 000 Euro liegen hat, soll künftig zahlen. Für Spareinlagen wird ein Höchstbetrag von 100 000 Euro eingeführt, bis zu dem kein Verwahrentgelt erhoben wird.

Sparkassen-Vorstand Patrick Glünkin rechnet mit maximal zehn Prozent der Kunden, die davon betroffen sind. „Wir haben versucht, es bis auf den letzten Tag zu vermeiden“, bedauert Feuerstein, der aber auch betriebswirtschaftlich rechnen muss. Die betroffenen Kunden sollen vor Einführung angesprochen werden, um die Situation zu besprechen und gemeinsam Lösungen zu finden, heißt es.

Betongold und Aktien

Eine andere größere Veränderung zeigt sich beim Kundenverhalten. Die Bürger halten sich mit Ausgaben zurück, zugleich fragen sie sich, wie Geld noch passend angelegt werden kann. Viel Geld fließ derzeit in Neubauten und Sanierungen. Vorstand Peter Blubacher: „Betongold ist nach wie vor gefragt“, was sich auch an deutlichen Preissteigerungen zeige.

Verstärkt blicken die Bürger auch auf den Kauf von Aktien. Die Bestände an Wertpapieren stiegen bei der Sparkasse deutlich, wobei das zwischenzeitlich tiefere DAX-Niveau für den Ein- oder Wiedereinstieg genutzt wurde. Der Wertpapierumsatz der Sparkassenkunden betrug insgesamt 279 Millionen Euro, was einem Plus von 24 Prozent entspricht. Glünkin: „An Wertpapiersparen führt kein Weg mehr vorbei.“ Hier seien auch noch Zuwächse möglich, wobei hier Risiken abgewogen werden sollen.

Deutlich zurückgegangen ist hingegen die Nachfrage nach Schweizer-Franken-Darlehen, die spürbar nachgelassen haben. Zentraler Grund: Die Zinsen im Euro-Raum sind sehr gering.

Kernzahlen

Bilanzsumme 2,8 Mrd. Euro (plus 149 Mio. zum Vorjahr)

Kreditvolumen 1,99 Mrd. Euro (plus 127 Millionen)

Einlagen 1,661 Mrd. Euro (plus 112 Millionen)

Aufsichtrechtliches Eigenkapital: 311 Millionen Euro (plus vier Millionen)

361 Mitarbeiter, zwölf Haupt-/Geschäftsstellen, zehn SB-Stellen, 35 Geldautomaten, 61 000 Girokonten

Positive Zahlen, aber auch Strafzinsen für dicke Bankkonten

Insgesamt für 772 Darlehensverträge ist im vergangenen Jahr eine Tilgungsaussetzung bei der Sparkasse Markgräflerland beantragt worden. Es handelte sich dabei insgesamt um 465 Kundenaufträge mit einem Gesamtkreditvolumen in Höhe von rund 110 Millionen Euro. Zu Nicht-Corona-Zeiten beantrage eine solche Aussetzung nur eine sehr geringe Zahl von Kreditnehmern. Zum Vergleich: Insgesamt hat die Sparkasse Markgräflerland 22 052 Kredite von 10 004 Kunden im Bestand. Der Gesamt-Kreditbestand beträgt zwei Milliarden Euro.

Bei den Kundenanträgen handelte es sich in zwei Dritteln der Fälle um den gewerblichen Bereich, ein Drittel entfiel auf den privaten, also auch die klassischen Häuslebauer. Die Sparkassen-Spitze unterstrich bei der Bilanzpressekonferenz zugleich, dass man als regionales Institut hier besser auf die Besonderheiten der Kreditnehmer eingehen könne als bundesweit agierende Banken. „Wir zeigen Großzügigkeit bei der Auslegung“ – also die Sparkasse orientiere sich weniger an zuvor fixierten Zahlen, sondern gehe auf den Einzelfall ein.

Weil am Rhein (mcf). Insgesamt 88 Immobilien mit einem Gesamtvolumen von mehr als 36 Millionen Euro sind im vergangenen Jahr durch die Sparkasse Markgräflerland vermittelt worden. Damit liegt die Bank „etwas besser als im Vorjahr“, bilanzierte Vorstandsmitglied Patrick Glünkin.

Es handelte sich um 40 Einfamilienhäuser und 41 Eigentumswohnungen. Hinzu kamen noch sieben sonstige Immobilien. Die Nachfrage nach dem Wohnen in den eigenen vier Wänden sei weiterhin hoch, weiß die Sparkassen-Spitze. Da es sich beim Immobilienkauf und -verkauf um eine Vertrauenssache handele, sieht sich das heimische Geldinstitut hier gut aufgestellt. „Wir haben ein gutes Standing.“ So würden die Kunden der Sparkasse die Immobilie zur Vermarktung geben.

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