Weil am Rhein - Auf einer Fläche von 30 Hektar soll der Stadtteil Friedlingen aufgewertet werden. Unter dem Projektnamen „Sanierungsgebiet Ortsmitte Friedlingen“ will die Stadt das Quartier bis 2025 vom Hafen- und Gewerbestandort zum attraktiven Stadtteil für Wohnen, Arbeiten und Leben am Rhein weiterentwickeln. Ziel ist, dass auch Private dabei mitwirken.

Die Stadt kümmert sich bereits um die Erneuerung des Rheinparks und weitere Vorhaben, doch auch private Gebäudeeigentümer sind aufgefordert, die sich am Montagabend bei einer Info-Veranstaltung über Fördermöglichkeiten und die Perspektiven des Stadtteils ein Bild machen konnten. Noch hält sich die Resonanz, die Zuschusstöpfe anzuzapfen, aber in Grenzen. 60 000 Euro pro Jahr stehen zwar für Private zur Verfügung, doch bislang werde das Geld nicht abgerufen, bedauerte Sybille Hurter, Projektleiterin des beauftragten Sanierungsberaters „Kommunale Stadterneuerung“ aus Freiburg. „Ein wichtiges Ziel wurde bisher nicht erreicht.“

Stadt und Private im Boot

Für den Zeitraum von 2016 bis 2025 gibt ein Investitionsvolumen von 17,5 Millionen Euro, von Bund und Land beträgt der Förderrahmen dabei 4,6 Millionen Euro, wobei weitere 4,3 Millionen Euro zudem beantragt wurden. Ziele sind unter anderem, das Sicherheitsempfinden zu verbessern, Grün- und Freiflächen sowie den öffentlichen Raum aufzuwerten, für Wegebeziehungen zu sorgen und auch eine energetische Sanierung voranzutreiben. Konkret erweitert und erneuert die Stadt den Rheinpark, baut ein neues Jugendzentrum und eine neue Kita („Juno II“), bricht an der Ecke Klybeckstraße/Hauptstraße das WC-Gebäude ab und gestaltet diesen Platz neu sowie verbessert den Weg zwischen Kesselhaus und Rheinpark.

Die Privaten sollen ebenfalls tätig werden, wobei mit der Ausweisung des klar umgrenzten Sanierungsgebiets die darin liegenden Gebäude bis zum Jahr 2025 mit einem Sanierungsvermerk im Grundbuch versehen sind. So hält die Sanierungsstelle die Hand darauf, um nicht gewünschte Veränderungen zu verhindern.

Verschiedene Zuschüsse

Die Fördermöglichkeiten für Eigentümer sind, wie berichtet, zuletzt noch angepasst worden. So muss die private Maßnahme mindestens drei Gewerke umfassen und es müssen mindestens 10 000 Euro investiert werden. Dann gibt es direkt einen 20-prozentigen Zuschuss bis maximal 20 000 Euro. Auch Abbruchkosten werden unter bestimmten Bedingungen bezahlt. Als indirekter Zuschuss kommt eine erhöhte steuerliche Abschreibung von Modernisierungskosten in Höhe von neun Prozent der Modernisierungskosten in den ersten acht Jahren nach Modernisierung sowie sieben Prozent vom neunten bis zwölften Jahr zum Tragen. Während ein reiner Fassadenanstrich nicht gefördert wird, fallen Badsanierung, altengerechte Einbauten, ein Einbruchsschutz oder auch eine neue Heizungsanlage darunter. Zugleich ist eine Kombination mit weiteren Förderprogrammen möglich. Eine kostenlose Erstberatung wird angeboten.

Reicht Bebauungsplan aus?

Ob das Instrumentarium Ausweisung als Sanierungsgebiet das richtige ist, um für eine soziale Aufwertung zu sorgen, stellte eine Anwohnerin der Sundgaustraße infrage. So fielen die bei ihr stehenden Häuser im Vergleich zu den weniger älteren an der Hauptstraße nicht ins Sanierungsgebiet. Vor allem gebe es seit 30 Jahren einen Bebauungsplan, mit dem positive Veränderungen herbeigeführt werden könnten. Während Erster Bürgermeister Christoph Huber darauf verwies, dass das Gebiet nicht noch größer gefasst werden könne beziehungsweise dürfe, betonte Hurter, dass das Sanierungsprogramm über den Bebauungsplan hinaus notwendige Impulse gebe.

Energetische Maßnahmen

Über das Sanierungsgebiet hinaus im bereits abgeschlossenen Quartierskonzept sind es zudem die Bereiche Schwarzenbachareal, Rhein-Center und einige Mehrfamilienhäuser an der Hauptstraße, die große Energieverbraucher sind. Aus dem Konzept soll nun das Sanierungs-management dafür sorgen, dass Maßnahmen umgesetzt werden, wie Rolf Pfeifer, Geschäftsführer von endura kommunal, erläuterte. Für private Gebäudeeigentümer relevant sind auch die gesetzlichen Vorgaben. So müsse nach 30 Jahren eine neue Heizung angeschafft werden und ein Anteil an regenerativer Energie danach gegeben sein. Nicht beeinflussbar sei, wie sich das Rhein-Center als größter Energieverbraucher im Quartier aufstellt. Das zentrale Ergebnis des energetischen Quartierskonzepts war aber: „Die Maßnahme der Wahl ist ein Wärmenetz.“ Die Planungen laufen, erläuterte der Leiter der Stadtwerke, Rudolf Koger.