Weil am Rhein Radelnd im Einsatz für die Natur

Es ist 10 Uhr morgens und Ranger Yannick Bucher schwingt sich am Hadid-Pavillon aufs Fahrrad. Sein Einsatzort ist der Landschaftspark Wiese – und die Aufgabengebiete sind vielfältig.

Von Saskia Scherer

Weil am Rhein. Bereits nach wenigen Metern stoppt Bucher das erste Mal und steigt vom Rad. Ein weggeworfener Rucksack liegt unter einem Abfalleimer. „Littering – das Wegwerfen von Müll in die Umgebung – ist eines der größten Probleme hier“, weiß er. „Das reicht von der Zigarette über Gartenabfälle, Grillreste und Bierflaschen bis hin zum Sofa.“ Bei größeren Mengen, die sich nicht einfach so beseitigen lassen, informieren die Ranger – drei gibt es insgesamt – die zuständige Stelle. Bucher teilt sich die 100-Prozent-Stelle mit Raphael Böhm und Martha Koelbing. „Beim Thema Müll gehen wir vor allem präventiv vor und sprechen Besucher gezielt an.“ Jemanden auf frischer Tat zu ertappen, sei sehr schwierig.

Sechs Quadratkilometer

Weiter geht die Fahrt mit dem Velo. „Wir fahren immer andere Strecken, versuchen aber, überall mal zu sein“, erklärt Bucher. Unter der Woche halbtags und am Wochenende ganztags sind sie unterwegs im sechs Quadratkilometer großen Landschaftspark. Kurz darauf wird er regelrecht zum Anhalten gezwungen: Ein Baum ist auf den Weg gestürzt. Auch hier gilt: Was die Ranger nicht selbst erledigen können, melden sie.

Aber sie kontrollieren nicht nur. „Wir wollen sensibilisieren, informieren und vermitteln.“ Vieles stößt im Landschaftspark aufeinander: Naturschutz, Naherholung, Landwirtschaft oder auch die Trinkwassergewinnung. „80 Prozent des Weiler Trinkwassers und 49 Prozent des Basler Trinkwassers werden hier gewonnen“, weiß Bucher. Zwischen 100 000 und 150 000 direkte Anwohner gibt es. „Sie suchen hier Erholung und verhalten sich meist respektvoll.“ Wer das nicht tue, mit dem könne man meist reden.

Aber auch die Besucher sprechen umgekehrt oft die Ranger an. „Sei es, weil sie Fragen zu Naturthemen haben, oder sich über Hundehalter und rücksichtslose Radfahrer beschweren wollen.“ Für solche Probleme und Anliegen seien die Ranger auch eine Anlaufstelle.

Ins Gespräch kommen

Auf dem Landesgartenschaugelände angekommen, steigt Bucher ab. „Hier laufe ich meist, dann kann man mit den Menschen besser ins Gespräch kommen.“ Mit Blick auf zwei Spaziergänger, die ihre Hunde ausführen, erklärt er: „Hier herrscht Leinenpflicht. Die beiden verhalten sich vorbildlich.“

Weiter geht es Richtung Wiese. „Manche Besucher kennen nur ,ihren’ Teil des Parks, andere nutzen den ganzen Park und man trifft sie überall“, erzählt er unterwegs. Plötzlich versperrt wieder ein Baum den Weg – dieses Mal kann Bucher das Hindernis selbst aus dem Weg räumen und für freie Fahrt sorgen. Am Fluss angekommen, bemerkt der Ranger, dass ein Rettungsring fehlt, und dokumentiert das rasch.

Was auf Schweizer Seite häufig missachtet werde ist, dass auf den Dammwegen das Radfahren verboten ist. „Er zum Beispiel“, deutet Bucher auf einen Radler, der prompt vorbeirauscht.

Lob von Bürgern

Ein Spaziergänger spricht Bucher an und fachsimpelt mit ihm über dessen Rad. Er ist an diesem Tag mit dem Info-Mobil unterwegs, das über Sonnenschirm und Tisch verfügt. Den Rangerdienst hält der Mann für „eine gute Idee“.

Am Eisweiher in Riehen angekommen, fällt Bucher ein Hund auf, der auf einem Feld Mäuse jagt. „Das ist ein Fall für mich.“ Freundlich spricht er die Halter an und bittet sie, den Hund an die Leine zu nehmen. Das dauert zwar eine Weile, weil der Vierbeiner die mögliche Beute interessanter findet. Aber die Besitzer haben vollstes Verständnis. „Das hier ist eine Naturvorrangfläche, die nicht betreten werden soll, deshalb ist sie auch eingezäunt“, erklärt Bucher. Viele Situationen würden sich so einfach lösen lassen. „Es gibt aber auch Personen, die sich mehrfach falsch verhalten.“ Nicht so ein Radfahrer, der Bucher wenig später an der Wiese – auf dem Radweg – entgegenkommt. „Er ist letztens unten am Ufer im Gras gefahren.“

Seit Februar im Einsatz

Bucher hat Geowissenschaften studiert und ist über verschiedene Ranger-Stellen schließlich im Landschaftspark gelandet. „Das Trinationale Umweltzentrum kam auf uns zu, weil sie einen Schweizer Partner gesucht haben“, erinnert er sich. „Das hat gut gepasst.“ Seit rund einem halben Jahr sind die Ranger dort im Einsatz.

Vorbei am Weiler Tierheim und an der Kiesgrube geht es zurück zum Hadid-Pavillon, wo die Touren der Ranger stets beginnen und enden. „Heute war nicht viel los. Obwohl – eigentlich haben wir doch einiges gesehen“, fasst er zusammen und lacht.

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