Weil am Rhein Raus aus der Anonymität

Zusammen essen, feiern und lachen ist eines der Grundprinzipien des Miteinander-Festes in Friedlingen. Am Sonntag lud der Stadtteilverein wieder zur zwanglosen multikulturellen Begegnung, erstmals mit religiöser Eröffnung.

Von Martina Proprenter

Weil am Rhein. Die gelebte Vielfalt kommt an. Davon konnten sich auch die Abgeordneten Armin Schuster, Rainer Stickelberger, Landrätin Marion Dammann und Erster Bürgermeister Christoph Huber überzeugen. Gleich zum Teamparcours, sich erst schminken lassen oder doch lieber das Polizeiauto erkunden? Besonders Kinder hatten die Qual der Wahl. Auf dem Hof des Stadtteilzentrums hatten verschiedene Vereine Mitmachangebote aufgebaut und ein kulinarisch vielfältiges Angebot vorbereitet. Die Aufmerksamkeit am Nachmittag zogen abwechselnd die „Bond‘s-Big-Band“ der Musikschule unter Leitung von Christian Leitherer und der Zirkus „Papperlapapp“ auf sich.

Gemeinsamkeiten statt Unterschiede

Der Stadtteilverein ist noch ziemlich jung, er wurde vor rund fünf Jahren gegründet. Das Fest hingegen gibt es schon seit über 15 Jahren, so die Vorsitzende Gabriele Moll. Aus dem ursprünglichen „Kinder- und Seniorentag“ ist mittlerweile ein Begegnungstag der Bevölkerungsgruppen geworden. Um dem Rechnung zu tragen, wurde erstmals mit einer religiösen Eröffnung in der Friedenskirche begonnen.

Hier verwiesen Vertreter der unterschiedlichen Religionsgemeinschaften auf die Gemeinsamkeiten, die alle Religionen haben. „Glauben und Religion sind unterschiedlich, aber sie alle stiften Frieden“, sagte der evangelische Pfarrer Michael Hoffmann. Auch den „Durst nach Gott“ in Gebeten hätten alle Religionen gemein, sagte Gerd Möller, Pfarrer der katholischen Kirchengemeinde und Dekan.

„Lasst nicht ein Volk über ein anderes spotten“, zitierte Imam Erdan Senturk aus dem Koran, sein Übersetzer verlas zudem eine lange Rede, in der darauf verwiesen wurde, dass der Islam Unterschiede akzeptiere, also unterschiedliche Religionen von Allah so gewollt seien, gegenseitiger Respekt der Individuen notwendig sei.

Der alevitische Geistliche, Dede Kazimoglu Hüseyin, erzählte von den Grundzügen seiner Religion, nach der der Mensch im Zentrum stehe, wobei Männer und Frauen gleichberechtigt sind: „Alles, was der Schöpfer geschaffen hat, ist für uns wertvoll.“

In ihrem Grußwort freute sich Landrätin Marion Dammann über den „bunten Stadtteil“, der beim Fest zusammenkommt, und hoffte in Anlehnung an den französischen Sozialkritiker Marcel Proust: „Gemeinsame Erinnerungen sind manchmal die besten Friedensstifter.“

Glaube man verschiedenen überregionalen Medienberichten, ist es um den Stadtteil Weils eher negativ bestellt: „sozialer Brennpunkt“ oder „heißes Pflaster“ heißt es da, wie auch in den Reden des Festes zitiert wurde.

Die Friedlinger hingegen wollen ein anderes Bild zeichnen, sehen lieber die bunte Vielfalt von Kulturen und Nationalitäten im Vordergrund.

Weiler Lions-Club spendet 1000 Euro

„Friedlingen ist anders als gewachsene Kernstädte“, sagte Volker Hentschel, der das „Miteinander“-Fest mit organisiert hat. Durch den Wegzug der Textilindustrie und den Zuzug von Grenzgängern etwa, die auswärts arbeiten, sei der Stadtteil in Bewegung, aber die Anonymität groß. Das will der Stadtteilverein ändern und neben den regelmäßigen Stammtischtreffen mit dem Fest eine zwanglose Möglichkeit zum Kennenlernen neuer und alter Nachbarn bieten.

Rund 2000 Euro kostet das Fest jedes Jahr, dafür benötigt der Verein vor allem Spenden. Der 1000-Euro-Scheck des Lions-Clubs Weil komme da „genau richtig“, freute sich Moll. Lions-Club-Präsident Dieter Charté und Claudia Menzer überreichten den Scheck an Gabriele Moll.

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