Weil am Rhein Röhrende Motoren, knallende Auspuffe

Weiler Zeitung, 15.05.2018 19:46 Uhr

Röhrende und aufheulende Motoren sowie knallende Auspuffe: Mit Beginn der wärmeren Jahreszeit sorgt eine Schweizer Poser-Szene, die ihre geleasten Luxuskarossen im Bereich des McDonald’s-Parkplatzes in Friedlingen zur Schau stellt, für nächtliche Ruhestörungen. Mit gezielten Kontrollen und Nadelstichen will die Polizei der Szene den Spaß verderben.

Von Siegfried Feuchter

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Weil am Rhein. Thomas Müller, Leiter des Verkehrskommissariats in Weil am Rhein, kennt das Problem zur Genüge. Schon in den zurückliegenden Jahren hat sich die Poser- und Autorennszene vom Basler Hafengebiet nach Friedlingen verlagert. „Es ist jedes Jahr dasselbe Spiel. Immer wenn es wärmer wird, dann kommen die jungen Männer mit ihren hochgezüchteten Motoren und hochpolierten Karossen über die Grenze“, weiß Müller, der auch im engen Kontakt mit den Basler Kollegen steht, um sofort reagieren zu können. Denn die „Poser“, wie sie genannt werden, mögen keine Polizei, das halten sie für uncool. Deshalb ist es der Polizei im vergangenen Jahr auch gelungen, für weitgehend Ruhe zu sorgen. Denn nach mehreren, intensiven Kontrollen hat sich die Szene verzogen –­ vermutlich ins Elsass.

Chromblitzende und PS-starke Autos

E rste Anzeichen sind laut Müller da, dass Autoposer sich wieder in Friedlingen etablieren möchten. Ihre chromblitzenden und PS-starken Automobile wollen sie in erster Linie zeigen und damit auch imponieren. Penibel achten diese Autoenthusiasten darauf, dass dem „Heiligs Blechle“ ja nichts passiert. Es gab in den zurückliegenden zwei Wochen schon erste Beschwerden von Anwohnern, die sich in ihrer nächtlichen Ruhe gestört fühlten. Als jedoch die Polizeibeamten vor Ort kamen, waren die Fahrer bereits wieder verschwunden. Im Übrigen unterscheidet die Polizei zwischen Tunern, Posern und Rasern.

Lärmbelästigungen der Polizei mitteilen

Bei Einbruch der Dunkelheit trifft sich in der Regel die Szene, wobei das Wetter eine entscheidende Rolle spielt, wie der Chef des Verkehrskommissariats feststellt. Die Polizei will verstärkt Präsenz zeigen, um der Szene das Leben möglichst schwer zu machen. Daher ermuntert Müller auch die Bürger im erweiterten Bereich des McDonald’s-Parkplatzes, bei Lärmstörungen durch Autoposer dies der Polizei mitzuteilen. Verursacht jemand unnötigen Lärm durch Autofahren, kann er zunächst wegen einer Ordnungswidrigkeit belangt werden.

Gesehen und gesehen werden: Laut Müller handelt es sich überwiegend um junge Männer im Alter von 18 bis 25 Jahren, die sich ein PS-starkes Fahrzeug aller gängigen Marken bis hin zu Ferraris leasen. Rekordhalter war im vergangenen Jahr der Fahrer eines aufgemotzten Nissan mit stolzen 800 PS. Dass die Teilnehmer dieser besonderen Zusammenkünfte anschließend noch auf die Autobahn gehen, wie auch schon geschehen, um die Pferdestärken in Geschwindigkeit umzusetzen, ist eine Ausnahme geworden. Eine klassische Raserszene kann Müller derzeit in Friedlingen jedenfalls nicht ausmachen. „Zum Glück“, wie er bemerkt.

Im vergangenen Jahr sind der Polizei aber Chinesen aufgefallen, die im Dreiländereck Urlaub machten, um dann, wie im Reiseprospekt angepriesen, einen Ferrari zu mieten. Mit den roten Flitzern rasten die Urlauber aus Fernost dann zwischen Weil am Rhein und Freiburg mit Tempo 250 und mehr über die A 5 – und auch in die Radarkontrolle.

Zusammenarbeit mit Schweizer Kollegen

Das Verkehrskommissariat arbeitet im Zusammenhang mit der Poser-Szene eng mit den Basler Kollegen zusammen. Bei Kontrollen kommen diese zuweilen auch nach Friedlingen, um die Fahrzeuge zulassungstechnisch unter die Lupe zu nehmen. Das heißt, die Schweizer Polizisten dürfen feststellen, ob unzulässigerweise Teile in die in der Schweiz zugelassenen Autos eingebaut wurden, die die Fahrsicherheit beeinträchtigen. Auch fehlende Kennzeichen oder getönte Frontscheiben werden immer wieder mal festgestellt.