Weil am Rhein Schaurige Tatorte mitten in der Stadt

Von Daniela Buch

Weil am Rhein. Die Gewinner des Kurzkrimi Wettbewerbs „Tatort Dreiländereck“ wurden am Montagabend in der Stadtbibliothek prämiert. Über den ersten Platz für die Krimigeschichte „Magdalena“  freute sich Heidi Hübner.

Der Wettbewerb war von der Stadtbibliothek anlässlich des 20-jährigen Bestehens in den Räumen der ehemaligen katholischen Kirche St. Peter und Paul veranstaltet worden. „Die Organisation des Wettbewerbs hat sehr viel Spaß gemacht. Wir haben unglaublich spannende Krimis bekommen“, berichtete Ellen Benz, die Leiterin der Stadtbibliothek, und ermutigte alle Teilnehmer: „Machen Sie weiter! Die Geschichten haben uns sehr gut gefallen.“

Überraschend sei die Vielfalt an Themen und Tatorten gewesen, die eingereicht wurden: vom Mord im Badeland über angesägte Maxistühle bis hin zum Berliner Platz, der Burg Rötteln oder dem Haltinger Friedhof. Spannend und originell sollten die Krimis sein, so die Vorgabe, und der Tatort natürlich im Dreiländereck liegen. Mindestens eine Seite, maximal zwei Seiten lang durfte die Kurzgeschichte lang sein. Abgabetermin war Ende Juli. 25 Teilnehmer im Alter von bis zu 84 Jahren hatten ihre Kurzkrimis eingereicht.

Die Preisträger wurden von einer Jury ermittelt, der Ellen Benz, Christina Kammerer, der stellvertretenden Bibliotheksleiterin, und Ralf H. Dorweiler angehörten. Bei der Bewertung mittels Punktesystem wurden verschiedene Kriterien berücksichtigt, zum Beispiel Spannung, Schreibstil und Idee.

Den ersten Platz erreichte Heidi Hübner mit der Geschichte „Magdalena“: ein Weltkriegsveteran, der als Gleiser bei der Bahn arbeitet, bringt seine Frau, die ihn über Jahrzehnte schlecht behandelt, nach einem Haushaltsunfall um. Sie fällt beim Aufhängen der Vorhänge von der Leiter, kann sich nicht mehr bewegen. Er schlägt mit dem Gehstock auf ihren Kopf ein, als der Zug für eine Minute an ihrem Haus an den Bahngleisen vorbeirattert, und erstickt sie mit einem Kissen.

Mit ihrer Geschichte über eine Serie von mysteriösen, tödlichen Autounfällen, deren Insassen alle von dem selben Parkplatz einer Gaststätte aus abfuhren, und für die schließlich ein „Serienmarder“ als Ursache ausgemacht wird, schrieb sich Susanne Kraft auf den zweiten Platz. Auf den dritten Platz schaffte es Anke Elsner, die übrigens extra den weiten Weg von Münster nach Weil am Rhein auf sich genommen hatte, um am Wettbewerb teilzunehmen. In „Falsche Erwartungen“ erzählte sie von einem Bankdirektor, der im Dreiländer Ferienpark der Nudisten von einem kurz vor dem finanziellen Ruin stehenden Kunden überrascht wird, und diesen unliebsamen Mitwisser später vom Schlaichturm stößt.

Die drei besten Geschichten werden in der Bibliothekszeitschrift veröffentlicht. Für den ersten Platz gab es ein Preisgeld von 150 Euro, für den zweiten Platz 100 und für den dritten Platz 50 Euro. Zudem gab es je einen Gutschein für die Jahresgebühr der Stadtbibliothek für die vierte bis zehnte Platzierung. Als Trostpreise wurden Eintrittskarten für eine Veranstaltung in der Stadtbibliothek vergeben.

Zur Teilnahme zugelassen waren eigentlich nur Autoren ab 18 Jahren. Aber weil etliche Kinder und Jugendliche Interesse gezeigt hatten, habe man sich entschlossen, Sonderpreise (Gutscheine für die Jahresgebühr) außerhalb des regulären Wettbewerbs zu vergeben, erklärte Ellen Benz. Bedacht wurden Bianca Bröske, Tina Bruker und Theodora Haselwander, die mit zwölf Jahren die jüngste Teilnehmerin war.

Die gut besuchte Preisverleihung war eingebettet in eine unterhaltsame Lesung mit Krimiautor Ralf H. Dorweiler. Unterstützt von Andrea Biehle und Werner Trautwein für die Übernahme der alemannischsprachigen Charaktere, las er einen Auszug aus seinem aktuellen Werk „Salamitaktik“ vor, und animierte dabei auch das Publikum, in die Lieder des darin vorkommenden Gesangvereins einzustimmen: den Bajazzo und das Badnerlied. Zuvor trug er seinen Kurzkrimi-Beitrag aus dem Sammelband „Wein, Mord und Gesang“ vor.

ZEITUNG lesen, MEINUNG bilden, WÄHLEN gehen! Jetzt 4 Wochen für einmalig ab 4 Euro lesen.

Umfrage

Corona-Test

Diese Woche soll eine neue Corona-Verordnung verabschiedet werden, die ab einem Grenzwert eine 2G-Regel (geimpft/genesen) vorsieht? Was halten Sie davon?

Ergebnis anzeigen
loading