Weil am Rhein Schon fünf Jahre viel für die Älteren getan

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In der Seniorenanlage „Frieda“ in der Danzigerstraße wurde gefeiert – gute Laune verbreitete Musikant Günter Jurth. Foto: Ines Bode

Beim Fest von „Frieda“ verteilt der OB Eis, und Günter Jurth sorgt für die musikalische Unterhaltung.

Alles Mögliche habe er bereits verteilt, aber Eis noch nie, schmunzelte Oberbürgermeister Wolfgang Dietz, der hinterm Eisstand für Absatz sorgte: Mit kalter und warmer Verköstigung, Musik und vielen Gästen wurde in der Danziger Straße „Fünf Jahre Frieda“ gefeiert – das zeitgemäße Senioren-Wohnkonzept der Wohnbau. Es seien besondere Häuser, findet Britta Gotzens vom Sozialen Management der Wohnbau.

Insgesamt gebe es 163 Ein- und Zweizimmerwohnungen, wo rein rechnerisch mit je 1,5 Personen nahezu 250 ältere Menschen leben. Vor fünf Jahren wollte man mit dem Konzept die Entwicklung in den Wohnquartieren positiv beeinflussen. Entstanden ist ein Miteinander, das auf Gemeinschaftlichkeit abzielt – neben Bezahlbarkeit und Versorgungssicherheit. Ob Festtag, ob Alltag, das Miteinander trete hervor.

So geschehen an einem Apriltag vor zwei Jahren, wie Anja Schell vom gleichnamigen Betreuungsdienst erzählt. Das Wetter sei so einladend ausgefallen, dass anlässlich des Geburtstags einer Bewohnerin ein Grillhock anberaumt wurde. Zufällig schaute Geschäftsführer Andreas Heiler vorbei, um sich spontan am Grill nützlich zu machen.

Heiler kennt viele namentlich, und andersrum. Es komme vor, dass Mieter nach 40 Jahren von der regulären Wohnung in eine Seniorenanlage wechseln. Heiler kennt auch manche Familiengeschichte. Auch Hausmeister Viktor Albrecht hat den Blick fürs Wesentliche. Fällt ihm auf, dass jemand nicht wie üblich mit den Anderen auf der Bank sitzt oder sonst wo fehlt, geht er hoch und fragt an der Wohnungstür, ob alles in Ordnung sei. „Der Herr Albrecht kümmert sich“, sagt Schell.

Das passt auch zu Günter Jurth. Er betreut den Frieda-Chor. Seit zwei Jahren werde gesungen, alle zwei Wochen geprobt. Zum Fünfjährigen sollte es was Besonderes sein. Einstudiert wurden Klassiker wie „Bajazzo“ und „Sierra Madre“ sowie die Volkshymne „Hoch auf dem gelben Wagen“. Zwischendurch animiert Jurth mit der Gitarre die Gäste zu einem Liedchen.

Steffen Schell nimmt derweil Komplimente entgegen: Eine Besucherin lobt das modernisierte Haus in der Breslauer Straße: Frieda 25. Alles sehe so schön neu aus, sogar ein Aquarium und Bänke gebe es im Eingangsbereich. Seine Frau Anja weist auf eine größere muntere Runde an einem der Tische auf der Terrasse: Der harte Kern. Das seien jene Bewohner, die gern mitanpacken.

Gesellige Anlässe gehören zum Pensum des Betreuungsdiensts. Auch Ideen der Bewohner finden laut Gotzens Berücksichtigung. Die Selbstständigkeit zu fördern und lange zu erhalten, gehöre vorrangig zu den Prinzipien des Frieda-Wohnens.

Der gute Ruf blieb nicht ungehört: Es gebe eine Warteliste mit 50 Namen, berichtet Heiler. Ab und zu telefoniere er die Bewerber ab. Einer schaffe es jedes Mal, ihn zu erstaunen: Ein 94-Jähriger aus Weil, der mitteile, dass er noch keine Lust zum Umzug habe, er sei noch zu rüstig.

Schell legt noch einen drauf: Eine 99-Jährige sei täglich flott mit dem Rollator unterwegs. „Machen Sie langsam“, rät die Jüngere. „Ich kann nicht“, antwortet die Ältere. OB Dietz sagt zur Frieda-Wohnqualität nur eines: „Gute Nachbarn seien mit das Wichtigste im Alltag, ob privat oder politisch.“

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