Weil am Rhein Schwarzanglern auf der Spur

Weiler Zeitung, 10.08.2018 10:12 Uhr

Das Schwarzangeln und auch Selfies mit gefangenen Fischen sind ein zunehmendes Problem am Rhein. Die Interessengemeinschaft Altrhein (IGAR) organisiert deshalb Kontrolltouren zwischen Weil bis kurz vor Neuenburg. Die Ehrenamtlichen erhalten auf ihren mehrstündigen Fahrten Lob, doch sie werden auch beschimpft und angegangen.

Von Marco Fraune

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Weil am Rhein. Mit seinen kräftigen Armen, dem nicht zur Gegenrede anregenden Erscheinungsbild und der klaren Ansprache sollte Joe Lütje eigentlich keine Probleme mit unliebsamen Zeitgenossen haben. Hat er aber doch. „Der hat gesagt, er macht, was er will“, erinnert sich der 45-jährige Organisator der Kontrolltouren an den Schwarzangler, der vor kurzem ohne Berechtigungsnachweis am Stauwehr Märkt gleich vier Routen in den Rhein ausgeworfen hatte. Lütje musste sich von ihm derbe Beschimpfungen anhören, bevor sich der Angler mit seinem Auto aus dem Staub machen wollte, beim Eintreffen der Polizei dann doch nicht flüchtete.

„In der jüngsten Zeit hat das Schwarzangeln zugenommen“, bemerkt Lütje. Schweizer und Franzosen befinden ebenso darunter wie Deutsche. Alle Altersgruppen sind vertreten. Der Älteste war über 60 Jahre alt. Für die Jüngsten, zehn und elf Jahre, endete es glimpflich. „Mit denen habe ich geschimpft und die Eltern angerufen.“

250 Euro bis zu Gefängnis

Mit Handschellen sind Lütje und die weiteren 14 Kontrolleure der Interessensgemeinschaft nicht unterwegs, doch falls sie einen Schwarzangler schnappen, können sie ihn bis zum Eintreffen der Polizei festhalten. Auch dürfen die Ehrenamtlichen die Angelutensilien erst einmal konfiszieren. Was später für eine Strafe auf die Übeltäter zukommt, hängt vom Fall ab.

Wenn nicht nur ohne Jahreskarte der IGAR und den deutschen Jahresfischereischein geangelt wird, sondern auch noch mit Lebendköder, fällt das Bußgeld höher aus. Der Durchschnitt liegt bei 250 Euro, es können 5000 Euro werden oder bis zu zwei Jahren Gefängnis.

Warum gehen die Angler diese Gefahr dann ein? Lütje muss eine längere Zeit über die Antwort nachdenken. „Eigentlich ist Angeln ein tolles Hobby“, antwortet er dann. „Vielleicht ist es der Reiz und der Kick, Schwarz zu angeln.“ Monetäre Gesichtspunkte könnten es auch sein. Bis ein Angler legal seine Route auswerfen darf, muss er Fachkompetenz erwerben, eine Prüfung ablegen und sich die 60-Euro-Jahreskarte besorgen. Summa summarum kommen dabei 550 Euro herum, und darin ist nicht die Ausstattung enthalten.

Ein Selfie mit dem Fang

Ein Problem, mit dem die Angler-Kontrolleure zunehmend konfrontiert sind, ist das „Catch and Release“, also dem Fangen und Zurücksetzen der Fische, um zwischendurch mit der Beute für ein Foto zu posieren. Den Fischen wird unnötiges Leid zugefügt und gesundheitliche Schäden sind die Folge. Auf französischer Rheinseite ist es in einigen Abschnitten zwar erlaubt, doch in Deutschland verboten. Lütje: „Catch and Release nimmt aber leider zu.“

Körperlich angegangen

In einer WhatsApp-Gruppe sind die 15 Kontrolleure organisiert, wobei Lütje die Koordination übernimmt, für Schulungen sorgt und als oberster Fischereiaufseher der IGAR im Einsatz ist. Die Fahrten auf den Wirtschaftswegen entlang des Rheins, auf Radwegen und Schotterstrecken erfolgen möglichst nicht alleine, um die Gefahren zu reduzieren. Denn: Selbst Lütje wurde nicht nur beschimpft, sondern schon zwei Mal körperlich angegangen. „Ich habe aber keine Angst, sonst würde ich es nicht machen“, ist der aus einer Fischerfamilie stammende 45-Jährige auch nachts unterwegs. „Vor allem in den Abendstunden passiert viel.“ Probleme gibt es selbst, wenn andere Bürger in der Nähe sind. So bilde der Stauwehr Märkt einen neuralgischen Punkt. „Die Schwarzangler sind dreist geworden“, bemerkt Lütje. Zumindest stellt er keine Wiederholungstäter fest. „Das spricht sich in den Kreisen rum.“

„Mehr Unterstützung“

Zugleich setzt er darauf, weiteres Bewusstsein zu schaffen. „Polizisten müssen geschult werden.“ So würden viele Ordnungshüter das Schwarzangeln als Lappalie ansehen. Auch vom staatlichen Fischereiaufseher wünscht er sich mehr Unterstützung. Dabei sorge die IGAR mit viel Zeitaufwand für die Pflege des 33-Kilometer-Abschnitts – auch dafür, dass Forellen, Karpfen oder Schleien am Haken zappeln.

Seit 2017 sind die IGAR-Kontrolltouren intensiviert worden, die drei bis fünf Stunden für eine Fahrt von Weil bis kurz vor Neuenburg dauern. „Wir kümmern uns einfach um den Rhein und dass die Gesetze eingehalten werden“, erklärt Lütje die Intention. Reichlich Müll werde dabei auch weggeräumt.

300 Euro für Sprit & Co.

30 bis 40 Stunden ist er ebenso wie sein 20-jähriger Sohn dabei im Monat unterwegs, wobei er froh über die Rückendeckung durch seine Frau ist. „Mich beruhigt es auch nach dem stressigen beruflichen Alltag.“ Und dafür greift er tief in die eigene Tasche. Wie seine Mitstreiter bezahlt er den verfahrenen Sprit selbst und nutzt den eigenen Wagen, der im Gelände leidet. 300 Euro pro Monat fallen so an. Da freut es die Ehrenamtlichen, wenn sie auch mal Lob erhalten, wie bei zwei Achtzigjährigen, die am Rhein legal angelten. Nach 40 Jahren erlebten beide die erste Kontrolle. „Gut, was ihr aufgebaut habt“, hörten die Kontrolleure, die allesamt selbst mit Leidenschaft angeln. Lütje: „Dankende Worte tun einem gut.“

 
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