Weil am Rhein Schwimmer auf dem Trockenen

Die Schwimmer können seit über einem Jahr nicht mehr im Laguna trainieren. Foto: zVg/Thomas Dix

Weil am Rhein - 13 Monate ist es her, dass die Schwimmsport-Gemeinschaft (SSG) Weil am Rhein das Training einstellen musste, da das Laguna zumachte. Auch die Kleinschwimmhalle der Tschamber-Schule, wo Anfängern der Wassersport beigebracht wird, schloss bald darauf. Seither versucht sich der Verein „über Wasser zu halten“. Wie hat sich die Lage seither entwickelt?

Unbefriedigend war unter anderem, dass die nach den Sommerferien 2019 begonnenen Kurse der Schwimmschule nicht mehr weitergeführt werden konnten, heißt es in einer Vereinsmitteilung zu den Folgen der Corona-Pandemie. Die restlichen Kurstermine mussten ersatzlos ausfallen. Hoffnung sah man in der nächsten Saison, die im September 2020 beginnen sollte. Doch erneut kam die Pandemie in die Quere. Schneller als erwartet musste die Schwimmschule nach nur vier Wochen wieder schließen.

Die finanziellen Folgen

Da die Schwimmschulkurse in diesem Schuljahr noch gar nicht richtig anlaufen konnten, hat der Vereinsvorstand beschlossen, diese vorzeitig zu beenden und die gezahlten Kursgebühren zurückzuerstatten. Die finanzielle Auswirkung bekommt der Verein zu spüren.

Die SSG arbeitet laut Erläuterungen gerade so kostendeckend. Der Verein sieht sich insbesondere als Jugendverein, der zudem die Kriterien der Gemeinnützigkeit erfüllt. „Primär ist es das Ziel des Vereins, allen die Möglichkeit eröffnen zu können schwimmen zu gehen“, betonten die Verantwortlichen.

Durch die Erstattung der Kursgebühren für die Schwimmschule verzichtet der Verein auf eine wichtige Einnahme. Zwar seien die gegenüberstehenden Ausgaben coronabedingt zurückgegangen, doch nicht in entsprechendem Maße. So seien für das vergangene Jahr zwar keine Kosten für Wettkämpfe angefallen, doch die laufenden Kosten blieben bestehen – Kosten für Versicherungen, Verbandsbeiträge und die Vereinsverwaltung. „Freundlicherweise hat die Stadt dem Verein lediglich die tatsächliche Nutzungszeit des Laguna-Sportbeckens und der Kleinschwimmhalle in Rechnung gestellt.“

All diese Aufwendungen ohne die Einnahmen aus der Schwimmschule – also rein aus den Mitgliederbeiträgen – zu bewältigen, ist dem Verein für das vergangene Jahr zwar gelungen, unter anderem auch, da der Vorstand auf seine Aufwandsentschädigung verzichtet hat; doch wird dies laut Kassenwart Maximilian Krause auf Dauer nicht möglich sein. Schon vor Ausbruch der Pandemie stand in Rede, die Mitgliederbeiträge zu erhöhen, um weiterhin kostendeckend agieren zu können.

Wie die Situation für das aktuelle Jahr gehandhabt werden soll, ist unklar. Aus Gründen des Trainingsausfalls ist der Mitgliederbeitrag 2021 noch nicht eingezogen worden. „Dies muss aber noch nachgeholt werden“, heißt es.

Fitness ein Knackpunkt

Doch die finanzielle Lage ist nur ein Aspekt der aktuellen Situation. Vorsitzender Tobias Brodda macht sich auch Gedanken um die Schwimmfähigkeit der Kinder und Jugendlichen in Weil am Rhein. Wenn die SSG weiterhin gehindert ist, Kindern das Schwimmen beizubringen, blickt er mit großer Sorge in die Zukunft.

Außerdem sorgt sich Brodda um die Fitness seiner Vereinsmitglieder. Das Training ist seit März vergangenen Jahres eingestellt, eine Wiederaufnahme im Spätsommer/Herbst 2020 scheiterte daran, dass das Laguna geschlossen blieb. Daher hat sich Brodda intensiv um Alternativmöglichkeiten bemüht. Trockentraining in der LGS stand zur Debatte und die Stadt hat dem Verein letztlich eine Trainingszeit in der Tschamber-Turnhalle zur Verfügung stellen können. Ein Angebot, das aufgrund steigender Infektionszahlen und angepasster Verordnungen dann doch nicht genutzt werden konnte.

„Ich würde so gerne wieder ins Wasser“ – ein Satz, der nunmehr über ein Jahr alt ist und welchen Martin Bößwetter als Technischer Leiter mehrfach hörte.

Vereinsleben ruht

Der Großteil des Vereinslebens ruht seit März vergangenen Jahres – weder ein Schwimmtraining, ein geselliges Beisammensein oder ein Wasserballtrainingsspiel noch ein Schwimmwettkampf scheinen in absehbarer Zeit realisiert werden zu können. Schon damals fiel es den Mitgliedern schwer, die trainingsfreie Zeit zu überstehen.

Alternativen sind derzeit keine in Sicht und aufgrund der aktuellen Verordnungen – insbesondere der Kontaktbeschränkungen – auch nicht umsetzbar. Doch noch etwas anderes kommt hinzu: „Die Leute wollen ins Wasser, wir sind keine Läufer“, erklärt Vorsitzender Brodda. Krafttraining zuhause und Joggen ersetzen auf Dauer kein Schwimmtraining, weiß er. Der Vorstand blickt mit Spannung und hohen Erwartungen gen Sommer, mit der Hoffnung endlich wieder im kühlen Nass trainieren zu können.

Weil am Rhein. Die Schwimmsport-Gemeinschaft Weil am Rhein sorgt sich aufgrund der Corona-Folgen um die Schwimmfähigkeit der Kinder. Ob sich die Situation auf das Lernen der Kinder auswirkt, wird sich noch zeigen müssen, heißt es. In der Schwimmschule sollten in diesem Schuljahr knapp 80 Kinder schwimmen lernen.

Auch die Wartelisten füllen sich zunehmend, weil Interessierte damit rechnen, dass ein Schwimm- und Trainingsbetrieb zeitnah wieder aufgenommen werden kann. „Die Wartelisten waren bereits vor Corona bis zu mehreren Jahren in die Zukunft gefüllt. Wenn diese nun auflaufen, wird es schwierig werden, nach Öffnung der Bäder allen Interessenten gerecht zu werden“, sorgen sich die Verantwortlichen.

Nach wie vor sind Anmeldungen zwar möglich, doch ist mit längeren Wartezeiten zu rechnen. Durch den Ausfall einer Saison werden die Wartelisten zwangsläufig um ein Jahr nach hinten verschoben. So ist die Liste für das Schuljahr 2022/2023 bereits geschlossen, die Liste für 2023/2024 füllt sich zunehmend.

Grundlagen verblassen Marcel Hausding, Leiter der Schwimmschule, sieht schwere Folgen für die Kinder, die erst vor Kurzem angefangen haben, Schwimmen zu lernen und nun den Kurs nicht mehr besuchen können. Die wenigen Grundlagen, die bislang erlernt wurden, verblassen schnell wieder. Koordination und Kondition schwinden rasch. Generell führe die Situation zu einem Bewegungsmangel der Kinder.

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