Weil am Rhein Sehnsucht nach Afrika

Gereist werden darf derzeit nur via Fotoband: Rolf Frei Foto: Gabriele Hauger Foto: Weiler Zeitung

Von Gabriele Hauger

Weil-Haltingen. Afrika gilt als Sehnsuchts-Kontinent. Wer einmal da war, kommt wieder – so sagt man. Ein Klischee, das der Weiler Fotograf Rolf Frei bestätigt. Viele Reisen führten ihn dorthin, Reisen, auf denen er natürlich seine Kamera dabei hatte. Unter dem Titel „Moments“ hat er nun einen Fotoband herausgegeben mit Aufnahmen aus den Jahren 1994 bis 2019: analog, Dias, digital. Namibia, Botswana, Südafrika, Mosambique und Simbabwe wurden von Frei bereist, residiert wurde in wunderbaren Lodges oder einfachen Zelten, ganz nah bei Einheimischen. So vielschichtig die Reisen, so vielschichtig die Impressionen, die der renommierte Fotograf hier präsentiert.

Coronabedingt habe er Zeit und Muße gehabt, sein üppiges Archiv zu sichten, eine Auswahl zu treffen. Den Einstieg bilden grandiose Landschaften, die Weite, die Unberührtheit, die Fernsicht im Fokus. Es folgen Tieraufnahmen, die die Persönlichkeit derselben unterstreichen – vom auf die Kamera fokussierten Löwen über den scheinbar sinnierenden Affen bis zur stolzen Giraffe, die einer Schönheitskönigin gleich in der grünen Landschaft steht, bis zu den sich im gemächlichen Schritt wiegenden Elefanten-Hinterteilen. Es gilt, im richtigen Moment am richtigen Ort in der genau richtigen Sekunde auf den Auslöser zu drücken, damit das gähnende Raubtiergebiss und die rosa Zunge des selten zu sichtenden Leoparden so spektakulär vor die Linse kommt, dass die Fotografie das Deckblatt des wertigen Bandes zieren kann.

Stundenlang könnte Frei von seinen Reisen erzählen. Mit dem „Afrika-Virus“ infiziert wurde er schon von Großvater und Vater, die beide begeisterte Afrika-Reisende waren, als der Kontinent noch kein Touristen-Hotspot war. Das war 1938, als die beiden gemeinsam mit dem Auto in Basel starteten und mit der Fähre nach Casablanca übersetzten, wie Rolf Frei auch in seinem Vorwort beschreibt. Der Vater brachte faszinierende Objekte aus Afrika von seinen Reisen mit und weckte so das Interesse des Sohnes, der ihm daheim im Labor half, die Aufnahmen zu entwickeln, Filme zu schneiden. 1994 schließlich startete Frei selbst seine erste berufliche Reise nach Südafrika. Zur Jahrtausendwende folgte das Buschmann-Projekt, gemeinsam mit dem ehemaligen Weiler Kulturamtsleiter Tonio Paßlick mit unvergesslichen Einblicken in das Leben der Ureinwohner Namibias, der San.

Die Menschen Afrikas finden auch ihren Platz im Band: stolze Frauen, strahlende Kinder, melancholische Township-Bewohner. Auch das moderne Kapstadt mit Parkvergnügen und beeindruckender Museumslandschaft wird abgebildet. Manchen Fotografien sind Zitate oder Sinnsprüche zugeordnet: „Willst du die Steppe kennenlernen, musst du einen Tag darin verbringen“, ist eines davon.

Rolf Frei nimmt sich für seine Fotografien Zeit. Das Dauergeknipse vieler Afrika-Touristen ist seine Sache nicht. Er macht an manchen Ausflügen gerade mal drei, vier Aufnahmen. Seine Bilder haben eine starke kompositorische Kraft. Flächen, Formen, Farben und Linien korrespondieren und harmonieren. Erst dann wird auf den Auslöser gedrückt.

Ob Afrika-Kenner oder Neuling: beim Durchblättern des Bandes wächst die Sehnsucht, diesen faszinierenden Kontinent zu besuchen. „Moments“, von Rolf Frei, 176 Seiten, 26 Euro

Der Klassiker ist wieder da: Lesen Sie das ePaper bis zum Jahresende für nur 89 Euro! Gleich HIER anfordern.

  • Bewertung
    1

Umfrage

Angela Merkel

Die Kanzlerfrage beschäftigt die Union. Wer wäre Ihrer Ansicht nach der bessere Kanzlerkandidat: Armin Laschet oder Markus Söder?

Ergebnis anzeigen
loading