Weil am Rhein Sie sind die dritte Fasnachtssäule

Monika Merstetter
Koordinator und Motivator der Schnitzelbänggler ist nach wie vor Stefan Arndt, hier mit dem aktuellen Plakat. Foto: Monika Merstetter

Neben der Saal- und der Straßenfasnacht ist das Schnitzelbangg-Singen in der Gunst des Publikums die unverzichtbare dritte Säule der Weiler Fasnacht. Dieses Jahr feiert die „Interessengemeinschaft Wiler Schnitzelbängg“ ihren 33. Zug durch die Weiler Beizen.

Von Monika Merstetter

Weil am Rhein. Nachweislich gab es bereits im Jahr 1929 diesen urigen Fasnachtsbrauch des Bänkellieder-Singens im Verbund mit bildlicher Darstellung von vier Cliquen in Weil. Damals hießen sie „Clique zue Wasser, Luft und Land“, „D’ Leopoldshöher Müllabfuhr“, „ Alti Sportgligä vo Wyl“ und „Fabriknäscht Clique“. Später sind kriegs- und besatzungsbedingt erst ab dem Jahr 1950 wieder Nachweise über das Schnitzelbangg-Singen zu finden.

Stadträte zensierten die Verse

Ein Kuriosum dabei war, dass damals die Rathausspitze angeordnet hatte, dass vor den Auftritten die Verse zwei Stadträten, meistens waren es Fritz Joos und Heinz Schleyer, zur Zensur vorgelegt werden mussten. Eberhard Petri, 1957 Mitbegründer der „Vereinigten Schnitzelbängg Weil am Rhein“ hat oft davon erzählt.

Im Jahr 2014 gab es ein großes Kopfschütteln, als die Weiler Zeitung berichtete, dass die Schnitzelbangg-Sänger mit Boykott drohen, da die Verwaltungsspitze diese Zensur wieder einführen wolle. Der Initiator des Berichts, Stefan Arndt, schmunzelt noch heute darüber, denn nicht alle, die sich beschwerten, hatten auf das Datum 1. April geschaut.

Ende der 1950er Jahre schliefen die Aktivitäten wieder ein, bis in den 1970er- Jahren erneut ein reges Treiben rund um den Schnitzelbangg einsetzte. Treibende Kräfte waren damals ab 1970 die „Rhy-Waggis“ und auch eine Gruppe mit Karl Kiefer, Willi Rau, Artur Weber, Horst Homann und Detlef Schlosser, die 1972 beschlossen „wir machen Schnitzelbangg“. Am 11.11.1976 stieg die „Alti Fabriknäscht Clique“ wieder mit ein.

Bis dahin lief alles ungeordnet, jede Gruppe ging in zufällig gewählte Gaststätten und oft kollidierten sie dabei auch mit den umherziehenden Guggemusiken. Daher wurde im Jahr 1977 beschlossen, dem Ganzen einen geordneten Rahmen zu geben.

Gruppen sehen sich nicht als Konkurrenten

Der erste Organisator war Horst Hohmann (Ghetto-Singers), der die Organisation auf Butterbrotpapier schrieb. Ihm folgte Reinhard Schmid (Rhy-Waggis). Da kam eine manuelle Schreibmaschine zum Einsatz. Ab dem Jahr 1994 übernahm Hansi Hartmann (Zwei Vagabunden) die Organisation und stellte auf Computer um. Im Jahr 2014 ging der Stab weiter an Stefan Arndt (Lachsfrässer) und der verfeinerte nach und nach die Organisation der bis zu zehn Cliquen, die an drei Abenden bei rund 21 Terminen in rund 16 verschiedenen Lokalen auftreten.

Arndt hält die Akteure zusammen, kreiert das bekannte Plakat und hat ein Netzwerk zu den Gaststätten. Er tüftelt die Strecken aus, damit so viele Orte wie möglich nach dem gesteckten Zeitplan bedient werden können, und das Publikum in den stets vollbesetzten Lokalen Schlag auf Schlag voll auf seine Kosten kommt. Obwohl Stefan Arndt und sein Partner Peter Müller, mit dem er 1995 die „Lachsfrässer“ gründete, 2020 zum letzten Mal auftraten, blieb Arndt als Organisator den Schnitzelbängglern erhalten. Für ihn war es eine wunderschöne Zeit, vor allem auch, weil die Gruppen untereinander in ihrer Verschiedenartigkeit sich nie als Konkurrenten sehen und daher immer eine gute Kameradschaft herrscht. Also machte er als Koordinator weiter.

Und hätte, hätte – Fahrradkette, nie ein Golfkrieg stattgefunden und es kein Corona gegeben, dann wäre es in dieser Fasnachtsaison nicht das 33-jährige Bestehen, sondern bereits die 36. Veranstaltung nach ausgetüfteltem Fahrplan gewesen.

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