Weil am Rhein So alt wie die Stadt selbst

Die evangelische Kirche in Alt-Weil ist die älteste Kirche der Stadt. Foto: Adrian Steineck Foto: Weiler Zeitung

In der fünften Folge unserer Sommerserie widmen wir uns der evangelischen Kirche Alt-Weil. Das Gotteshaus auf dem Lindenplatz ist so etwas wie das Zentrum von Alt-Weil und zugleich die älteste Kirche der Stadt.

Von Adrian Steineck

Weil am Rhein. Sie ist so alt wie Weil am Rhein selbst: Die erste urkundliche Erwähnung der Altweiler Kirche stammt aus jenem Dokument aus dem Jahr 786, das auch die erste Erwähnung von „Willa“ enthält. Darin schenkt ein Ercanpert seinen Anteil an der Kirche in Willa dem Kloster St. Gallen. In den folgenden gut zwölf Jahrhunderten hat das Gotteshaus vieles er- und überlebt und wurde mehrfach neugebaut.

Mit dem Bau der Altweiler Kirche, wie man sie heute kennt, wurde im Jahr 1789 begonnen. Es handelt sich um den bereits dritten Neubau, nachdem die Kirche im 16. und 17. Jahrhundert mehrfach massiv durch Kriege in Mitleidenschaft gezogen wurde. So wurde die Kirche im Jahr 1633 durch Brandschatzung kaiserlicher Truppen schwer beschädigt. In der Schlacht bei Friedlingen im Jahr 1702, als sich während des spanischen Erbfolgekriegs das Heilige Römische Reich und Frankreich gegenüberstanden, wurde das Gotteshaus als Pferdestall benutzt.

„Grenzkirche“

Als „Grenzkirche“ bezeichnete der damalige Pfarrer Brodhag das Altweiler Gotteshaus in einem Schreiben an den Markgrafen von Baden aus dem Jahr 1755. Dies hatte damit zu tun, dass die Kirche in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts zunehmend von Kirchgängern aus den benachbarten Grenzgebieten besucht wurde, was die Platzverhältnisse für die einheimischen Gemeindemitglieder verschlechterte.

„Die Weiler Kirche ist eine Grenzkirche, zu welcher außer der evangelischen Gemeinde in Basel auch viele unserer lutherischen Glaubensgenossen aus Mülhausen, Solothurn, Bern und Burgund halten“, schrieb er. „Da die hiesigen Bürger die Kirche vorzeitig besetzen, müssen die Fremden in großer Zahl bei Wind und Wetter draußen stehen bleiben. Unter diesen befinden sich vornehme und angesehene von der Festung Hüningen, Kaufleute, Barone und Edelleute beiderlei Geschlechts. An den Festtagen kommen oft 300 bis 400 Fremde zur Communion, da muss jedesmal das Abendmahl für die Weiler Bürger ausfallen“, klagt Brodhag in dem Schreiben weiter.

Völliger Neubau

Da die Kirche nicht nur zu klein, sondern das Gebäude inzwischen auch baufällig geworden war, stellte der Pfarrer 1783 einen Antrag auf völligen Neubau. Bevor damit begonnen werden konnte, mussten neue Grundstücke erworben werden. Dafür tauschte die Gemeinde 1787 mit dem Domstift Basel das Grundstück östlich, auf dem sich das alte Pfarrhaus befand. Ein weiteres Grundstück nördlich daran anschließend wurde für 800 Pfund dazu gekauft.

Mit dem Neubau der dritten und heutigen Kirche konnte im Jahr 1789 begonnen werden; die Pläne dafür fertigte Landesbaumeister Wilhelm Jeremias Müller an. Man behielt den Kirchturm bei und errichtete östlich davon den neuen Chor und das Langhaus. Für den Materialtransport errichtete man oberhalb des Riehener Stegs eigens eine Brücke über die Wiese. Nach zweijähriger Bauzeit wurde die Kirche im September 1791 eingeweiht.

Da der alte Turm neben dem neuen Langhaus nur unwesentlich höher war und im Jahr 1825 darüber hinaus der Wunsch geäußert wurde, eine dritte Glocke einzubringen, wurde im selben Jahr von der Bezirksbauinspektion eine Erhöhung des Kirchturms vorgeschlagen. Bei einer Abstimmung im Juli 1828 scheiterte der aus statischen Gründen geplante neue Kirchturm aber an der erforderlichen Zweidrittelmehrheit. Damit legte man die Pläne zur Turmerhöhung zunächst beiseite.

Letzte Renovierung 1978

Erst im Jahr 1905 ging ein Schreiben von der Evangelischen Kirchenbauinspektion Karlsruhe an die Großherzogliche Bezirksbauinspektion Lörrach, die um Vorschläge zur Turmerhöhung bat. Nachdem nach neuerlichen Plänen keine statischen Bedenken mehr bestanden, konnte im Dezember mit den Roharbeiten begonnen werden. Für die Aufstockung setzte man dem Turm ein Satteldach auf, um die Proportionen so wirken zu lassen, als sei die Kirche gemeinsam mit dem Turm entstanden.

Die vorerst letzte Renovierung fand im Jahr 1978 statt, als im Turm unter anderem ein farbiges Fenster angebracht wurde, das der Basler Kunstmaler Hans Studer geschaffen hat.

Derzeit macht man sich in der evangelischen Kirchengemeinde Alt-Weil bereit für die Zukunft, wie es im Pfarramt auf Nachfrage unserer Zeitung heißt. So stehen im Dezember Kirchenwahlen an, bei denen die derzeit sechs Kirchenältesten zur Wahl stehen. Diese fungieren als Bindeglied zwischen dem Pfarrer Michael Hoffmann und der Gemeinde.

Unter dem Titel „Lebensader Hauptstraße“ steht die Sommerserie unser Zeitung. Vier Wochen lang blicken wir von Montag bis Samstag darauf, welche interessanten Personen, Plätze und Gegebenheiten es dort gibt.

Bereits erschienen:

Folge 1, 12. August: Zollamt Folge 2, 13. August: TAM

Folge 3, 14. August: Altweiler Schlössli

Folge 4, 15. August: Winzer Schneider

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