Weil am Rhein So macht sich Coronavirus in der Innenstadt bemerkbar

Weil am Rhein - Viele geschlossene Läden, wenig Verkehr und großflächige Absperrungen im Kaufhaus: In der Innenstadt von Weil am Rhein herrschte am Mittwochmittag eine fast sonntägliche Ruhe. Die Geschäftswelt kommunizierte unterschiedlich die Schließung an ihre Kunden und bewertet die von Bund und Land beschlossene sowie von der Stadt nun umzusetzenden Vorgaben differenziert.

Der Gemeindevollzugsdienst war seit 14 Uhr im Einsatz. Es erfolgten aber noch keine „scharfen Kontrollen“, so Stadtsprecherin Junia Folk, sondern es wurden Info-Handzettel verteilt. Im Rathaus ging es erst einmal darum, die neue Rechtsverordnung des Landes zu lesen, zu prüfen und zu interpretieren. „Der Info-Bedarf insgesamt ist noch sehr groß. Auch auf Seiten der Verwaltung.“

Die Händlervereinigung „Weil-aktiv“ will erst in Ruhe die neue Situation bewerten, wie der Vorsitzende Wolfgang Raithel gestern Nachmittag auf Anfrage erklärte. Eine Stellungnahme wird daher für den heutigen Mittwoch angekündigt.

Flächendeckend sind Geschäfte, die nicht der Grundversorgung dienen, geschlossen worden, nachdem die Landesregierung die Ankündigung der Kanzlerin von Montagabend in Form einer „Verordnung über infektionsschützende Maßnahmen gegen die Ausbreitung des Coronavirus“ am Mittwoch in Kraft treten lassen hat. „Dieser müssen wir uns anschließen“, teilen Melanie und Axel Teubner vom Modehaus Ermuth ihren Kunden auf einem Zettel am verschlossenen Eingang mit – samt einer Telefonnummer, an die sie sich wenden können.

Auf eine „Service-Hotline“ verweist der Vodafone-Shop, auch dieser ist zu. Daneben weist ein anderer Zettel auf die Tage zuvor hin, als nicht mehr Hände geschüttelt wurden und Begrüßungen sowie Verabschiedungen mit einem Lächeln erfolgten.

„Vorübergehend geschlossen“, heißt es auf einem Plakat des Schuhhauses Wachenheim. „Wir freuen uns, sie bald wieder professionell beraten zu dürfen.“ Mit einem Wunsch, dass die Kunden gesund bleiben, verabschiedet sich das Team.

Die Thalia-Buchhandlung ist aufgrund der Verordnung ebenfalls geschlossen worden. „Zu Ihrer und unserer Sicherheit haben wir kurzfristig geschlossen“, steht in großen Buchstaben zu lesen. Ab dem 19. April sei der Buchladen wieder wie gewohnt für die Kunden da. Telefon und der Verweis auf den eigenen Online-Buchhandel ergänzen die Info.

„Liebe Kunden, leider dürfen wir den Laden für Sie nicht mehr öffnen“, erklärt das Team von Pro Optik in seinem Aushang an der ebenfalls verschlossenen Eingangstür. Man arbeite aber daran, dass Termine für Notfälle eingerichtet werden.

Das Feinkost-Geschäft „Enoteca – pane e pepe“ mit Restaurant und Weinhandel hatte gestern Mittag zwar ebenfalls zu, doch ein weitergehender Hinweis fehlte noch. Dafür bewiesen die Geschäftsinhaber Humor. In der Auslage befanden sich zwei 16er-Pakete mit Toilettenpapier. „50 Euro – bis bald! Bleibt gesund“, hieß es hier.

Wenig glücklich sahen die Eisdielenbetreiber aus, die noch um 13 Uhr aus dem Geschäft heraus Hörnchen mit kühlen Kugeln darauf verkauften, während auf den ansonsten vollen Sitzgelegenheiten davor kein Mensch mehr saß. Einige der Stühle wurden zugleich schon zusammengeräumt.

Beim Kaufring befand sich Geschäftsführer Michael Cornelius ab morgens bis zum Nachmittag in verschiedenen Gesprächen und Sitzungen. In dem Einkaufcenter waren schon am Morgen weiß-rote Sperrbänder zu sehen. Denn: Der Schmuck- und Textilbereich wurde damit bereits nicht in Betrieb genommen. Anders als die Post, das integrierte Frisörgeschäft und das Lebensmittelgeschäft.

Eigentlich wollte Andreas Ott seine Speisegaststätte von 11 bis 15 Uhr offen halten (wir berichteten). Nachdem dann aber kaum Gäste kamen, hat er nun das Restaurant von „Ott’s Leopoldshöhe“ geschlossen. Den gleichen Schritt waren auch schon der Haltinger „Rebstock“ und der Altweiler Schwanen gegangen. Die „Chläbi“ in Alt-Weil verlängert nun die Betriebsferien. Die Altweiler „Krone“ versucht es erst einmal mit einem Drive-In-Schalter, an dem Speisen bestellt werden konnten.

Die Haltinger Winzer kündigten gestern Morgen an, auch in den nächsten Tagen zu den normalen Öffnungszeiten für Kunden da zu sein. „Kommen Sie gerne vorbei und versorgen Sie sich mit feinen Weinen“, hieß es, wobei zugleich auf Direkt-Liefermöglichkeiten im Stadtgebiet Weil am Rhein und Umgebung sowie den Online-Shop verwiesen wurde. Schon am Montag hatte das Weingut Schneider hingegen mitgeteilt, dass der Weinverkauf ab sofort „auf unbestimmte Zeit“ geschlossen wird. „Die Gesundheit unserer Mitarbeiter und Kunden hat für uns oberste Priorität.“ Man hoffe, gemeinsam die Krise gut zu meistern. In den Weinbergen gehe die Arbeit jetzt erst einmal weiter. Zudem gebe es einen Weinflaschen-Lieferservice.

Viel weniger Kunden zählt Jürgen Rühle, Inhaber der gleichnamigen Drogerie. „Natürlich kommen die Schweizer und Franzosen nicht mehr, aber auch die Deutschen befolgen offensichtlich den Aufruf, nur das Notwendigste zu erledigen.“ Als Drogerie gehört Rühles Geschäft zu den Läden, die weiterhin geöffnet haben dürfen. „Wir wollen auch die passende Beratung bieten und die Menschen verstärkt darauf aufmerksam machen, wie sie ihr Immunsystem stärken können“, betont Rühle. Außerdem empfehle man den Einkäufern ätherische Öle, die zum Teil antiviral wirken können. „Wir haben auch Vernebler im Geschäft stehen, die wir damit betanken.“

Ab heute sollen die Kassierer durch Plexiglasscheiben von den Kunden ein Stück weit abgegrenzt sein. „So gibt es eine Barriere, aber die Kommunikation ist weiterhin gut möglich.“ Kunden, die Krankheitssymptome aufweisen, bittet Rühle, nicht selbst in den Laden zu kommen, sondern Bekannte zu schicken. Pläne für eine Sonntagsöffnung, die ab sofort möglich wäre, hat Rühle nicht. „Es ist ja auch ruhiger im Laden.“

Im Rhein-Center haben gemäß der Rechtsverordnung der Landesregierung noch folgende Mietbereiche geöffnet: Marktkauf, Apotheke, dm-Drogeriemarkt, Apollo, Reformhaus Bacher, Reisebank und Kölle Zoo. „Einige Gastronomiebetriebe mit entsprechenden Voraussetzungen haben zu den festgelegten Öffnungszeiten ebenfalls geöffnet“, erklärt Centermanagerin Alev Kahraman auf Nachfrage.

„Wir haben von Anfang an, das heißt seit der allgemeinen Sensibilisierung dieser Thematik, alles in unserem Ermessen mögliche getan, um einer negativen Auswirkung beziehungsweise Verbreitung mit bestem Wissen und Gewissen entgegen zu wirken“, erklärt sie. Dazu zählen nach ihren Angaben Mieterinformation, Kundeninformation sowie erhöhte Hygiene-, aber auch Sicherheitsmaßnahmen. Aktuell sei nicht geplant, einen Sonntagsverkauf durchführen.

Seit dem letzten Februarwochenende gab es zeitweise eine erhöhte Nachfrage im Bereich Grundnahrungsmittel. „Die Warenversorgung des Marktkaufs ist jedoch auch weiterhin sichergestellt“, sagt Florian Heitzmann, Referent für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit bei Edeka Südwest. Versorgungsengpässe gebe es im Moment lediglich im Bereich Desinfektionsmittel. Waren würden grundsätzlich in haushaltsüblichen Mengen abgegeben. „Aufgrund der aktuell erhöhten Nachfrage weisen wir hierauf in einzelnen Märkten und bei besonders stark nachgefragten Artikeln zum Beispiel mittels Schildern hin.“

Die aktuellen Entwicklungen verfolge man intensiv und stehe im präventiven Austausch mit den Gesundheitsbehörden. „Es gelten besondere Regelungen bezüglich Hygiene und Prävention. Wir bitten unsere Kunden etwa mittels Schildern, einen Mindestabstand von eineinhalb Metern einzuhalten und vornehmlich bargeldlos mit Karte zu bezahlen.“ Für das Personal an den Kassen gebe es Flächen- und Handdesinfektionsmittel sowie zusätzliche Pausen.

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