Weil am Rhein Spiel mit Holz, Marmor und Metall

Weiler Zeitung, 13.06.2018 22:00 Uhr

Der Vitra Campus ist um zwei Kunstwerke reicher: das „Blockhaus“ von Thomas Schütte und „Ruisseau & Ring“ von den Brüdern Ronan und Erwan Bouroullec. Gestern wurden die Gebilde offiziell vorgestellt.

Von Saskia Scherer

Fotostrecke 2 Fotos

Weil am Rhein. Das „Blockhaus“ ist aus einem Modell entstanden, das Rolf Fehlbaum, emeritierter Vorsitzender des Verwaltungsrats von Vitra, bei einer Ausstellung in Düsseldorf sofort ins Auge stach, wie er berichtete. Anschließend fragte er Schütte, ob dieser sich vorstellen könne, solch ein Gebäude auf dem Campus zu realisieren.

Unter der Aufsicht von Bauingenieur Alexander Braun wurde es in Russland hergestellt und schließlich nach Weil transportiert. Entstanden ist ein Haus mit einem sechseckigen, leicht unregelmäßigen Grundriss. Die Seitenwände sind nicht im rechten Winkel, sondern wurden mit einer leichten Neigung nach außen errichtet. Den Dachfirst machen ein starkes Gefälle und Knick aus. Gefertigt ist es aus Polarkiefernholz. Die Dachabdeckung aus Titanzink stammt von der Firma Rathberger aus Efringen-Kirchen.

„Was ins Innere soll, war lange unklar“, sagte Fehlbaum. Schließlich entschied man sich für Bänke und einen Trinkbrunnen, den Heide Jansen modelliert hat und der von Keramiker Niels Dietrich gebrannt wurde.

Das „Blockhaus“ folgt einer anderen Gesetzmäßigkeit als die Bauten der Architekten auf dem Campus. Auf den Unterschied zwischen Künstler und Architekt angesprochen, erklärte Schütte mit einem Augenzwinkern: „Ich muss nichts, ich bin freier. Wenn jemand ein Schnitzel bestellt, kann ich ein Steak bringen.“ Er serviere eine Idee, die dann oft viel besser umgesetzt werde als erwartet.

„Ring & Ruisseau“ der Brüder Bouroullec sollen eine Auseinandersetzung mit dem Verhältnis von urbanem Raum und Natur darstellen. „Ruisseau“ ist eine schlanke, in Marmor eingelassene Rinne, durch die Wasser fließt. „Ring“ ist eine kreisförmige Plattform aus verzinktem Stahl, die einen Kirschbaum umgibt. Sie dient als Sitzbank.

Im Rahmen der Ausstellung „Rêveries Urbaines“, die im Jahr 2016 in Rennes und auf dem Vitra Campus gezeigt wurde, haben die beiden französischen Designer erstmals Konzepte und Ideen zum Thema Stadtentwicklung vorgestellt. Dabei stellten sich die Brüder vor allem die Frage, wie natürliche Elemente wie Wasser und Pflanzen den urbanen Raum lebenswert machen können. Umgesetzte Projekte finden sich auch in Miami oder Aarhus.

Auf dem Vitra Campus gehe es um die Verbindung zwischen Natur und Industrie, erklärte Fehlbaum. Die Idee führte Ronan Bouroullec auf die Kindheit seiner Tochter zurück, der es Spaß gemacht habe, kleine Gegenstände vom Wasser transportieren zu lassen. Bei „Ruisseau“ seien am Wochenende schon zahlreiche Kinder diesem Beispiel gefolgt. Die Rinne sei ursprünglich ebenfalls aus Metall geplant gewesen. Da die Brüder aber die Gelegenheit hatten, mit portugiesischem Marmor zu arbeiten, und Fehlbaum diesen besonderen Stein sah, entschied man sich um. „Ich habe gesagt, das ist ja noch schöner“, erinnerte sich Fehlbaum.

„Unser Ziel ist es, den Orten, in denen wir uns bewegen und begegnen, neue Magie zu verleihen“, so Ronan Bouroullec. „Die Szenen, die wir entwickeln, sollen dabei so pragmatisch wie poetisch sein.“

Thomas Schütte wurde 1954 in Oldenburg geboren und studierte von 1973 bis 1981 an der Kunstakademie Düsseldorf, wo er auch heute noch lebt und arbeitet. Er erhielt zahlreiche Auszeichnungen, darunter den Goldenen Löwen der Kunst-Biennale von Venedig (2005).

Ronan und Erwan Bouroullec weckten um das Jahr 2000 herum mit ihren ersten experimentellen Projekten die Aufmerksamkeit von Rolf Fehlbaum und Vitra. Aus der Partnerschaft sind seither Produkte für den Home- und Office-Bereich entstanden.