Weil am Rhein Starker Einsatz für die Gemeinschaft

Joachim Buck, ein vielfach ehrenamtlich stark engagierter Bürger, hat nun nach 30 Jahren sein Amt als Kirchenältester abgegeben. Foto: Siegfried Feuchter Foto: Weiler Zeitung

Wenn Joachim Buck (83), promovierter Jurist und langjähriger Verwaltungsdirektor beim Deutsch-Französischen Forschungsinstitut ISL in St. Louis, auf sein spannendes, abwechslungsreiches Leben zurückblickt, fragt er sich schon, wie er sein starkes ehrenamtliches Engagement mit den beruflichen und familiären Anforderungen unter einen Hut bringen konnte.

Von Siegfried Feuchter

Weil am Rhein. Der Träger des Bundesverdienstkreuzes und des Nationalen Verdienstordens Frankreichs „Ordre national du Mérite“ hat jetzt sein letztes Ehrenamt abgegeben. Dies in der Gewissheit: „Es hat Spaß gemacht.“

30 Jahre für Ötlinger Kirchengemeinde aktiv

30 Jahre war Joachim Buck als engagierter Christ Kirchenältester in Ötlingen. Bei der Neuwahl im Dezember hatte er aus Altersgründen auf eine erneute Kandidatur verzichtet, weshalb er jüngst verabschiedet und sein verdienstvolles Wirken gewürdigt wurde. Sein profundes Wissen und seine Verantwortungsbreitschaft brachte er in diesen drei Jahrzehnten auch in überregionalen kirchlichen Gremien ein. So war Buck von 1984 bis 2014 Mitglied der Bezirksynode und bis 2008 Mitglied des Bezirkskirchenrats. Doch damit nicht genug. Von 1990 bis 2008 gehörte der gebürtige Kieler, der 1981 nach Ötlingen kam, der Landessynode an. Dabei stand er auch zwölf Jahre an der Spitze des Finanzausschusses. Zudem war er im Landeskirchenrat und Verwaltungsrat der Evangelischen Stiftung Pflege Schönau, eine Vermögensverwaltung der Evangelischen Landeskirche Baden. Auch im Vorstand und Aufsichtsrat der Tüllinger Höhe engagierte sich der Jurist bis 2013.

Als „schwierigste und anstrengendste Zeit“ während seiner Tätigkeit in der Landessynode bezeichnet Joachim Buck im Gespräch mit unserer Zeitung die Reduktion von 100 Pfarrstellen in Baden. „Das war die harte Seite des Geschäfts, denn vor Ort haben wir für diese weitreichende Entscheidung Prügel bezogen“, erinnert sich der ehemalige Landessynodale. Der Abbau der Pfarrstellen sei der Finanzlage geschuldet gewesen, denn durch die rückläufige Zahl an Mitgliedern habe die Landeskirche immer weniger Einnahmen. Diese Entwicklung macht Buck Sorgen: „Ohne Pfarrer geht das kirchliche Leben zurück.“

Deshalb ist er froh, dass Ötlingen und seine lebendige Kirchengemeinde mit Bertina Müller noch eine Pfarrerin haben. Als Schwerpunkte seiner langjährigen Tätigkeit für die Kirchengemeinde nennt der scheidende Kirchenälteste unter anderem die energetische Pfarrhaussanierung, die Pflästerung des Pfarrhofs, die mehrjährige Renovierung der Orgel, den Verkauf des Jugendraums an die Stadt und die Renovierung der Südwand der Kirche.

In all den Jahren seines kirchlichen Engagements auf örtlicher, regionaler und überregionaler Ebene hat Buck, wie er sagt, viel erlebt. Dabei sei die Arbeit in den verschiedenen Gremien stets angenehm und auch bei gelegentlichen Meinungsverschiedenheiten sachlich gewesen. Vor allem schätzt er, dass in dieser Zeit zahlreiche Freundschaften entstanden sind. Auch wenn Joachim Buck und seine Frau Renata, die gemeinsam eine in London lebende Tochter und einen in Berlin lebenden Sohn haben, 2003 von Ötlingen in die Kernstadt nach Weil zogen, sind sie im Herzen Ötlinger geblieben und auch Mitglied der Kirchengemeinde im Dorf auf dem Berg. „Hier fühlen wir uns dazugehörig.“

Ötlingen zur zweiten Heimat geworden

Überhaupt ist Ötlingen, wo Joachim Buck 19 Jahre lang bis zum Umzug nach Weil dem Ortschaftsrat angehörte, zur zweiten Heimat geworden: „Wir wohnen jetzt zwar in Weil, fühlen aber in Ötlingen.“ Noch nie haben Bucks solange an einem Ort gelebt. 23 Jahre waren es in Ötlingen, und nunmehr leben sie seit fast 17 Jahren in Weil“, sagt der Mann, der seit Jahrzehnten im Ötlinger Männerchor singt. „Wenn man sich aktiv am Dorfleben beteiligt, wird man schnell aufgenommen“, lautet seine Überzeugung und seine Erfahrungen in Ötlingen. Für zwei Jahre während der Zeit des Jubiläums zum 175-jährigen Bestehen 2018 hatte er auch den Vorsitz des Gesangvereins übernommen, weil sich kein neuer Vorsitzender gefunden hatte. Das war übrigens nicht das einzige Vorsitzendenamt, das Buck inne hatte. Denn er hat sich nie gescheut, Verantwortung zu übernehmen. Sechs Jahre stand er an der Spitze der Weiler FDP und war viele Jahre auch stellvertretender Vorsitzender der Liberalen. „Ich bin Ende der siebziger Jahre, als wir in Bonn wohnten, in die FDP eingetreten. Damals flog die Partei aus dem Landtag von Nordrhein-Westfalen. „Eine vernünftige Kraft darf nicht im Landesparlament fehlen“, lautete sein Credo. Auch im Country- und Westernclub, in dem er viele Jahre mit seiner Frau tanzte, übernahm er Verantwortung und für einige Jahre den Vorsitz.

Durch seine vielfältigen beruflichen Stationen, die ihn vielfach ins Ausland führten, war es für Joachim Buck und seine Familie zunächst nicht einfach, irgendwo heimisch zu werden: Tätigkeit in einer Rechtsanwaltskanzlei in Kiel, Wehrbereichsverwaltung Schleswig-Holstein, Verteidigungsministerium Bonn, von 1974 bis 1978 Leiter der Bundeswehrverwaltungsstelle im französischen Fontainebleau mit Zweigstelle bei Marseille („eine spannende Zeit“), danach wieder zurück nach Bonn mit einer international ausgerichteten Tätigkeit im Verteidigungsministerium, ehe er 1981 Verwaltungsdirektor im Deutsch-Französischen Forschungszentrum ISL in St. Louis wurde.

Seither war es nie ernsthaft ein Thema, wieder in die alte Heimat in den hohen Norden zurückzukehren. „Ein soziales Netz, das wir hier aufgebaut haben, gibt man nicht auf“, ist sich Joachim Buck mit seiner Frau einig. Gleichwohl zieht es ihn einmal im Jahr nach Kiel an die Ostsee: „Ich muss Salzwasser und Tang riechen“, sagt der frühere begeisterte Segler.

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