Von Jürgen Scharf

Weil am Rhein. Rosa Lachenmeier und Patrick Luetzelschwab sind zwei Stadtwanderer mit ungewöhnlichen Sichtweisen auf Stadt, Dinge, industrielle und infrastrukturelle Veränderungen im öffentlichen Raum. Die beiden Künstler, die zum ersten Mal gemeinsam ausstellen, haben „zwei Länder – gleiche Orte“ aufgesucht, wie die gleichnamige Ausstellung in der Weiler Galerie Stahlberger heißt, und individuell für sich und ihre Kunst entdeckt.

Diese Schau ist ein Statement für die Region des Dreiländerecks. Lachenmeier und Luetzelschwab gehen den Spuren der Geschichte, der Vergangenheit nach, halten Zeichen des Verfalls fest. Dabei suchen sie prägende und neuralgische Stellen auf: Rheinhafen, Industriebauten, Brücken, Gleisanlagen, Fahrwege. Sie sind an den Bruchstellen interessiert und verbinden Historisches mit Neuem, verstärken nicht nur ihre Gemeinsamkeiten, sondern fokussieren speziell auf das Leben und den grenzüberschreitenden (Lebens-)Raum.

Obwohl sie unterschiedliche Orte aufsuchen, nähern sie sich in den Arbeiten stark an. Unabhängig voneinander haben sie ähnliche Situationen festgehalten, es gibt viele Überschneidungen. Da erscheinen die gleichen Kräne oder der das Weiler Stadtbild bestimmende historische Wasserspeicher, eine große, mit Graffiti bemalte Kugel, aus anderer Perspektive. Aktualität erhält das beliebte Motiv zudem dadurch, dass die Deutsche Bahn diese Wasserkugel frisch überstreichen will.

Rosa Lachenmeier war als Dozentin an der Basler Schule für Gestaltung die Lehrerin von Luetzelschwab, sie ist besonders durch ihre Ausstellungen im Laderaum des historischen Kanalschiffs Willi im Basler Rheinhafen bekannt geworden. Die Fotografin und Malerin hängt dem Industrial Chic an, favorisiert Industriedesign-Motive wie Wassertank, Container, Silos, Schiffe, Lagerhäuser. In den neuesten Arbeiten wird sie auffallend malerischer. Auch erfolgt eine Umkehrung der Farben; die Fotografie wird ins Negativ umgedreht, geht fast ins Schwarz-Weiß. Das ist eine neue starke Industrieästhetik in ihren übermalten Fotografien.

Thema Bewegung in den Werken beider Künstler

Das Thema Bewegung ist in beider Werken immer wieder zu entdecken, wenn auch jeder aus einem anderen Gefühl heraus arbeitet. Spannend im direkten Vergleich zu Lachenmaiers Panoramen moderner Landschaften sind die experimentellen Siebdruckarbeiten von Luetzelschwab, der die Geschichte der Eisenbahnerstadt Weil anhand der Bahngeschichte festmacht.

Der Kesselhauskünstler, der ursprünglich aus der Graffitiszene kommt, liebt Impressionen von Hafenbecken, Hafenstraße, Friedensbrücke, Autobahnbrücke und interessiert sich stark für industrielle Spuren sowie architektonische Strukturen wie Bahngleise und Brücken. Mit seiner speziellen Bildästhetik der verwischten Effekte hat er schon immer die morbide Schönheit stillgelegter alter Industrie- und Gleisanlagen und verlassene Industriebrachen dokumentiert. Vielleicht so etwas wie die Rückeroberung des Urbanen durch die Natur?

Die Doppelausstellung bezieht ihre Spannung aus den verschiedenen Blickwinkeln, Sichtweisen und Techniken. Dies stellte auch Oberbürgermeister Wolfgang Dietz fest, der die Künstler in seiner Eröffnungsrede bei ihrer Entdeckungsreise durch das Dreiland begleitete und auf die grenzüberschreitende Situation, die Orte und die so spezielle Landschaftsmalerei der industriellen Moderne hinwies.   Bis 16. Dezember, Di-Sa 16-18 Uhr