Weil am Rhein „Tierschutz kommt häufig zu kurz“

 Foto: sba/Daniel Naupold

Weil am Rhein - Die neue Initiative „Schlachtung mit Achtung“ setzt sich für eine stressfreie Schlachtung in Hofnähe ein. Doch ist die „tierfreundlichere“ Herangehensweise im Handel umsetzbar? Unsere Zeitung hat in den Weiler Metzgereien nachgefragt.

Der Landesinnungsmeister und Metzgermeister Joachim Lederer weiß, dass der Tierschutz bei Schlachtungen häufig zu kurz kommt. Seine Metzgerei verwendet daher bereits seit 25 Jahren die tierfreundlichere Methode. „Wir arbeiten mit der Firma ,Qualivo’ zusammen, und das andere Fleisch beziehen ich vom Bauernhof meines Bruders.“

Aufklärung für die Verbraucher

Der Metzgermeister setzt zugleich auf Information. „Ungefragt kläre ich unsere Kunden über die Qualität unseres Fleisches auf.“ Denn „SmA“ habe den Vorteil, dass der Transportweg den Tieren erspart bleibt, dadurch entfalle der Stress, das Fleisch sei qualitativ besser.

Der richtige Umgang mit den Tieren ist auch dem Haltinger Metzgermeister Wolfgang Hagin wichtig. Daher würden die Tiere betäubt, bevor sie zum Schlachthof gebracht werden. „,SmA’ wäre für das Tier wünschenswert, aber das moderne Leben funktioniert anders.“ Hagin meint, es liege gerade an den jungen Menschen, die im Hinterkopf nur „Hauptsache günstig“ hätten. Die älteren Menschen würden eher die alten Strukturen befördern.

Auch wenn Lederer ein Befürworter ist, weiß er, dass das Konzept „Schlachtung mit Achtung“ in der Masse nicht umsetzbar ist. Es liege nicht an den Metzgereien, auf eine „tierfreundlichere“ Schlachtung zurückzugreifen, sondern an der Vorstellung der Gesellschaft. „Die Kunden müssen umdenken“, betont Lederer. „Von denjenigen, die sagen, dass sie sich nachhaltig ernähren, tun es gerade einmal zehn bis 15 Prozent.“ Er hofft beim Wandel auf die jungen Menschen.

Metzgermeister: „Menschen, die nur ein bis zwei Mal in der Woche Fleisch essen. Das ist unsere Zukunft."

Der Landesinnungsmeister findet den Trend zum „Flexitarier“ sehr gut, also hauptsächlich vegetarisch leben und sich nur ab und zu ein Qualitätsfleisch gönnen. Lederer: „Die Menschen, die nur ein bis zwei Mal in der Woche Fleisch essen, das ist unsere Zukunft.“ Auf seinen Profit als Metzgerei-Inhaber wirke sich dies nur bedingt aus. „Es wäre nicht anders als jetzt, denn die Menschen, die zu mir kommen, kaufen bereits qualitativ hochwertigeres Fleisch und bleiben danach ja auch noch dabei.“

Ein Umdenken für eine bewusste Fleischernährung erkennt der Firmen-Chef der Metzgerei „Kalbacher“, Dietmar Kalbacher. Doch: Verbraucher seien inkonsequent. „Es sind Hypes, denn nur zwölf Prozent vom deutschen Nettoeinkommen wird für Lebensmittel ausgegeben. Deutsche geben lieber ihr Geld für Statussymbole wie Autos und Häuser aus als für Essen“, kritisiert Kalbacher. Er heg „Die Menschen, die nur ein bis zwei Mal in der Woche Fleisch essen, das ist unsere Zukunft.

„,Schlachtung mit Achtung ist leider nicht massentauglich“

„Sobald ein preislicher Unterscheid bemerkbar wird, gehen viele schnell wieder auf den alten Weg zurück“, meint Hagin. Kalbacher sieht es ähnlich: „Grundsätzlich ist es der richtige Weg, aber so bekommen wir die Weltbevölkerung nicht satt.“ Die Menschen würden eine permanente Verfügbarkeit erwarten, also dass die Regale immer gefüllt sind. Und diese Menge an Fleisch würde es seiner Einschätzung nach durch eine solche Tötungsart so nicht geben. „,SmA’ ist leider nicht massentauglich“, sagt der Firmenchef.

Metzgermeister Patric Dosenbach bestätigt die Aussagen. Die Grundidee, dass nach dem Wohl der Tiere geschaut wird, sei sehr gut, aber eher schwierig in der Umsetzung. Die Idee gebe es bereits seit mehreren Jahren und das ist seiner Meinung nach auch der richtige Weg. „Wir versuchen natürlich, regional zu bleiben, bei Schlachtung als auch bei anderen Dienstleistungen“, erklärt Dosenbach.

Schweinfleisch für die Schweizer Industrie

Das Thema „regional“ sei ein großes Thema heutzutage, aber allein das einzuhalten, werde immer schwieriger. Denn ein weiteres Problem: „Viele der jungen Landwirte gehen lieber in die Schweizer Industrie. Daher haben wir hier unten kaum noch Tiere wie Schweine. Wie soll man da aus der Region beziehen und schlachten?“

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