Weil am Rhein Ungewissheit kostet einige Nerven

Der Weiler Gastronom Giovanni Di Brizzi ist froh, dass das Geschäft wieder angezogen hat. Foto: zVg

Weil am Rhein - „Der Berliner Platz ist mein Zuhause.“ Giovanni Di Brizzi nimmt einen Schluck Wasser, grüßt den Nachbarn mit einem freundlichen „Ciao“ und genießt die Sonnenstrahlen. Der Wirt des Restaurants „Pompei Da Gianni“ darf nun auch wieder etwas entspannter sein. Die vergangenen Monate haben doch viele Nerven gekostet. Die Corona-Pandemie machte ihm und seinen Gastronomen-Kollegen in Weil am Rhein schwer zu schaffen.

„Es war hier alles wie leergefegt“, erinnert sich der 29-Jährige nur ungern an das Frühjahr, als nach dem Shutdown das öffentliche Leben zum Stillstand kam und auch seine Pizzeria für mehrere Wochen schließen musste. Auf dem Berliner Platz, wo sonst Eis geschleckt und bei den vielen Sitzmöglichkeiten verweilt und geplaudert wird, herrschte tote Hose. Für Di Brizzi ein echter Schock. „Das war schlimm. Die Ungewissheit war groß, niemand wusste, was noch kommt, und wie lange es geht, bis wir wieder öffnen dürfen.“

Das „Pompei Da Gianni“ traf es besonders hart, da die Familie beschlossen hatte, noch im Februar mit Unterstützung der Eigentümerin die Lokalität von Grund auf zu sanieren. „Von A bis Z“, sagt Di Brizzi. Neue Theke, neue Decke, neue Einrichtung, neue Glasfront für die Fassade, neue sanitäre Anlagen und eine neue Lüftungsanlage. „Es war alles in die Jahre gekommen. Wir wollen es richtigmachen und uns für die Zukunft rüsten“, meint der Wirt, der in Weil groß geworden, hier zur Schule gegangen ist und beim SV Weil die Fußballschuhe schnürte.

Die Investition war enorm, umso größer dann auch die Angst, nachdem klar wurde, dass die Wiedereröffnung Ende März nicht stattfinden kann. Im Gegenteil: Die Türen blieben erst einmal zu. „Es kam alles zusammen. Die Firmen wollten natürlich ihr Geld, da muss man schon aufpassen und sich einen Plan zusammenstellen“, sagt Di Brizzi.

Wie viele andere Wirtsleute in Weil am Rhein wollte er aber nicht nur abwarten, sondern etwas machen. Und so bot er ebenfalls einen Liefer- und Abholservice an. „Das lief sehr positiv. Natürlich war es in erster Linie Schadenbegrenzung, aber wir haben uns wieder ins Gedächtnis der Weiler zurückgebracht“, freut sich Di Brizzi.

Der Pizzaofen wurde hochgefahren, Bestellungen angenommen und schnell Komplimente eingeheimst, freut sich der leidenschaftliche Gastronom, der nun auch wieder viele Einheimische in seinem Restaurant willkommen heißen kann. „Das begrüße ich sehr. Viele sagen mir, dass sie schon seit Jahren nicht mehr da gewesen seien.“ Jetzt kommen sie wieder. Auch die Stammgäste seien nach dem Umbau treu geblieben. „Die Weiler haben uns auch in der Shutdown-Phase nicht im Stich gelassen. Sie haben ihre Locals unterstützt“, lobt Di Brizzi.

Di Brizzi schaut wieder positiv in die Zukunft. Vorbei ist die Existenzangst. „Wäre es ein, zwei Monate länger gegangen, hätten wir mit Gedanken des Aufgebens spielen müssen“, sagt er mit ernster Stimme. Dass es aber richtig war, mit einem Shutdown die Corona-Pandemie zu verlangsamen, das stellt er nicht infrage. „Wir Wirte haben da auch eine große Verantwortung. Hygienestandards müssen eingehalten werden.“

Positiv in den Wochen der Angst sei gewesen, dass die Gastronomen in Weil noch mehr zusammengefunden hätten. „Wir sitzen ja alle im selben Boot. Das hat zusammengeschweißt. Wir haben immer Neuigkeiten ausgetauscht“, freut sich Di Brizzi.

Und auch auf dem Berliner Platz ist das Leben zurückgekehrt. „Es hat wieder angezogen“, stellt er zufrieden fest. Für den Wirt beginnt nun die Suche nach guten Service- und Thekenkräften.

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