Weil am Rhein Ungewöhnliche Räume entdeckt

Jürgen Scharf

Selten war die Weiler „Regionale“ so regional. Der Gedanke der länderübergreifenden Ausstellungsreihe kommt dieses Mal beispielhaft zum Ausdruck.

Von Jürgen Scharf

Weil am Rhein. Die „Regionale 22“ fängt außen mit der Fahne vor dem Stapflehus an und findet ihren Abschluss mit einer tapetenähnlichen Bildfahne im Dachgeschoss der Städtischen Galerie. Die Bildfahnen sind ein sichtbares Zeichen für das Territorium des Kollektivs um den in Weil lebenden Künstler Dan Künzler. Sie zeigen eine „Mindmap“, eine Gedankenlandkarte mit der visuellen Darstellung der Orte, wo die Künstler wohnen und verweisen auf die Themenschau „The place beyond the Rhine“.

Keine One-Man-Show

Dan Künzler ist die große Klammer in der Ausstellung. In allen Räumen trifft man auf ihn, aber es ist keine One-Man-Show; seine Künstlerfreunde vom Kollektiv V9 aus Village Neuf kommen ebenfalls zu „Wort“. Eine Herausforderung ist der Raum, der nicht so einfach zu bespielen ist, aber Kurator Jean-Claude Freymond-Guth hat die Aufgabe bestens gelöst. Er war es auch, der Dan Künzler eingeladen hat.

Am besten ist es, wenn sich der Besucher gedanklich auf die „Draisine“ setzt, die auf einem Video von Dan Künzler durchs Bild fährt, über Gleise, Weichen, Straßen, durch Wälder, Industriegebiete, Hafen. Man kann einige Zeit mit Künzlers Videos verbringen. Der 36-Jährige ist ein guter Beobachter von Menschen und Situationen, ebenso ein schwindelfreier Kletterer über Leitern, Brücken und Dächer, zusammen mit seinem Freund Roman Menge, der den Filmsequenzen den Sound unterlegt.

In diesen inszenierten Videoarbeiten wie der Aktion mit Sicherheitswesten, die auch mal recycelt werden, summiert sich alles, was Dan Künzler umtreibt: von der Land Art über die Street Art bis zur sozialen Skulptur. Mit ihrer Mischung aus Urbanem, Landschaft und Zufallsdingen sind sie ein guter Einstieg in die Werkschau.

Da werden ungewöhnliche Räume entdeckt und durchdrungen, oft Unorte, die durch die Aktion belebt werden. Die dreiteilige Videoarbeit „Voyage, voyage“ mit Reiseimpressionen aus der Region und aller Welt hat schon malerische Qualitäten. Hier zeigt sich Künzlers ästhetisches Auge, räumlich schöne Kompositionen zu erstellen.

Aufnahmen von Streifzügen

Es sind Aufnahmen von Streifzügen zwischen Weiler Rheinhafen und Miami Strand, Wildwasser, Natur und Architektur, Mensch und Tier, die er sich visuell im Video aneignet. Diese Ästhetik trifft man auch bei Künzlers Fotografien aus der Region, vom Wasserturm in Weil, dem alten Bahnhofsturm in Saint-Louis und dem Rheinhafen in Basel, die zum Teil sogar bestickt sind.

Grenzüberschreitend

 Dan Künzlers Arbeiten verkörpern das Kollektive und Grenzüberschreitende, ähnlich wie einige Werkbeispiele seiner Künstlerfreunde: Roman Menges klassische Fotografien von Zollhäuschen und verlassenen, leer stehenden Orten; Brad Downeys Bild einer Sprinkleranlage hinter einem Zaun; Marc Hirts Mobiles, plastische Maskenarbeiten aus Naturmaterialien oder Helmut Smits Gedankenarbeit kleiner Konzepte und Überlegungen.

Die meisten der zehn Künstler haben als Background die Street Art, aber nicht alle sind gleich präsent. Die Schau gibt einen schönen Eindruck vom Werk Dan Künzlers, aber ebenso von seinem künstlerischen Umfeld.   Bis 9. Januar, Samstag 15 bis 18 Uhr, Sonntag und Feiertage 14 bis 18 Uhr. Am 25. Dezember geschlossen.

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