Weil am Rhein Unterstützung und Sicherheit geben

Weiler Zeitung, 13.06.2018 19:50 Uhr

Warum schläft das Baby nicht gut und ist unausgeglichen? Stellt es ein Problem dar, während des Spaziergangs mit dem Kinderwagen das Smartphone zu nutzen? Zwei von vielen Fragen. „Wir wollen Eltern Sicherheit und Unterstützung geben“, erklärt Günter Koenemund, Leiter der psychologischen Beratungsstellen des Kreises. Ein neues Angebot für werdende Eltern und Familien mit Kindern bis drei Jahren ist gestern in Weil vorgestellt worden.

Von Marco Fraune

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Weil am Rhein. Der Landkreis Lörrach will sich weiter familienfreundlich positionieren. Die frühen Hilfen stellen dabei einen Baustein dar. Nachdem bereits in Schopfheim, Lörrach und Rheinfelden jungen Eltern etwas unter die Arme gegriffen wird, startet nun auch in der Grenzstadt das neue Angebot der Fachstellen Frühe Hilfen. Denn: Kleine Fragen können manchmal große Sorgen nach sich ziehen, wissen die Experten. Daher will die Psychologin Svenja Bauer in der Außenstelle der Psychologischen Beratungsstelle des Landkreises eine gewisse Orientierung, Stärkung und Sicherheit im Mutter- und Vatersein bieten.

„Wir haben keine spezifische Zielgruppe“, rechnet sie aus den Erfahrungen der bestehenden Fachstellen mit Eltern aus allen Bevölkerungsschichten. „Es ist ein schöner Erfolg, dass wir das auch endlich in Weil anbieten“, freut sich Koenemund, was durch die Finanzierung des Landkreises und einen Zuschuss des Bundes ermöglicht werde. Mit etwa 100 Beratungen im Jahr wird gerechnet.

Leicht erreichbar und ohne eine Antragstellung: Den jungen Eltern sollen keine Hindernisse im Weg stehen, die Beratung wahrzunehmen. Außerdem können im Fall der Fälle auch Unterstützungen von ausgebildeten Kinderkrankenschwestern oder Hebammen ermöglicht werden, skizzieren Bauer und Koenemund. Dabei gehe es nicht um Kinderschutz, sondern um Prävention. So gehören auch Tipps für Babymassagekurse oder Treffen im Familienzentrum dazu. „Beim ersten Kind weiß man nichts von solchen Angeboten.“ Dies sei eine große Zäsur. So geht es auch um die Eltern-Kind-Bindung. Lob, Körperkontakt und Zuwendung sind hier Stichworte. „Das ist entscheidend, doch nicht selbstverständlich.“

Bauer kann hier auf bisherige Erfahrungen zurückgreifen. So hat sie drei Jahre lang Familien im ersten Jahr nach der Geburt eines Kindes individuell betreut. Dass es manchmal an der Mobilität hapert, weiß sie. Daher sind Hausbesuche möglich.

Bei Bauer sollen künftig die Informationen zusammenlaufen, die dann auch die kurzen Wegen zu den Institutionen habe. Außerdem will die Psychologin das schon bestehende Netzwerk weiterentwickeln und am Leben erhalten. So gibt es zwei Mal jährlich Treffen mit Fortbildungs- und Austauschcharakter, bei denen zentrale Akteure dabei sind: Kinderärzte, Hebammen, Kita-Leitungen, Arbeitsamt, Familiengericht, Stadt, Gynäkologen, Caritas und die Schwangerenberatungsstellen. „Es gibt in Weil viel Vernetzung. Das müssen wir nicht neu erfinden.“

Als Herausforderung begreift der Leiter die Familien mit anderem kulturellen Hintergrund. Gerne würde er das Lörracher Modellprojekt Dolmetscherpool in Weil am Rhein sehen. In der Lerchenstadt werden für Menschen mit Migrationshintergrund Übersetzungsleistungen angeboten. „Wir brauchen unbedingt so etwas in Weil.“

 
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