Weil am Rhein Ute Delatorre nimmt Abschied von den Erzählern

Ute Delatorre zieht sich als Erzählerin zurück. Foto: zVg

Weil am Rhein (tok). Mit einem mediterranen Erzähler-Projekt verabschiedet sich Ute Delatorre am morgigen Freitag von den Weiler Erzählern. Die Gruppe war aus der Erzähler-Ausbildung zur „Grün99“ hervorgegangen und hatte unter der Leitung von Delatorre seit 1999 regelmäßig im Kesselhaus offene Erzählabende und viele weitere Projekte gestaltet.

Der VHS-Kurs „Erzählen“ kam 1997 wie gerufen, erinnert sich Delatorre, die auch Vorsitzende des Vereins „Kulturzentrum Kesselhaus“ ist, zurück. „Ich befand mich in einer Lebensphase, in der ich das Gefühl hatte, nicht genug Gehör zu finden, sowohl beruflich wie auch privat.“ Sie arbeitete damals in der Weiler Stadtbibliothek – und Führungen, Begrüßungen und Moderation gehörten sozusagen zu den täglichen Aufgaben. „Wenn man möchte, dass einem jemand zuhört, muss man auch wissen, wie man berichtet und erzählt.“ 

Bei der Landesgartenschau, bei denen die Erzähler immer wieder in kleineren Gruppen im Märchenwald aufgetreten sind, hatten diese großen Erfolg. „Wir bekamen viel Beifall. Ich fand es schade, wenn wir danach einfach wieder zum Alltäglichen zurückkehren würden und machte den Vorschlag, sich doch weiter als Gruppe zu treffen. Das wurde vom Kulturamt sofort tatkräftig unterstützt und vorangetrieben“, blickt sie zurück.

Viele Großprojekte geplant

Delatorre wurde schließlich immer häufiger zu internationalen Festivals eingeladen. In Weil haben die Erzähler fast jedes Jahr ein Großprojekt geplant und veranstaltet, von Goethes „Neue Melusine“ über Hermann Hesses „Zwerg“ bis hin zu Andersen, Michael Ende-Geschichten im Weiler Kino oder Wilhelm Busch. 

Auch das Arbeiten mit dem Vorstand des Kesselhaus-Vereins sieht Delatorre als „eine von den wunderbaren Begleiterscheinungen des Erzählens“. „Ich habe jede Menge Kultur aufgesogen.“ Sie will dem Verein als Mitglied treu bleiben, aber auch dort künftig nicht mehr im Vorstand arbeiten.

Eigene Veranstaltungen

Die Weiler Erzählerin besitzt nun ein eigenes Kulturzentrum in Rammersmatt in den Vogesen. Sie hat dort die ehemalige Schule gekauft und aus dem Schulsaal einen Veranstaltungsort gemacht. „Hier finden Workshops, Konzerte, Theater statt. Ich gebe Kindern regelmäßig zweisprachige Erzählkurse. Das hört sich zunächst einmal großartig an, aber es braucht viel Zeit, um die Leute hier hinter dem Ofen vor zu locken. Darauf werde ich mich jetzt erst mal konzentrieren.“

Die in den Vogesen wohnende frischgebackene Rentnerin Ute Delatorre stammt aus Westfalen, wo sie in einer Familie mit vier Kindern aufgewachsen ist. Sie hat anfänglich Jura und dann Bibliothekswesen studiert, in der Universitätsbibliothek Tübingen gearbeitet, dann in der Weiler Stadtbibliothek und zuletzt in der Basler Pharmaindustrie. Sie ist Teil einer internationalen Familie mit italienischen, portugiesischen, algerischen, marokkanischen, französischen und deutschen Wurzeln. Die passionierte Hüte-Sammlerin hat vier Kinder, 13 Enkel und zwei Urenkel.

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