Weil am Rhein Verantwortung am Beckenrand

Beatrice Ehrlich

Schwimmer und Nichtschwimmer muss Saskia Liermann im Weiler Laguna immer fest im Blick haben. Doch ihr Beruf als Fachangestellte für Bäderbetriebe umfasst noch viel mehr Aufgaben.

Von Beatrice Ehrlich

Weil am Rhein. Wenn das Freizeitbad am Morgen seine Pforten öffnet und sich die Becken erst langsam mit Besuchern füllen, dreht Liermann ihre Morgenrunde in den Technikräumen – tief unter dem Schwimmbad. Sie geht durch lange Gänge, vorbei an riesigen Rohren und Wassertanks, in denen das Wasser gereinigt und aufbereitet wird. Dem Wasser wird dosiert Chlor zugesetzt, der PH-Wert wird laufend kontrolliert und bei Bedarf durch Zuführung von Säure oder Lauge reguliert. Zu diesem Zweck verfügt jedes Becken über eine Mess- und Regelanlage, die auch vom Aufsichtsraum im Schwimmbad einzusehen ist. Nach rund 15 Minuten hat Liermann ihre Technikrunde durch den labyrinthartigen Untergrund beendet. Oben im Wellenbad herrscht jetzt schon reger Betrieb. Zusammen mit einem Kollegen behält Liermann die Badegäste im Erlebnisbad im Blick, eine weitere Kollegin kümmert sich um das Freibad, in dem heute zum ersten Mal seit Wochen nur wenig los ist. Der Freibadbetrieb geht in der zweiten Augusthälfte schon seinem Ende zu, sagt Liermann. Seit 2014, nach dem Ende ihrer Ausbildung in Lörrach, ist sie beim Laguna angestellt und kennt hier buchstäblich jeden Winkel.

Einen anderen Beruf kann man sich kaum vorstellen bei der Weilerin, die schon mit drei Jahren von ihrer Oma, einer DLRG-Schwimmerin, das Schwimmen gelernt hat. „Ich hatte von klein auf mit Wasser zu tun“, sagt sie. „Das Schwimmbad ist mein zweites Zuhause.“ Heute gibt Liermann, zusätzlich zu ihrem Vollzeitjob im Laguna, selbst Schwimmkurse in einer dem Bad angeschlossenen Schwimmschule. Von den ersten Schwimmzügen bis zum Gold-Abzeichen kann man bei ihr alles lernen. Auch sie selbst muss sich regelmäßig einer Prüfung im Rettungsschwimmen unterziehen, zu der unter anderem das Schwimmen mit Kleidern oder 25 Meter tauchen gehören. Liermann muss reagieren können, wenn es darauf ankommt. Badeunfälle kommen selten vor: Nur einmal hat sie ein Kind aus dem Wasser geholt, das schon bewusstlos war und blau im Gesicht. Viele Male hatte Liermann eine solche Situation im Kopf durchgespielt und sich gefragt, wie sie wohl darauf reagiert. Sie habe „funktioniert“, sagt sie im Rückblick, auch wenn ihr die Herz-Lungen-Massage, während der das Kind wieder zu sich kam, wie eine Ewigkeit vorkam.

Wenn sie nicht gerade am Beckenrand steht – alle drei Minuten muss sie oder ein Kollege jedes Becken kontrolliert haben, um im Notfall reagieren zu können –, kann man sie oft im Aufsichtsraum mitten in der Schwimmhalle antreffen. Dort nimmt Liermann Wasserproben und analysiert sie mithilfe chemischer Reaktionen.

Immer wieder klopft es von außen an den rundum verglasten Raum: Eine Mutter will Schwimmflügel für ihre dreijährige Tochter kaufen – die gibt es hier ebenso wie Schwimmbrillen, -nudeln oder -bretter. Eltern und Großeltern erkundigen sich nach den Bedingungen für die Schwimmabzeichen für Kinder und Enkel. „Abzeichen vergebe ich täglich, manchmal bis zu zehn“, sagt Liermann. Heute gehen die ersten drei an die Schwestern Romy, Yuna und Anuk aus Rheinfelden-Karsau, die mit Bravour das Bronze-Abzeichen, den Seeräuber und das Seepferdchen ablegen.

Saskia Liermann liebt den täglichen Umgang mit den Badegästen. Stressig könne es schon werden, räumt sie ein. Manche Gäste müsse sie ermahnen. Wenn jemand nicht auf ihre Anweisungen hört, ruft sie schon mal die Polizei. Sich zum Schwimmmeister weiterzubilden, kann sie sich gut vorstellen: „Das steht noch auf meiner To-Do-Liste“, sagt sie. Viel Zeit bleibt ihr derzeit aber dafür nicht. Wegen des Personalmangels im Bad leistet sie jetzt im Sommer viele Überstunden, besonders wenn es an heißen Tagen drinnen und draußen voll ist.

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