Weil am Rhein Vielfalt der Verse überzeugt

Weil am Rhein - Das „Lachefass“ ist beim Rotsuppe-Essen mit starken Beiträgen gefüllt gewesen. Humorvoll, unterhaltsam, scharf gewürzt, aber auch nachdenklich kam das dreistündige Programm am Rosenmontag daher.

Im Gegensatz zum Zunftabend, bei dem mittlerweile die Büttenreden durch Bühnenaufführungen verdrängt wurden, genießt die freie fasnächtliche Stilform beim Rotsuppe-Essen noch einen herausgehobenen Stellenwert.

Hohe Kunst des Verseschmiedens

Mit der hohen Kunst des Verseschmiedens bestens vertraut ist der ehemalige Bürgermeister von Kandern, Bernhard Winterhalter, der seit 23 Jahren an verschiedenen Orten in der Bütt steht. Dass ihm für einen Vortrag nichts eingefallen ist, nahm dem Vogt daher keiner ab. Geizige Schwaben, Brandstifter aus dem Hotzenwald, Übergewicht („Sport und Turnen füllt Gräber und Urnen“) und die Bürgermeister-Wahl (Tipp für Wahlsieg: vorbereitete Stimmzettel mit Keuz an richtiger Stelle) sorgten thematisch dafür, dass doch ein gereimter Vortrag herauskam. „Man kann auch aus Nichts etwas machen“, erklärte er unter Applaus mit einem Augenzwinkern, woraufhin eine Zugabe folgte.

Ohne diese wurden auch D’ Lachsfrässer nicht entlassen, schließlich bewiesen Peter Müller und Stefan Arndt nicht nur abermals ihre Dichtkunst, sondern singen aktuell in dieser Kampagne letztmals „Weisch du wie das isch“. Thematisch ging es um „Thunfisch-Gretli“, einen Quartiersmanager für Friedlingen und auch das Ein-Euro-Ticket, wobei hier die Gemeinderäte ihr Fett abbekamen. „Mit dem Ein-Euro-Ticket haben sie sich blamiert, die Armen der Armen sind angeschmiert.“

Leichte, lustige Kost

Bei ihrem mittlerweile vierten Rotsuppe-Auftritt sorgten D’ Gumsle vo Chander für leichte, doch sehr lustige Kost – als es beispielsweise um die Folgen von zu viel Alkoholkonsum ging. Neben Katja Sütterlin, Susi Kleile und Iris Hüttlin überzeugte ganz besonders Markus Kern, der nicht nur als Gitarrenbegleitung agierte, sondern auch als Versschmied.

Ein ernstes Anliegen hatte hingegen der jüngste Büttenredner, der 27-jährige Patrick Voirol. Dabei kritisierte er Beschwerder sowie Motzer und sprang Greta Thunberg bei. Auch wenn der CO2-Ausstoß in Deutschland reduziert werde, habe man einen großen Anteil an der Umweltbelastung anderswo. „Was Bayer in Europa nicht tut verkaufen, das tut in Drittländern ganz gut laufen.“

Als Putzfrau aus dem Rathaus nahm hingegen René Winzer lokale Gegebenheiten aufs Korn – und zwei Mal ganz besonders Erster Bürgermeister Christoph Huber. „Als Putzfrau kriegst du was mit, als Bau-Bürgermeister meistens nicht“, verwies er auf Defizite bei der Dreiländergalerie oder auch auf dem Berliner Platz.

Der Über-80-jährige „Altmeister“ Kurt Ruser lieferte nicht nur eine klassische Büttenrede, sondern gab auch noch drei Verse als immer noch aktiver Schnitzelbänggler zum Besten. Merkel und Klimaschutz durften dabei humoristisch aufgespießt nicht fehlen.

Themen humoristisch aufgespießt

Optisch ein echter Hingucker und inhaltlich die Bandbreite erweiternd kam Hans-Peter Hartmann daher. Der „Insektenforscher“ nahm nicht nur die kleinen Tiere ins Visier, sondern schilderte an diesen gesellschaftliche Veränderungen. Exotische Insekten auf der Speisekarte, langsam fahrende Rentner (Insekten bleiben an der Heckscheibe kleben) sowie der asiatische Laubholzbockkäfer und die Tigermücke als Weiler Problemfälle kamen zur Sprache. Dass ein Spieler des SV Weil wegen Tierquälerei angezeigt wird, weil er 90 Minuten lang auf einer Ameise stand, durfte nicht fehlen.

Peter Guggenbühler ging zudem noch dem Ursprung des alemannischen Dialekts auf die Spur. Dabei fand er heraus, dass Gott am achten Tag keine Sprache für die Weiler mehr übrig hatte, doch dafür eine Lösung: „Schieß druff, dann schwätzet halt wie ich.“

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