Weil am Rhein Völliges Unverständnis bei Sportlern

Weiler Zeitung, 19.03.2018 17:55 Uhr

Die angedrohte Abschiebung des eigentlich vorbildlich integrierten 22-jährigen Peruaners Ivan Santivanez Portocarrero würde Auswirkungen auch auf den heimischen Sport haben: So gibt der junge Mann sein Wissen als Trainer weiter. Die Kinder und Jugendlichen, mit denen er wöchentlich ehrenamtlich arbeitet, sorgen sich, wie Marc Wannagat, Vorsitzender des Vereins „We support talents!“ nachfolgend schildert.

Weil am Rhein. Es ist Mittwochabend, 19 Uhr, in der Sporthalle des ESV Weil am Rhein: Vier der Tischtennis-Nachwuchsspieler, Yannik Kopplin, Jan Wedekind, Jonas Wiegand und Glenn Schmid aus Weil am Rhein kommen voller Vorfreude in die Halle. Heute sind außerdem Wolfgang Wiegand, Großvater von Jonas, und die Mutter von Jan, Jane Wedekind, mit dabei. Auch sie freuen sich, dass ihre Kinder mit Begeisterung ins Training gehen wollen. Ihr Coach Ivan Santivanez Portocarrero begrüßt alle per Handschlag. Vor dem Trainingsstart fragt Ivan seine Schützlinge, wie es ihnen geht und wie der heutige Schultag war. Es herrscht ein reger Austausch und es wird viel gelacht.

Seit etwas mehr als drei Jahren engagiert sich der 22-Jährige aus der Andenstadt Huancayo in Peru für tischtennisinteressierte Kids aus Weil und Umgebung. Der ESV Weil am Rhein in Person von Präsident Maik Hoffmann unterstützt diesen Einsatz und freut sich über die gute Stimmung in der Halle. Während der eineinhalb Stunden lehrt der selbst sehr talentierte Tischtennisspieler Santivanez der Trainingsgruppe nicht nur Technik und Taktik mit dem Schläger und dem Plastikball.

„Wir trainieren viel Koordination und auch das ein oder andere Mal ein bisschen Fitness“, sagt Ivan Santivanez Portocarrero. Noch viel wichtiger für ihn ist allerdings, dass die Kinder den freundlichen und respektvollen Umgang untereinander Pflegen. „Die Kinder sollen sich nicht nur im Tischtennis verbessern. Es ist außerdem sehr wichtig, dass sie immer respektvoll miteinander umgehen und sich gegenseitig helfen und unterstützen. Das haben sie in den letzten Jahren schon gelernt und ich bin sehr stolz auf meine Trainingsgruppe“, hebt Santivanez hervor.

Auch die Kinder und Jugendlichen zollen der Arbeit ihres Trainers höchsten Respekt. Jan Wedekind, der von Beginn an mit Ivan Santivanez Portocarrero trainiert und sich in dieser Zeit zu einem der besten Tischtennisspieler Südbadens in seiner Altersgruppe entwickelt hat, schätzt neben dem Wissen, welches sein Coach mitbringt, vor allem, dass er die Gruppe sehr gut motivieren und mit guter Laune zu Höchstleistungen bringen kann. „Unter Ivan habe ich gelernt, niemals aufzugeben und immer alles zu geben. Außerdem bewundere ich seine Lebensfreude, die er vermittelt.“

Ähnlich sieht es Glenn Schmid. „Unter Ivan macht trainieren sehr viel Spaß. Manchmal ist es anstrengend, aber ich habe schon sehr viele neue Sachen gelernt. Für mich ist er der beste Trainer.“

„Er bringt sehr viel Freude mit ins Tischtennis und wir machen oft auch Dinge, die wir sonst nicht in anderen Trainingseinheiten machen“, sagt Jonas Wiegand. Dabei spielt er auf Aufwärmspiele oder sonstige Trainingsaktivitäten wie Fußballtennis, ein Koordinations-Parcours oder ein Basketballmatch an.

Yannik Kopplin, der Älteste der Gruppe, lobt die Arbeit seines Trainers ebenso. „Ich habe außer Tischtennis vor allem von Ivan gelernt, dass man, auch wenn es mal nicht so gut läuft, immer weitermachen soll und irgendwann kommt man dann wirklich weiter und ans Ziel. Diese Einstellung und diese Motivation, die mir Ivan jede Woche im Training mitgibt, hilft mir auch in der Schule.“

Nicht nur die Spieler schätzen die Arbeit von Ivan Santivanez Portocarrero sehr. Auch die Eltern loben den Trainer. Wolfgang Wiegand, Großvater von Jonas, sagt: „So gerne wie Jonas hier ins Training kommt, das sagt doch schon alles. Alles ist gut organisiert, das ist einfach toll.“ Zusätzlich betont er die sehr gute Zusammenarbeit untereinander zwischen Ivan und den Kindern.

Ähnlich sieht es Jane Wedekind. Sie hebt neben der guten Trainingsarbeit vor allem die Eigenschaft hervor, dass ihr Sohn Jan durch die Zusammenarbeit außerdem einen Freund gefunden hat, von dem er sehr viele wertvolle Dinge für das tägliche Leben mitnehmen konnte. So würde Jan viele Dinge anders anpacken und auch in schwierigen Situationen Geduld, Motivation und die nötige Willenskraft zeigen.

Mama Diana Schmid bringt ihren Sohn Glenn ebenfalls sehr gerne in die Sporthalle. „Nach dem Training ist er oft ausgepowert, aber immer glücklich, weil es ihm immer sehr viel Spaß macht.“

Doch über all dieser guten Arbeit und der Freude der Kinder schwebt eine dunkle Wolke. Nach Ansicht der Ausländerbehörde Weil am Rhein ist Ivan Santivanez Portocarrero in Deutschland und in Weil am Rhein nicht erwünscht (wir berichteten). Aus diesem Grund wurde gegen diese Entscheidung Einspruch beim Verwaltungsgericht Freiburg eingelegt. Ein Thema, welches auch die Kinder und Eltern der Trainingsgruppe beschäftigt und nachdenklich macht. Mutter Diana Schmid: „Da gibt es glaube ich andere, die zuvor gehen sollten.“ Auch Wolfgang Wiegand zeigt Unverständnis. „Jemand, der sich so integriert hat, in so kurzer Zeit Deutsch gelernt hat, gutes Deutsch spricht, mit dem die Kinder gerne Zusammenarbeiten, warum muss er gehen?“ Bei den Kindern und Jugendlichen ist die Meinung ebenfalls klar. „Wenn Ivan gehen muss, verlieren wir nicht nur unseren Trainer, sondern wir verlieren auch unseren Freund.“