Weil am Rhein Vom Yachthafen als Naherholungsgebiet

Weil am Rhein - Sonnenschein. Eine milde Brise. Boote schaukeln sanft auf den Wellen. Ein Blesshuhn brütet im Heckbereich einer Yacht. Idyllisch liegt der Bootssteg an der Alten Straße 129 bei Rheinkilometer 173,1, Heimat des Motorboot-Yachtclubs Weil am Rhein (MYC), an diesem Vormittag da. Dabei ist die Corona-Pandemie auch an dem im Jahr 1969 gegründeten Verein nicht spurlos vorübergegangen.

Jürgen Sütterlin schaut von seinem Platz beim Gasthaus am Bootssteg aus einer dreiköpfigen Personengruppe nach, die gerade ein Boot besteigt. Unwillig kneift er die Augen zusammen. „Eigentlich müssten wir jetzt genau überprüfen, ob diese drei im gleichen Haushalt leben, und uns sogar deren Ausweise zeigen lassen“, erklärt der Vorsitzende des MYC dazu. Aber dann würde man die Gäste verärgern, und letzten Endes müsse man auch Vertrauen in die Menschen haben. „Ohne das geht es nicht“, ist Sütterlin überzeugt.

Vereinsleben hat pausiert

Im Zuge der Corona-Zwangspause lag auch das Vereinsleben im MYC brach. Die Bootsbesitzer konnten lediglich danach schauen, ob ihre Boote fest vertaut sind, schildert Sütterlin seine Erfahrungen der vergangenen Monate.

Folge der Grenzschließung

Für Schweizer und Franzosen war auch das aufgrund der Grenzschließungen nicht möglich. „Wir haben sehr viele Schweizer Jahreslieger und einen aus Frankreich“, sagt Sütterlin. Immerhin sei der MYC trotz ausgefallener Veranstaltungen finanziell über die Runden gekommen, da die meisten der Boote das ganze Jahr über im Wasser sind und daher die Mieteinnahmen weiter laufen. Auch Kündigungen habe es keine gegeben, da die meisten Bootsbesitzer froh seien, einen Anlegeplatz zu haben.

Derzeit zählt der MYC 40 Mitglieder, „so viele, wie wir Anlegeplätze haben“, erklärt Sütterlin. Das ausfallende Vereinsleben endete zwar am 11. Mai mit der Erlaubnis, Freiluft-Sportanlagen, zu denen auch der Yachthafen gehört, wieder zu öffnen. Aber die fehlende Gemeinschaft wie etwa das Ausfallen des sonntäglichen Stammtischs habe den Mitgliedern doch zu schaffen gemacht. Hinzu kam, dass sich vier von ihnen mit dem Coronavirus infiziert hätten. Alle sind mittlerweile wieder genesen, gibt Sütterlin Entwarnung. Aber das habe doch für viele der Vereinsmitglieder eine zweiwöchige Quarantäne zur Folge gehabt.

Einschränkungen habe es auch für die deutschen Bootsbesitzer gegeben, da diese vorübergehend nicht mehr in schweizerische und französische Gewässer fahren durften. „Das Vergnügen am Bootfahren hat schon gefehlt“, denkt Sütterlin zurück.

Hygieneregeln umgesetzt

Die Hygieneregeln hingegen seien vergleichsweise problemlos umsetzbar gewesen. Denn anders als etwa am Schluchsee, wo man Segelboote mieten kann und diese nach der Fahrt für etwa 30 Minuten zur Desinfektion in der prallen Sonne stehen lassen soll, gibt es derlei Bedingungen beim MYC nicht. „Es hat ja jeder sein eigenes Boot, das auch nur er nutzt, daher geht es mit der Hygiene schon“, legt Sütterlin dar. Auch der Mindestabstand sei bei einem Gespräch von Reling zu Reling stets gegeben.

Wasserqualität geprüft

Apropos Hygiene: Jüngst sei eine Arbeitsgruppe der Universität Trier dagewesen und habe die im Rhein lebenden Fische und die Wasserqualität untersucht. Am Donnerstag sind die Forscher wieder abgereist. „Die schauen jedes Jahr vorbei, um sich ein Bild der Wasserqualität zu machen“, berichtet Sütterlin. Das Ergebnis gab Anlass zur Freude: „So sauberes Wasser wie bei uns gibt es sonst kaum irgendwo.“

Gasthaus hatte geschlossen

Geschlossen war auch das Gasthaus am Bootssteg, wie die Pächterin Beate Allweier sagt. Da sie solide gewirtschaftet habe, sei sie finanziell gut durch die Krise gekommen, berichtet sie. Seitdem sie ihre Gaststätte wieder geöffnet hat, gebe es ihrer Beobachtung nach ein Umdenken bei den Besuchern. „Die Gäste sind rücksichtsvoller, wissen unsere Arbeit mehr zu schätzen als vorher und nehmen auch schon einmal eine längere Wartezeit in Kauf, wenn die maximale Besucherzahl gerade erreicht ist“, schildert Allweier, die das Gasthaus am Bootssteg seit acht Jahren betreibt, ihre Erfahrungen. Während der Grenzschließung hätten ihr die Weiler Gäste die Stange gehalten. „Die Besucher sind aus Märkt oder auch Alt-Weil zu mir gekommen, um die Gastronomie zu unterstützen“, freut sie sich.

Als „Naherholungsgebiet von Weil am Rhein“ bezeichnet die Gaststättenpächterin das Gelände an der Alten Straße 129. Sogar Oberbürgermeister Wolfgang Dietz habe ihm beim 50-jährigen Bestehen des Vereins im Jahr 2019 bestätigt, dass es hier den „schönsten Weiler Sonnenuntergang“ zu sehen gebe, erinnert sich Sütterlin mit einem Lächeln.

Bootsschule gut besucht

Dass die Corona-Krise sich positiv auf die Anmeldezahlen zu Bootsfahrkursen ausgewirkt hat, schildert Heinz Eenhuis auf Nachfrage unserer Zeitung. Er ist Kassierer des MYC und betreibt auf dessen Areal die Bootsfahrschule Heinz. „Ich kann nur spekulieren, ob die Leute jetzt mehr Zeit haben als früher“, sagt er. „Aber jedenfalls sind die Anmeldezahlen bei meinen Kursen gestiegen.“ In Zeiten von Corona ist eine Mund-Nasen-Maske bei den Kursen obligatorisch.

Eenhuis bietet Kurse zu „allem, was auf dem Wasser einen Motor hat“, an, wie er sagt. Aus Gründen der Qualität begrenzt er die Teilnehmerzahl auf 20, da er auf jeden einzelnen Schüler eingehen wolle. Auch Funkkurse sowie einen Knoten-Abend bietet Eenhuis, selbst gelernter Binnenschiffer, an. „Wichtig ist neben dem An- und Ablegen auch, dass man weiß, was zu tun ist, wenn jemand über Bord geht“, schildert er einige Bestandteile seiner Kurse. „Wenn man gut lernt und keine beruflichen oder sonstige Gründe es verhindern, kann man in vier Wochen den Bootsschein machen“, sagt er. Das setze allerdings ein hohes Maß an Disziplin voraus.

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