Weil am Rhein Von Bach bis zur „Schwäbsche Eisebahne“

Dorothee Philipp
Johannes Lang sitzt nach seinem Konzert an der Steinmeyer-Orgel in Alt-Weil. Foto: Dorothee Philipp

Mit Johannes Lang gibt ein „Kind der Stadt“ ein Benefiz-Konzert an der Steinmeyer-Orgel in Alt-Weil und sorgt für reichlich Spenden, die der Bürgerstiftung Weil am Rhein zugute kommen.

Mit einem Benefiz-Orgelkonzert zugunsten der Bürgerstiftung Weil am Rhein gastierte der Leipziger Thomasorganist und Honorarprofessor Johannes Lang in der Kirche Alt-Weil. Oberbürgermeister Wolfgang Dietz freute sich als Vorsitzender des Stiftungsrates über eine „außerordentlich gut gefüllte Kirche“.

Johannes Lang sei „ein Kind der Stadt“ erinnerte Dietz, aufgewachsen in Märkt und schon bald als musikalisches Ausnahmetalent bekannt. Elfmal gewann er den ersten Preis bei „Jugend musiziert“, später zahlreiche internationale Wettbewerbe. Am 6. Januar 2022 trat er das Amt des Organisten in der Thomaskirche Leipzig an und damit in die Fußstapfen von Johann Sebastian Bach. 2022 hatte er auch den Kunstpreis der Stiftung der Sparkasse Markgräflerland erhalten, die an diesem Abend als Sponsor auftrat.

Seinem großen Vorgänger widmete Lang den ersten Teil seines Konzerts. Prächtig gelang der Einstieg mit dem Präludium in D-Dur (BWV 532) mit seinen himmelwärts strebenden Skalen. Ein frisches Tempo und ein ausgefeiltes Non-Legato-Spiel sorgten für luftige Transparenz fern aller Erdenschwere. Eine subtile Agogik versetzte das Paradestück in ein leichtes Wiegen, ließ im Alla-Breve-Teil poetische Momente aufleuchten. Bei der dazu gehörenden dreistimmigen Fuge mit ihrem lebhaften Sechzehntelthema, das auch im Pedal keine Kompromisse duldet, ließ Lang seiner stupenden Virtuosität freien Lauf.

Die Steinmeyer-Orgel mit ihren drei Manualen plus Rückpositiv hat einen enormen Reichtum an Farben, den der Thomasorganist voll ausschöpfte. Die Orgel gefalle ihm, verriet er nach dem Konzert, ein schönes Kompliment aus berufenem Munde.

Lang schwärmt von Bach

Aus den Leipziger Chorälen, dem „Besten, was Bach für Orgel komponiert hat“, wie Lang erklärte, spielte er „Schmücke dich, o liebe Seele“, einen wunderbar verzierten, wahrlich prächtig geschmückten Triosatz, bei dem jeder Einsatz des Cantus Firmus wie eine Offenbarung leuchtete. Und noch eine weitere Facette seines großen Vorgängers brachte Lang zum Klingen mit der Triosonate in G-Dur, in der sich die beiden Oberstimmen im ersten Satz launig umtänzeln und im zweiten Satz eine fast atonale Motivarbeit die Linien der einzelnen Stimmen ins Körperlose vergeistigt. Einer seiner Lehrer, Martin Schmeding, hatte die Orgelfassung für Mendelssohn Bartholdys Präludium und Fuge in e-Moll eingerichtet, die Lang als romantisches Pendant zu Bach präsentierte.

Gelungene Improvisation

Und dann durfte das Publikum mitmischen: Auf den Plätzen hatten kleine mit Notensystemen versehene Zettel gelegen, auf die man seinen Musikwunsch eintragen konnte. In Langs umfangreicher musikalischer Biografie findet sich nämlich auch ein Lehrauftrag unter anderem für Orgelimprovisation an der Berliner Universität der Künste. Die in der Pause eingesammelten Zettel beinhalteten eine große Palette an Musik, vom Kirchenlied über Beatles-Songs und Kinderlieder bis zum Gospel. Lang ordnete die Vorschläge in einen getragenen und einen schnellen Teil, eine beachtliche Leistung in kürzester Zeit.

Heraus kamen dann zwei überwältigende Orgelfantasien, in denen die Themen auch in abgewandelter Form aufblitzten und bruchlos miteinander verschmolzen. Angetan hatte dem Künstler im langsamen Teil der Kanon „Dona nobis pacem“, den er gekonnt mit dem Frühling aus den „Vier Jahreszeiten“ von Vivaldi verwob.

Im zweiten Teil kleidete er „Freude, schöner Götterfunken“ in ein üppiges romantisches Klanggewand, ließ „Yesterday“ von den Beatles und anderes mehr anklingen, bis ganz zum Schluss ein neckisches „Auf de Schwäbsche Eisebahne“ im lustigen Jahrmarktsound aus der Orgel sprang. Ganz große Kunst mit Augenzwinkern dann im Finale: Da tauchte auf einmal das Badnerlied als mächtiger Choral auf und gab sich mit den schwäbischen Staccati ein herzerfrischendes Stelldichein. Das Publikum war restlos begeistert und die Spendenkörbchen voll.

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