Weil am Rhein Von der Traube bis ins Glas

Christiane Breuer
Hagen Rüdlin, Geschäftsführer der Markgräfler Winzer eG, Cornelius Lauter, Geschäftsführer der Winzergemeinschaft Franken, und Moderator Professor Dr. Karsten Kilian von der Hochschule Würzburg-Schweinfurt (von links) bei der Diskussionsrunde auf dem Vitra Campus Foto: Christiane Breuer

Die neue Weingesetzgebung der EU treibt die Winzer um. In Zukunft müssen sie genau belegen können, welcher Wein von welcher Traube aus welcher Parzelle gekeltert wurde. Da reicht es nicht mehr, in Lagen oder Weinbergen zu denken. Dieses Thema und die Digitalisierung in den Genossenschaften wurden am Freitagabend auf dem Weiler Vitra Campus diskutiert.

Von Christiane Breuer

Weil am Rhein/Efringen-Kirchen. Hagen Rüdlin, Geschäftsführer der Markgräfler Winzer eG in Efringen-Kirchen, erläuterte: „Je kleiner die geografische Einheit, desto höher ist die Qualität, besagt die Gesetzesnovelle; es geht also um den ‚Geschützten Ursprung‘. Wir sehen darin als Genossenschaft große Chancen, weil wir sehr genau wissen, wo die einzelnen Rebsorten angebaut werden. Unser Ehrgeiz ist es, demnächst die gesamte Kette von der Traube bis ins Regal, ja sogar bis ins Glas, also ‚from grape to glass‘, abzubilden. Damit schützen wir unsere Marke.“

Das werde mit der geplanten Digitalisierung noch einfacher, meint Rüdlin. Vor allem werde dadurch die Wertschöpfung in den einzelnen Bereichen transparenter. Was verdient der einzelne Weinbauer, was kostet die Verarbeitung in der Genossenschaft, wie teuer sind die Flaschen und welchen Betrag verschlingt die Logistik?

Diese Fragen können noch genauer beantwortet werden, sobald die Genossenschaft digitalisiert ist. „Wir haben dann die Kontrolle über die gesamte Wertschöpfungskette.“ Die Markgräfler Winzer bewirtschaften mit 900 Familien eine Rebfläche von 900 Hektar, das ist ein Prozent der deutschen Rebfläche.

Die Winzergemeinschaft Franken (GWF) ist in Sachen Digitalisierung schon weiter. Ihr Geschäftsführer Cornelius Lauter, Herr über 1250 Hektar Anbaufläche mit 9000 Parzellen, hat sich intensiv mit dem Thema „Traubenlogistik“ beschäftigt.

Digitale Weinbau-Cloud

Das Gebiet seiner Genossenschaft misst von Norden nach Süden 140 Kilometer und von Ost nach West 120 Kilometer, das heißt, die Trauben legen von der Rebe bis zur Verarbeitung enorme Entfernungen zurück. Die bisherige dezentrale Verarbeitung in elf Kelterstationen wurde aufgegeben und in der Mitte des Gebietes ein neues Genossenschaftszentrum gebaut, ein Ergebnis der Traubenlogistik.

Gleichzeitig wurde der Betrieb digitalisiert, die Abläufe optimiert. Lauter: „Jeder Winzer meldet sich über die ,Weinberg-Wolke’ digital zur Lese an. Dann wissen wir, wann er mit welchen Mengen in der Kelterstation ankommt und können alles vorbereiten, zum Beispiel das Personal vorhalten.“ Am Abend, wenn alle Trauben abgeliefert sind, werden dem Winzer Mostgewicht und Menge per E-Mail übermittelt. „Also weiß er zwei Stunden nach Ende der Lese, wie gut er gearbeitet hat.“

Moderator Professor Dr. Karsten Kilian von der Hochschule Würzburg-Schweinfurt führte kenntnisreich durch den Abend, zu dem etwa ein Dutzend Blogger und Fachjournalisten geladen waren.

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