Weil am Rhein Von Romantik bis zum Tod

Arwen Stock

Die Besucher drängten sich zur Eröffnung der Ausstellung „Lebensader: Rhein im Wandel“ im Museum am Lindenplatz. Groß war der Hunger nach Kultur – und er wurde gestillt: Die gelungene Schau überrascht mit einer Vielfalt an Kunstwerken, Gesellschaftskritik und Archivschätzen.

Von Arwen Stock

Weil am Rhein . „Endlich wieder was los“, „ich bin überwältigt“, „unheimlich viele Leute“ – so raunte es aus den Reihen der rund 70 Besucher, die in den Hauptraum und Eingangsbereich des Museums am Sonntag strömten. Nach den Klängen eines Streichertrios der Musikschule betonte Oberbürgermeister Wolfgang Dietz, wie treffend und weitsichtig 1929 die Wahl des Stadtnamens mit dem Zusatz „am Rhein“ doch gewesen sei – wegen der heutigen Größe, und auch für diese Ausstellung.

„So voll war es in den letzten drei Jahren nicht“, freute sich auch Kuratorin Barbara Brutscher, die das Konzept erläuterte. Für die Schau hätten sie während der Corona-Pause wahre Schätze im Magazin und Archiv gefunden. In Form von historischen Postkarten, Reiseführern, Land- und Schlachtenkarten bereichern diese die Ausstellung, in der gleichsam ein „romantischer Rhein“ wie beispielsweise in den Landschaftsgemälden von Erwin Bowien zu sehen ist, aber auch das industrielle, begradigte sowie abstrakt-moderne Gesicht des Flusses sichtbar wird.

Einst, als Vater Rhein starb

In den oberen Räumen des Museum wird laut Brutscher die „Veränderung der Lebenswelt“ am und im Rhein sichtbar. In Kooperation mit dem Trinationalen Umweltzentrum (TRUZ) sowie mit den Schülerarbeiten im zum Thema Wasser und Rhein des Kant-Gymnasiums sind dort museumspädagogisch wertvoll gestaltete Schauen entstanden, in denen mit Objekten, Fotografien, Ton- und Filmaufnahmen die Entwicklungen der letzten Jahrzehnte hinterfragt werden – bis zum Tod von Vater Rhein. Brutscher mahnt: „Wir sind eigentlich die Schlimmsten.“

Simone Kern, mit Brutscher zusammen Kuratorin der städtischen Museen, erläuterte das groß angelegte Projekt „Der Rhein“, in dessen Rahmen die Weiler Ausstellung läuft. Am Projekt beteiligen sich 38 Museen aus drei Anreinerländern, von Schaffhausen bis Bingen sowie Heidelberg. Unter Federführung des Dreiländermuseums Lörrach und der Schirmherrschaft der Oberrheinkonferenz haben sich die Verantwortlichen in den vergangenen vier Jahren regelmäßig getroffen sowie bis in den Herbst 2023 Ausstellungen und einen umfangreichen Katalog vorbereitet. Mickey Wiedermann vom TRUZ dankte für die Möglichkeit, mit seiner Organisation beteiligt zu sein und verwies auf Aufgabe und Bedeutung des Umweltschutzes: die Lebensgrundlage der Menschen und die Schönheit der Natur zu erhalten.

Nachdem Oberbürgermeister Wolfgang Dietz die Schau für eröffnet erklärt hatte, ließen sich die Besucher durch die Räume treiben und kamen über die vielfältigen Objekte miteinander ins Gespräch. Im Baumann-Raum konnte man die Schüler des Kunst-Leistungskurses und ihre in Ton geformten und bunt glasierten „Mystischen Wasserwesen“ antreffen. Feinst gezeichnete Karten wie die der Schlacht von Friedlingen oder Darstellungen von Tullas Rheinbegradigung sorgten bei einigen Besuchern für Begeisterung und Ausrufe wie: „Das sind die wahren Schätze.“

Weitere Informationen: Die Ausstellung ist bis 15. Oktober geöffnet und kann während der Museumszeiten samstags von 15 bis 18 Uhr sowie sonn- und feiertags von 14 bis 18 Uhr besichtigt werden. Weitere Infos, Rahmenprogramm und Veranstaltungen unter www.museen-weil.de.

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