Weil am Rhein „Wärmestube“ rückt in die Mitte der Gesellschaft

Für die Wärmestube im Einsatz (v.l.): Leiter Oliver Killmann, die Vorstandsmitglieder Volker Hentschel, Christel Stauß (Vorsitzende) und Barbara Huber sowie Stefan Heinz, Leiter AGJ Wohnungslosenhilfe im Landkreis Lörrach. Foto: Marco Fraune

Weil am Rhein - Neben dem Mangel an bezahlbarem Wohnraum stellt seit der Eröffnung des neuen Rheinparks das Miteinander mit den anderen Bürgern die zentrale große Herausforderung für die „Wärmestube“ dar. Deren Angebot wird von Wohnsitzlosen auch in der Corona-Zeit stark nachgefragt, ab dieser Woche gibt es außerdem wieder Selbstgekochtes.

Erleichterung herrscht darüber, dass es seit dem ersten Lockdown im März vergangenen Jahres keinen bekannten bestätigten Corona-Fall unter den Besuchern der „Wärmestube“ gab. „Wir sind bislang relativ unbeschadet durch die Pandemie gekommen“, freute sich daher Christel Stauß, Vorsitzende des Vereins „Hilfe für Wohnsitzlose“, einer Initiative von Mitgliedern aus den evangelischen und katholischen Kirchengemeinden in Weil am Rhein, bei der Jahreshauptversammlung am Freitagabend. So konnten die Obdachlosen die Einrichtung in Friedlingen mit Maske und Abstand weiter besuchen. Seit August vergangenen Jahres musste aber ein Caterer fürs Kochen angeheuert werden, was entsprechend auch in den Ausgaben zu Buche schlug. Hier habe aber das gute Spendenaufkommen geholfen.

Planungen möglich

Einerseits wegen der passenden Finanzlage, andererseits aufgrund des von der Stadt im Februar um 25 Jahre verlängerten Pachtvertrags gibt es für die Verantwortlichen um Stefan Heinz, Leiter AGJ Wohnungslosenhilfe im Landkreis Lörrach, sowie Wärmestuben-Leiter Oliver Killmann langfristige Planungssicherheit. Damit konnte neben anstehenden Reparatur-Arbeiten auch die Neugestaltung der Gebäudefassade in Angriff genommen werden.

Veränderungen sind in den zurückliegenden Monaten zudem direkt vor der Wärmestube-Haustür erfolgt – die Aufwertung und Erweiterung des Rheinparks. „Dadurch ist die Wärmestube noch mehr in die Mitte der Gesellschaft gerückt“, erklärte Heinz. Eine Verbindung zur Bevölkerung herzustellen, sei das Ziel. An der Park-Gestaltung wurde bereits mitgewirkt, doch auch das angrenzende „Urban Gardening“-Projekt soll hier dazu beitragen, dass Menschen mit und ohne Wohnsitz aufeinander zugehen, erklärt der AGJ-Leiter. „Ich hoffe, dass es klappt.“

Gemeinsam im Quartier

Als sehr erfreulich bezeichnete der Wärmestuben-Leiter die Zusammenarbeit mit der Quartiersmanagerin. Es gebe Kooperationen mit dem Outlet-City, der Rheinhafen-Gesellschaft und der Wohnbau, womit kleine Verbesserungen für die Wohnsitzlosen erreicht werden konnten. Auch eine Dixi-Toilette wurde aufgestellt, da der Rheinpark noch kein öffentliches WC hat. Zusammen mit den Elternmentoren sei man in Friedlingen im Gespräch über die Ausweitung der Öffnungszeiten der Kleiderkammer auch für Familien.

Obdachlose geimpft

Entspannt hat sich die Corona-Lage laut Killmann seit der Impfaktion Ende Mai. Fast alle Besucher der Wärmestube seien mit „Johnson & Johnson“ immunisiert worden. Nun müsse er aber die Notwendigkeit des Tragens der Maske vermehrt deutlich machen. Ebenso wie im übrigen Teil der Bevölkerung gebe es vereinzelte Impfverweigerer oder Nutzer, die es einfach vertrödeln.

Weil am Rhein (mcf). Eine hohe Besucherzahl hat die Wärmestube auch im Coronajahr 2020 verzeichnet, wie Stefan Heinz, Leiter der AGJ Wohnungslosenhilfe, erklärte. „Seit 2013 bewegt sich die Zahl der Besucherkontakte zwischen 480 und 600.“ Die Personenzahl lag 2020 bei knapp 50 Besuchern im Monat. „Die Nachfrage dokumentiert, dass die Wärmestube weiterhin eine unverzichtbare Anlaufstelle für obdachlose und bedürftige Menschen ist.“ Die durchschnittliche Zahl von 473 Besucherkontakten (586 p.a.) sei durch die eingeschränkten Öffnungszeiten bedingt gewesen. Für die Menschen sei dieser Schutzraum aber enorm wichtig. Gegen Wohnungsverlust In der vom Landkreis Lörrach finanzierten ambulanten Fachberatung seien die Kontaktzahlen im Jahr 2020 mit knapp 100 Personen konstant geblieben. Auch vermittelt die ambulante Fachberatung obdachlose Menschen in die Notschlafstelle nach Lörrach.

Das Angebot der Fachstelle Wohnungssicherung, die ebenfalls an der Colmarer Straße angesiedelt ist, habe sich weiter bewährt. So wurden im vergangenen Jahr 63 Haushalte erreicht. „Damit bewegt sich die Zahl der Personen, die von Wohnungsverlust bedroht sind, auf dem Niveau der Vorjahr.“

Sollte es einen Quarantäne-Fall unter den Wohnsitzlosen geben, steht über der „Wärmestube“ ein von der Stadt finanziertes Appartement zur Verfügung. Bisher ist dieses laut Leiter Oliver Killmann einmal in Anspruch genommen worden, da drei Personen aus einem Virusvariantengebiet eingereist waren.

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