Weil am Rhein Warteliste bleibt lang

Arwen Stock
Reaktivierung verzögert sich: Der Kindergarten Bärenfels in Friedlingen soll mit zwei Gruppen zum 15. Oktober seine Tore öffnen. Foto: Ingmar Lorenz

Die Warteliste für einen Kindergartenplatz in Weil am Rhein ist lang: Rund 150 Kinder stehen Schlange. Nun verzögert sich die Reaktivierung des Kindergartens Bärenfels, im Waldkindergarten ist die Eröffnung der zweiten Gruppe verschoben und ein Bauende für die Einrichtung im Gebiet „Hohe Straße“ schwer abzusehen.

Von Arwen Stock

Weil am Rhein . Verzögerung bei der Betriebserlaubnis für den Kindergarten Bärenfels in Friedlingen, Lieferengpässe für die Einrichtung der zweiten Waldkindergartengruppe und unabsehbare Entwicklungen im Bausektor – die Weiler Stadtverwaltung und indirekt auch die Kinder und ihre Eltern kämpfen mit Problemen, die aktuell überall vorherrschen.

Zwei Gruppen mit je 25 Kindern hätten seit September im reaktivierten Kindergarten Bärenfels in Friedlingen starten sollen. Die Eröffnung verzögert sich, da die Betriebserlaubnis noch nicht vorliegt. Immerhin: Laut Hauptamtsleiterin Annette Huber ist bereits das Personal gefunden, und die Räume sind möbliert. Geplant ist nun, am 15. Oktober zu beginnen.

Warten auf Bauwagen für Waldkindergartengruppe

„Für die zweite Gruppe im Waldkindergarten warten wir noch auf den Bauwagen“, berichtet Huber. Auch die Möblierung würde wegen Lieferengpässen auf sich warten lassen. Erst dann könne eine Betriebserlaubnis für die zweite Gruppe beantragt werden. Nachdem die Stadt Weil am Rhein den Waldkindergarten übernommen hat, stellte sie in der Bedarfsplanung dort eine zusätzliche Gruppe mit 20 Plätzen ein. Doch Huber hat hier noch mit dem Fachkräftemangel zu kämpfen.

Insgesamt fehlen laut Auskunft der Stadt 150 Betreuungsplätze, wobei der Schwerpunkt ganz klar bei der „Ü3“ (Plätze für Drei- bis Sechsjährige) liegt. Durch die 70 geschaffenen Plätze in Bärenfels- und Waldkindergarten ist laut Stadt eine Entspannung der gegenwärtigen Situation in Sicht.

Doch es bleiben immer noch 80 Kinder auf der Warteliste übrig. Wie konnte es zu so einer langen Warteliste kommen?

„Wir haben die ganzen Jahre unsere Kapazitäten ausgebaut“, betont Hauptamtsleiterin Huber und verweist auf die im Bau befindliche Einrichtung im Baugebiet „Hohe Straße“, in der fünf Gruppen eine neue Heimat finden werden. Doch zu Baufortschritt oder einer anvisierten Baufertigstellung wagt die Hauptamtsleiterin keinerlei Prognosen – zu unabsehbar seien die Entwicklungen im Bausektor.

Außerdem gebe es zwei Besonderheiten bei der aktuellen Bedarfsplanung: Erstens seien seit 2021 zwei Jahrgänge in den Kitas, die besonders stark seien. Diese Kinder werden erst 2023 und 2024 die Einrichtungen verlassen und eingeschult. Zweitens sei der Stichtag für die Einschulung vorverlegt worden, was zu einem Bedarf von drei Gruppen mehr führt.

Steigender Druck auf Weiler Einrichtungen

Durch all diese Faktoren verstärkt sich der Druck auf die Weiler Einrichtungen. Acht Kindertagesstätten und Kindergärten verteilen sich im Stadtgebiet. In diesen gibt es aktuell insgesamt 1025 Kindergartenplätze für Drei- bis Sechsjährige (Ü3) und für Kleinkinder bis drei Jahre 317 Plätze inklusive denen bei Tagesmüttern.

Ein generelles Problem sind die fehlenden Fachkräfte: Es gibt räumlich bestehende Plätze, die aufgrund des Fachkräftemangels jedoch nicht belegt werden können. Sollten die Gruppen im Bärenfels- und Waldkindergarten hinzukommen und die vorhandene räumliche Kapazität vollends ausgeschöpft werden, wäre laut Auskunft der Stadt im Ü3-Bereich der aktuelle Bedarf so gut wie befriedigt. Im Bereich U3 besteht noch Handlungsbedarf.

„Ich weiß, es ist manchmal schwierig zu verstehen“, räumt Huber für die fehlenden Betreuungsplätze ein. Neben der Kinderzahl eines Jahrgangs und der Personaldecke gilt es rechtliche Rahmenbedingungen, Veränderungen wie den Einschulungsstichtag, Zuzüge, Wegzüge und Corona-bedingte Engpässe einzukalkulieren. Generell gilt in den städtischen Einrichtungen ein Fachkräfteschlüssel, der eingehalten werden muss. „Wir versuchen darüber zu liegen“, betont Huber.

Was eine Flexibilisierung der Gruppenstärke angeht, ist Huber offen. Dass zwingend mehr Kinder in eine Gruppe sollen, das sieht sie kritisch: „Das Personal ist knapp, ich darf es nicht über Gebühr strapazieren.“ Beispielsweise würde die Integration der ukrainischen Kinder in den Weiler Schulen gut klappen. Aufgrund der Sprachunterschiede funktioniert diese in den Kindergärten nicht. Kein Wunder, wie soll sich ein Kindergartenkind ohne gemeinsame Sprache an einem fremden Ort eingewöhnen können.

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