Weil am Rhein Was die Landwirtinnen in ihrem Alltag umtreibt

Der SPD-Landtagsabgeordnete Rainer Stickelberger hat sich mit Vertreterinnen des Bäuerinnen-Info-Treffs (BIT) der Landfrauen im Haltinger Weinberg getroffen. Foto: zVg

Weil am Rhein-Haltingen -  Im Zuge seiner Sommertour hat sich der SPD-Landtagsabgeordnete Rainer Stickelberger mit Vertreterinnen des Bäuerinnen-Info-Treffs (BIT) der Landfrauen im Haltinger Weinberg getroffen. Die aktiven Bäuerinnen schenkten ihm nicht nur wörtlich „reinen Wein“ ein – die „Arbeit und die Nöte“, so die Haltinger Winzerin Susi Engler, die den Treff leitet, waren Thema des Austauschs, heißt es in einer Mitteilung.

Da immer mehr Frauen, die auf dem Land leben, Mitglieder bei den Landfrauen sind, wurde vor Jahren von aktiven Landwirtinnen der BIT gegründet. Dort stehen landwirtschaftliche Themen im Mittelpunkt; es geht um Vernetzung und Weiterbildung zu sozialen, wirtschaftlichen, gesundheitlichen und politischen Themen, um Betriebsmanagement und IT, aber auch darum, sich „gegenseitig den Rücken zu stärken“.

Von jung bis älter, von der gelernten Winzerin bis zur promovierten Agraringenieurin, aber immer mit Sachverstand und Herzblut – so unterschiedlich die Frauen, so vielseitig sind auch ihre Höfe und Vertriebswege. Alle haben den Wandel vom traditionellen Familienbetrieb zum modernen landwirtschaftlichen Unternehmen längst vollzogen. Die beschränkte Wahrnehmung der Landfrauen als Kuchenbäckerinnen sowie Veranstaltungen, an denen ihre Stände nur für Flair und Ambiente sorgen sollen, stoßen auf wenig Gegenliebe.

Geredet wurde Klartext, heißt es in der Mitteilung: Jeder wolle heimische und saisonale Produkte aus bäuerlicher regionaler Landwirtschaft, gleichzeitig aber werde immer weniger fürs Essen ausgegeben. Statt gezielt einzukaufen, wandern Lebensmittel in den Müll. Billigere Importware, die zu völlig anderen Bedingungen (Löhne, Auflagen zu Pflanzenschutzmitteln) produziert wird, werde gerne gekauft. Zugleich würden die Bauern einseitig für vieles in Verantwortung genommen – hohe Preise, mit Pflanzenschutzmitteln behandelte Lebensmittel, Artensterben – so als gebe es keine Verbraucher, keine politischen Vorgaben und Förderungen oder einen (Groß-)Handel, der die Bauern unter Druck setze. Wichtig war den Bäuerinnen aber auch der Dank an die Kundschaft vor Ort: „Hier erleben wir sehr große Wertschätzung – schon vor und gerade auch in der Corona-Zeit.“

Als konventionell arbeitende Landwirtinnen fühlen sie sich gegenüber der Öko-Landwirtschaft diskriminiert. „Es ist eine Illusion, zu glauben. Landwirtschaft funktioniert ohne Pflanzenschutzmittel. Auch Bio-Landwirte spritzen“, machten sie deutlich. Für besonders großen Frust sorgte daher das Volksbegehren „Pro Biene“ als eine „Form der Enteignung“. Auch der nun gefundene Kompromiss wird abgelehnt. Stickelberger stellte klar, dass er im Landtag nicht zugestimmt habe.

Wichtigste Forderungen

Von Stickelberger nach ihren drei wichtigsten Forderungen befragt, kam die Antwort schnell: Bürokratieabbau, mehr gesellschaftliche und auch politische Wertschätzung ihrer Arbeit, Lebensmittelimporte nach Deutschland nur für Produkte, die zu den gleichen Wettbewerbsbedingungen hergestellt werden.

Begleitet wurde Stickelberger vom SPD-Ortsvereinsvorsitzenden Stefan Reinelt und der stellvertretenden Kreisvorsitzenden Hannah Bernbach. Seitens des BITs waren gekommen: Ursel Bahlinger (Blansingen), Ute Müller (Haltingen), Bärbel Ganter (Egringen, Bezirksvorsitzende der Landfrauen), Bärbel Fischer-Trimborn (Haltingen, Ortsvorsitzende der Landfrauen), Ingrid Reisle (Wollbach), Gerda Müller (Haltingen) und Susi Engler (Haltingen).

Der Countdown läuft! Jetzt bis zum Jahresende gratis lesen. Schnell HIER anfordern.

  • Bewertung
    0

Umfrage

Alexej Nawalny

Der Fall Nawalny bringt die Bundesregierung in Zugzwang, sollte Moskau bei der Aufklärung weiterhin mauern. Ist eine Neuausrichtung der deutschen Russland-Politik jetzt unvermeidbar?

Ergebnis anzeigen
loading