Weil am Rhein Was Gruners Wahl für Weil bedeutet

Beatrice Ehrlich
Es gibt viel anzupacken, der Blick in die Zukunft ist im Moment ungewiss: Die Sanierung der Heldelinger Straße in Haltingen war nur eine der vielen „Baustellen“ von Weils Bürgermeister Martin Gruner (r., bei der Baustellenbesichtigung mit dem Gemeinderat). Er ist jetzt Oberbürgermeister in Waldshut-Tiengen. Foto: Beatrice Ehrlich

Oberbürgermeister und Fraktionssprecher nehmen Stellung.

Die Stadt Weil am Rhein hat seit Sonntag einen Bürgermeister weniger. Wie von vielen erwartet, ist Martin Gruner zum Oberbürgermeister von Waldshut-Tiengen gewählt worden. Mit 67,8 Prozent konnte er gut zwei Drittel der abgegebenen Wählerstimmen auf sich vereinen.

„Wir beglückwünschen Martin Gruner zu dieser sehr eindeutigen Wahl und diesem persönlichen Erfolg. Für seine künftige Aufgabe in Waldshut-Tiengen wünschen wir im schon jetzt alles Gute“, lautete ein erstes Statement von Oberbürgermeister Wolfgang Dietz am Montagmorgen.

Nachfolger soll bald gewählt werden

Für die Stadt Weil bedeute dieses Ergebnis, dass nun alles in die Wege geleitet werde, um schnellstmöglich einen Nachfolger wählen zu können. In der heutigen Gemeinderatssitzung werde man sich auch mit einem Zeitplan befassen. Aus seiner Sicht sei es sehr wichtig, für den Bereich Stadtplanung beziehungsweise Bau eine langfristig ausgelegte Lösung zu finden, ähnlich wie bei den Finanzen. Dietz geht davon aus, dass Gruner voraussichtlich bis Mitte Oktober im Rathaus tätig sein und seine Aufgabe dort umfangreich erfüllen werde.

An vielen Projekten beteiligt

Auch die Fraktionsvorsitzenden im Gemeinderat beziehen Stellung: „Ich freue mich riesig für Martin Gruner. Ich finde das klasse, dass es ihm gelungen ist, ein so gutes Ergebnis einzufahren – obwohl ich ihn gern in Weil behalten hätte, vielleicht sogar in einer anderen, höheren Position“, lautet die erste Reaktion von Claus Weibezahl (CDU). Und er führt seine Gedanken aus: Man habe viele Projekte in der Röhre, an denen Gruner ganz wesentlich beteiligt gewesen sei: Feuerwache Nord und „Sägischopf“ , die Tram-Verlängerung sowie das Blaulichtzentrum am Otterbach – „Aufgaben, die zeitnah von uns zu lösen sind“. Zudem sei Gruner WWT-Geschäftsführer, Aufsichtsratsvorsitzender der Wohnbau Weil am Rhein und stellvertretender Vorsitzender des Zweckverbands „Regionaler Gewerbepark Weil am Rhein und Binzen“.

“Wir müssen schnell in die Pötte kommen“

Mit seiner Zuständigkeit für das Rechts- und Ordnungsamt, das Stadtbauamt, das Amt für Gebäudemanagement und Umweltschutz und den Betriebshof vereine er im Rathaus viele Aufgaben. Eventuell müssten Aufgabenbereiche neu zugeschnitten werden, eine nicht ganz einfache Aufgabe im Hinblick darauf, dass sich auch beim Oberbürgermeister und beim Ersten Bürgermeister Rudolf Koger das Ende ihrer Amtszeiten nähert. „Wir müssen schnell in die Pötte kommen“, schließt Weibezahl mit Blick auf die heutige Gemeinderatssitzung.

Offene und kooperative Persönlichkeit gesucht

„Gratulation an Herrn Gruner, er macht nun den nächsten Karriereschritt“, kommentiert Fraktionssprecher Eugen Katzenstein (UFW) den Wahlausgang. Auch er findet es schade , dass Gruner Weil nach so kurzer Zeit verlässt. Sein Ausscheiden stelle die Führungsriege vor zusätzliche Aufgaben, hält Katzenstein fest. Im Hinblick auf die noch kommenden Wechsel an der Rathausspitze sei seine Fraktion daher froh, dass die Verwaltung sehr gute Führungskräfte und Verwaltungsmitarbeiter hat. Gefragt nach den Eigenschaften, die ein Kandidat für Gruners Nachfolge mitbringen müsse, sagt er, dass neben den fachlichen Anforderungen vor allem eine offene Persönlichkeit gefordert sei, die auch auf Mitarbeiter und Bürger zugehen könne.

„Wir verlieren einen guten Baubürgermeister“

„Ich wünsche Herrn Gruner alles Gute. Es ist schade, denn wir verlieren einen guten Baubürgermeister“, sagt Martin Fischer (Grüne). Er wisse, dass die Kandidatur als Oberbürgermeister in Waldshut-Tiengen für Martin Gruner eine Herzensangelegenheit gewesen sei. Man habe ihn dort angefragt, und er sei dem Ruf gefolgt. „Für uns ist das bitter, denn wir hatten gedacht, dass er längerfristig bleibt.“ Es werde nun schwierig, schnell jemanden zu finden. Er hoffe, dass man nach den Sommerferien im September dann bereits in die Vorstellungsrunde einsteigen könne. Die Fraktionen hätten im Übrigen auch ein Vorschlagsrecht, merkt Fischer an, dass habe man im Gemeinderat anlässlich der bisher letzten Stellenbesetzung durchgesetzt. Die Grünen hätten zwar aktuell keinen Kandidaten. Wenn jedoch einer vorstellig werde, der die Voraussetzungen erfülle, könne man diesen als Kandidat setzen. Der Gruner-Nachfolger sollte in Fischers Augen Erfahrung mitbringen, ausgeglichen und verständnisvoll sein und gut mit den Bürgern kommunizieren können – so wie Gruner das gekonnt habe. „Wir brauchen einen Teamplayer“, betont Fischer.

„Mit einem lachenden und einem weinenden Auge“

Mit einem lachenden und einem weinenden Auge betrachtet SPD-Sprecher Matthias Dirrigl das Wahlergebnis. „Ich freue mich sehr für Martin Gruner, dass er den Wahlkampf gut überstanden hat und so eine große Mehrheit auf sich vereinen konnte.“ Die Kehrseite: „Wir verlieren einen kompetenten und netten Bürgermeister“. In Weil werde man jetzt die Chance nutzen, sich umzustrukturieren, und die Ämter künftig möglichst auf einen Beigeordneten und einen Kämmerer zu beschränken. Er sei sicher, dass sich eine geeignete Person finden werde, die dann auch neue Aspekte und Erfahrungen mitbringe. Neben Sachkompetenz und Offenheit müsse der neue Kandidat oder die Kandidatin Teamfähigkeit mitbringen, aber auch Begeisterung.

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