Weil am Rhein Was krabbelt am Tüllinger Berg?

Naturschützer Armin Wikmann sucht gemeinsam mit den Schülern den optimalen Platz für die Nisthilfe. Foto: Saskia Scherer

Weil am Rhein - Deutschlandweit gibt es immer weniger Insekten. Im „Streubobstklassenzimmer“ am Tüllinger Berg will eine Klasse der Karl-Tschamber-Schule gemeinsam mit dem Naturschützer Armin Wikmann jetzt herausfinden, wie sich der Bestand entwickelt. Gestern wurden Insektenhäuser angebracht.

Insektenhäuser sind röhrenförmige Nisthilfen, in denen etwa Bienen und Wespen ihre Eier legen können. Dafür musste zunächst einmal ein passender Baum ausgesucht werden. Nicht zu nah am Wegesrand durfte er stehen, damit die Insekten ihre Ruhe haben, außerdem schätzen sie wenig Wind und viel Morgensonne.

Nach einer Weile war ein geeigneter Ort gefunden worden, und die Schüler der Klasse 3a mit ihrer Klassenlehrerin Gisela Stais halfen fleißig mit beim Vorbereiten und Anbringen der Nisthilfen. Diese sollten zum Beispiel auch frei von Holzsplittern sein, damit sich die Bienen nicht an den empfindlichen Flügeln verletzen.

Insekten beobachten

Insgesamt nehmen rund 300 Schulen in Deutschland an dem Projekt teil und bringen Nisthilfen an. Ein Schaukasten für die Fensterbank ist dazu gedacht, dass die Schüler die Insekten bei ihren täglichen Aktivitäten beobachten können. Jede Nisthilfe ist mit einer Kennnummer und einer Jahreszahl versehen, um sie zuordnen zu können. Im Oktober wird das Insektenhaus des Jahres 2019 abgehängt und an eine Forschergruppe der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg zurückgeschickt. Dort werden die Art und Anzahl der Insekten, die sich in einem halben Jahr am jeweiligen Standort eingenistet haben, analysiert und dokumentiert. So können etwa die Ausbreitung neuer Arten, Nahrungsgewohnheiten und Verbreitungsgrenzen erfasst werden.

Bei Beobachtungen über einen längeren Zeitraum werden Populationstrends erfasst und die Forscher können dazu beitragen, die Ursachen des Insektenrückgangs zu identifizieren. „In den vergangenen 30 Jahren ist deren Biomasse nämlich um 75 Prozent zurückgegangen“, zeigt sich Wikmann alarmiert. Das sei wissenschaftlich belegt. Bisher habe es aber kaum langfristige Studien zur Entwicklung des Bestands gegeben. „Wir brauchen konkrete Zahlen“, meint der Naturschützer. „Und hier im Streuobstklassenzimmer kann man enorm viel machen.“ Vergangenes Jahr haben sich die Schüler dort um Erdhummeln gekümmert.

Sie würden auf diese Weise nicht nur die Lebensweisen von heimischen Bienen, Wespen und anderen Insekten kennenlernen, sondern auch für die Bedeutung der kleinen Tiere in funktionierenden Ökosystemen sensibilisiert.

Finanziert wird die Aktion von der Robert-Bosch-Stiftung. Schüler des UWC Robert-Bosch-College kooperieren dabei mit den Forschern der Freiburger Universität. Nach dem Erhalt der zurückgeschickten Nisthilfen 2019 bekommen die Schulen jeweils ein neues Insektenhaus mit der Beschriftung 2021, das sie dann anbringen. „Das Projekt ist auf mindestens zwei bis drei Jahre ausgelegt“, erklärt Wikmann. „Das kommt auch auf die Fördergelder an.“

Nachdem die Nisthilfen erfolgreich befestigt waren, sorgte die Weiler Bäckerei Fritz für einen kleinen Imbiss.

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