Das Bild einer dynamischen Stadt hat Oberbürgermeister Wolfgang Dietz gestern Abend beim Neujahrsempfang vor 650 Gästen gezeichnet. Dabei betonte das Stadtoberhaupt auch den Wert guter Nachbarschaft und drückte seine Hoffnung aus, dass der Schweizer Bund die Verlängerung der Tramlinie 8 finanziell unterstützt.

Von Siegfried Feuchter

Weil am Rhein. Einen breiten Raum in der gut halbstündigen Rede des OB nahm das Thema Wohnungsmangel ein. Auch machte er sich für den Zusammenhalt in der Gesellschaft und ein vereintes Europa stark.

„Tramverlängerung wäre ein Quantensprung“

Für zahlreiche große Vorhaben haben Stadtverwaltung und Gemeinderat die Weichen gestellt, für einige andere müssen sie es in diesem Jahr tun. Wie bedeutend eine Tramverlängerung von der Friedensbrücke bis zum Läublinpark wäre, unterstrich OB Dietz mit folgenden Worten: „Das wäre ein echter Quantensprung für den Öffentlichen Nahverkehr, die gesamte Region am Rheinknie und natürlich auch unsere Stadt.“ Deshalb hofft der OB, dass der Schweizer Bund im Rahmen des Agglomerationsprogramms grünes Licht für eine Mitfinanzierung gibt und sich „von den langfristigen Wirkungen für die Gesamtheit des Rheinknies“ leiten lässt. Dietz zeigte dabei die Konsequenzen dieser Entscheidung für die Weiler Stadtentwicklung auf. Stichworte waren: die weitere Verkehrsführung, Fußgängerzone sowie Umgestaltung der Hauptstraße zwischen Bühl- und Römerstraße.

Wohnraumversorgung eine Herausforderung

Das Weiler Stadtbild im Zentrum werde sich mittelfristig durch den Bau der geplanten „Dreiländergalerie“ an der Hangkante verändern. Für die nächsten Monate wird der Spatenstich für den Bau des Einkaufscenters erwartet. Dietz forderte bei der Umgestaltung der Innenstadt, „kommunalen und wegweisenden Mut“ zu beweisen, so wie bei zahlreichen großen Projekten in der Vergangenheit. Dabei erinnerte er an die Gründung des Rheinhafens, den Bau des Rathauses, die Gründung des ersten Gymnasiums, die Zustimmung zur Entwicklung des Vitra Campus’, den Bau der Zollfreien Straße, der Dreiländerbrücke, des Oberrhein-Gymnasiums und der zentralen Feuerwache mit Betriebshof.

Zu den Herausforderungen der Stadt gehört die Wohnraumversorgung angesichts des großen Mangels an bezahlbaren Wohnungen. Dietz ging auf einige Ursachen des Wohnungsmangels ein wie den starken Zuzug in eine reizvolle Gegend mit einer sehr guten Verkehrsanbindung, die gewachsenen persönlichen Ansprüche an den Wohnraum (1965 waren es 22,7 Quadratmeter pro Person, heute rund 47), den von Bund und Land vernachlässigten sozialen Wohnungsbau und die hohen Standards beim Bauplanungs- und Bauordnungsrecht, eine überhitzte Baukonjunktur mit hohen Baupreisen (rund 50 Prozent höher als im Jahr 2000).

Im Zusammenhang mit dieser Entwicklung verwies Dietz auch auf seine Wohnrauminitiative, mit der die Stadt versuchen wird, mehr Wohnungen, vor allem auch Sozialwohnungen, zu schaffen. Dabei sieht der OB private Bauträger ebenso in der Pflicht, wobei er sich wünschen würde, wenn im Bund über steuerliche Anreize für den Werkswohnungsbau nachgedacht würde.

Auch das Thema Anschlussunterbringung von Flüchtlingen und die Integration streifte Dietz. Die Stadt stelle sich der gesellschaftlichen Verantwortung, zugleich sagte er: „Integrationsfähigkeit und Integrationswilligkeit unserer Gesellschaft sind nicht grenzenlos.“ Dabei dankte der OB all den ehrenamtlichen Kräften, Bürgern, engagierten Mitarbeitern der Stadtverwaltung und motivierten Unternehmen, die sich bei der Anschlussunterbringung geflüchteter Menschen und der Integration eingesetzt haben.

„Integration braucht einen langen Atem“

Seit 2014 musste in Weil am Rhein eine Anschlussunterbringung für 360 Menschen organisiert werden, in diesem Jahr kommen 130 weitere Personen hinzu. „Wir dürfen in den Anstrengungen nicht nachlassen, denn Integration in eine Gesellschaft braucht Zeit, Geduld und einen langen Atem“, betonte Dietz mit dem Hinweis, dass in der Geschichte dieser Stadt die große Mehrzahl der Einwohner immer „Zugezogene“ gewesen seien, ob Textilarbeiter, Bähnler, Zöllner oder Pendler nach Basel.

Auch die Notwendigkeit des Zusammenhalts in der Gesellschaft betonte der OB. Dabei dankte er allen sozialen Diensten, Vereinen, Kirchengemeinden und ehrenamtlich Tätigen, die zu diesem gesellschaftlichen Netz beitragen. „Sie helfen damit, Weil am Rhein ein liebens- und lebenswertes Gesicht zu geben.“