Von Saskia Scherer

Normalerweise werden Gebäude in Weil am Rhein nicht so feierlich übergeben wie das Theater am Mühlenrain (TAM) am Freitagabend. „In diesem Fall hat das aber absolute Berechtigung“, erklärte Oberbürgermeister Wolfgang Dietz in seiner Ansprache.

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Weil am Rhein. Dietz sprach vom „Leuchtturm TAM“, einer markanten Einrichtung im Kulturleben. „Wir werden das Theater in Zukunft begleiten“, kündigte der OB an. Zu der Übergabe konnte er unter anderem verschiedene Gemeinderäte und Bürgermeister Rudolf Koger begrüßen.

Das TAM sei ein Eingangspunkt für Weil am Rhein. „Der Blick fällt auf das ehrwürdige Gebäude“, sagte Dietz. Und die Stadt wolle die Gegend drumherum gestalten. Unter anderem gelte es, die Hauptstraße zu verändern und für Radfahrer sicherer zu machen. „Dieses Areal hier gehört dazu.“ Da viele Behörden involviert seien (das Nachbargrundstück gehört dem Land), brauche es einen längeren Atem. „Aber wir wollen die Situation verändern und verbessern“, kündigte der OB hinsichtlich der Stadtplanung an.

Mit Blick auf die Kultur freute er sich, dass die Schauspieler weiter die Chance hätten, auf der Bühne zu stehen. „Die Aufführungen hier sind schön – es muss nicht immer Basel sein“, erklärte er mit einem Augenzwinkern. Bereits vor mehr als zehn Jahren sei es um die Zukunft des TAM gegangen – jetzt sei die Stadt in der Lage, einen Punkt zu setzen. „Weil braucht ein solches Theater“, schloss Dietz.

Nach 28 Jahren sei es Zeit, aufzuhören, erklärte Erwin Sütterlin, der das Gebäude an die Stadt verkauft hat. Der gelernte Malermeister betrieb zuvor 18 Jahre lang ein Theater im Gewölbekeller des Rießgässli in Lörrach – neben seinem Malergeschäft und einer Galerie, in der er Heimatkünstler ausgestellt hatte, wie er in seinem Rückblick erzählte. Klaus-Peter Klein, der neue Pächter und Leiter, sei „der richtige Mann“ für dieses Theater. „Im TAM ist der Alltag niemals grau“ lautete eine Zeile eines Lieds, das Sütterlin zum Abschied vortrug.

„Mit dem Titel des Impresarios habe ich mich noch nicht angefreundet“, sagte Klein schmunzelnd. Er nenne sich lieber „Theaterleiter“. Er wolle versuchen, Sütterlins Lebenswerk im gleichen Stil fortzuführen. „Ins TAM geht man, wenn man Mundart und Komödien sehen will“, sagte er. Auch Klein selbst wolle mehr auf die Bühne. Bezüglich des Systems soll sich nicht viel ändern, aber er plane die Auslastung zu verändern: Jedes Wochenende soll etwas im Theater am Mühlenrain zu sehen sein.

Zuvor hatte Klein schon sein Können auf der Bühne unter Beweis gestellt: „Ein Jahr Rentner“ lautete der Titel des Beitrags, in dem er aus einem Tagebuch vorlas. Als Rentner gehe es darum, endlich einmal das zu tun, wozu sonst nie Zeit war: „Krieg und Frieden“ lesen, Vogelhäuschen bauen oder Rasen mähen. Oder sich mit anderen Rentnern (das „Krampfader-Geschwader“) in den überfüllten Baumarkt stürzen.

Am Ende fasst er den Plan, mit seinen Leidensgenossen eine eigene Firma zu gründen – und 28 Vogelhäuschen sind auch entstanden.