Weil am Rhein Weil verliert eine weitere Hebamme

Marco Fraune
Die Hebammen begleiten Schwangere vor und nach der Geburt. Foto: sba/Caroline Seidel

Weil am Rhein - Die Anzahl der freiberuflich in Weil am Rhein tätigen Hebammen sinkt weiter. Mit Rita Lechner verlässt Ende Juni eine weitere wichtige Begleiterin die Grenzstadt. Die Lücke muss durch immer öfter genutzte Online-Angebote größtenteils geschlossen werden.

Denn mit Claudia Voitl als in Vollzeit tätige freiberufliche Hebamme sowie Martina Frietsch als Nebenberuflerin gibt es nur noch ein ausgedünntes Angebot für Schwangere und junge Mütter – bei ihrer Hausgeburt muss aktuell eine Haltingerin schon auf eine Hebamme aus der Schweiz zurückgreifen.

Vor gerade einmal zehn Jahren gab es noch fünf Hebammen in Weil am Rhein, erinnert sich Lechner im Gespräch mit unserer Zeitung. Sie selbst ist seit 2012 in der Grenzstadt tätig, die vorherigen zehn Jahre war sie in Binzen.

In den vergangenen zwölf Jahren hat Lechner auch als Vorsitzende der Hebammen im Landkreis Lörrach fungiert, weiß damit um die Veränderungen. Zentral dabei waren zuletzt befeuert durch die Pandemie die Internet-Angebote. Kurse werden online belegt, Beratungen erfolgen ebenso über das Internet oder am Telefon. „Für die jungen Frauen ist die Hürde nicht so groß“, handele es sich nun um die mit dem Internet aufgewachsene Generation. Den jungen Frauen sei vielmehr wichtig, zeitnah eine Ansprechpartnerin zu haben.

Und mit ihrem aus persönlichen Gründen verbundenen Wechsel in die Nähe von Ulm gebe es nun bei den Kreis-Hebammen mit Anna Selinger auch einen Generationenwechsel, da diese rund 20 Jahre jünger sei. Einigen heimischen Familien ist diese als Anna Wohler bekannt, die früher auch in Weil am Rhein gewohnt hat.

Wenn die 51-jährige Lechner auf das vergangene Jahrzehnt zurückblickt und die Entwicklung analysiert, erkennt sie verschiedene Gründe für die stark rückläufige Zahl von freiberuflich in Weil tätigen Hebammen. Die Vergütung ist ein Grund, da das Geld für die Verantwortung nicht üppig sprudelt. Gerade das Thema teure Versicherungen für Hebammen wirkte sich ebenso aus.

Die Anforderungen beim Qualitätsmanagement sind laut Lechner gestiegen. Die Art der Arbeit locke ebenso wenig Hebammen in die Freiberuflichkeit, da Freizeit- und Lebensgestaltung „unabsehbar“ seien.

Auch aus dem Mangel an freien Hebammen heraus steigt die Nachfrage und die Nutzung von Online-Angeboten. Das Aufsuchen der Familie mit dem persönlichen Kontakt wird weniger. Das kann die Online-Beratung in der Form nicht auffangen, weiß Lechner. „Persönlich kann man besser auf die Bedürfnisse der Familien eingehen.“

Unter dem großen Begriff Dankbarkeit blickt die scheidende Weiler Hebamme auf das zurückliegende Jahrzehnt. Kurze Arbeitswege mit dem Fahrrad zählen für sie ebenso zu den positiven Punkten wie die gute Zusammenarbeit der Stadt Weil am Rhein. Diese zahle immer noch 30 Euro für einen Betreuungsgutschein, lobt Lechner. In Weil am Rhein sei das Klientel außerdem sehr bunt – von den Friedlinger Familien bis hin zu den Ötlingern. „Das habe ich als sehr bereichernd empfunden.“

Ein großes Plus im Landkreis Lörrach ist für sie auch das Hebammen-Netzwerk. Seit der Vereinsgründung im Jahr 2015 fungierte sie hier als Sprecherin. So würden die immer weniger werdenden freiberuflich tätigen Hebammen auch wissen, wer was macht, also ob freie Kapazitäten vorliegen. Solch ein Netzwerk gebe es an ihrem neuen Tätigkeitsort in der Nähe von Ulm noch nicht. „Dort weiß man weniger voneinander.“ Ob sie dort also das Landkreis-Modell installiert? „Ich schnupper erst einmal rein.“

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