Weil am Rhein Wenige Wohnungen, viele Bewerber

 Foto: Weiler Zeitung

Weil am Rhein - Die städtische Wohnbau in Lörrach führt für die Kreisstadt mehr als 2000 sowie für Schopfheim rund 1000 Mietinteressenten auf ihrer Liste, die Wohnbau Rheinfelden mehr als 600, die Städtische Wohnbau Weil null. Das liegt nicht daran, dass es hier keine Wohnungssuchenden gibt, sondern es existiert keine Warteliste. Und das bewusst, beleuchtet Geschäftsführer Andreas Heiler im Gespräch mit unserer Zeitung die Angebot-Nachfrage-Situation bei der städtischen Wohnbau.

„Ein Verwalten von Fehlinformationen“ will Heiler verhindern. „Eine Warteliste bildet keinen aktuellen Stand ab.“ Aktuell suche ein Interessent eine Wohnung, zwei Wochen später nicht mehr – was er der Wohnbau aber nicht mitteile.

Das verdeutlicht der Wohnbau-Chef an einem einfachen Beispiel: Zum 1. April vergangenen Jahres stand eine 68-Quadratmeter-Wohnung an der Pfädlistraße bereit, für die eine öffentliche Besichtigung anberaumt war. 15 Personen kamen, um sich die 771 Euro pro Monat teure Wohnung anzusehen, elf bewarben sich danach. Zwei Häuser weiter stand zwei Monate später eine ähnliche Wohnung mit 56 Quadratmetern Größe zum Preis von 657 Euro zur Vermietung an. Hier wurde bei der Besichtigung an 43 Personen ein Formular für die Vermietung ausgehändigt, 28 Bewerber gab es danach. „Ich glaube, dass sich die Aktualität auf dem Wohnungsmarkt schnell verändert“, sieht Heiler die von der Wohnbau seit mehr als zehn Jahren verfolgte Strategie bestätigt, ohne Wartelisten zu arbeiten.

Nur 18 Wohnungen

Stattdessen setzt der Wohnbau-Geschäftsführer auf Vor-Ort-Eindrücke und Interessenten, die genau diese Wohnung sehen wollen. Die Wohnungsinserate finden sich direkt mit einem öffentlichen Besichtigungstermin versehen an der Wohnbau-Geschäftsstelle in Friedlingen im Aushang und auf deren Internetseite. Von den 1081 Wohnungen im Bestand gingen 2018 lediglich 18 in die öffentliche Runde, da viele Mieter in ihren vier Wänden wohnen bleiben wollen. Bei anderen Besichtigungsrunden nicht Berücksichtigte erhalten vor den öffentlichen Runden zudem teils zuerst eine Chance. Aktuell steht nur eine Ein-Zimmer-Wohnung an der Hardstraße online. Es handele sich um ein „konstant niedriges Niveau“, da schon 2017 nur 16 Wohnungen besichtigt wurden.

43 Interessierte besichtigen

Zu öffentlichen Besichtigungen, die stets mittwochabends anberaumt werden, kommt eine unterschiedliche Zahl an Interessierten. Die Bandbreite reichte im vergangenen Jahr von einmal drei und zwei Mal vier Interessierten über in der Regel 15 bis 20 Interessierte bis zu einmal 26 und einmal 43. Weil sich hinter diesen Zahlen deutlich mehr Personen verbergen, da Wohnungen zu zweit oder mit der Familie in Augenschein genommen werden, kann es voll werden in den Besichtigungsobjekten. Daher gehen fünf Interessierte pro Besichtigungsgruppe mit einem Wohnbau-Mitarbeiter durch. Die anderen warten unten vor der Tür mit einem weiteren Wohnbau-Mitarbeiter. „Dieses Verfahren ist personalintensiver“, weiß Heiler um einen Vorteil des von den anderen Wohnbau-Unternehmen gewählten Verfahrens. „Ich finde es bei uns ehrlicher, weil nicht ein Computer-System vorschlägt, wen man zur Besichtigung einlädt.“ Dennoch gebe es manchmal eine „Massenveranstaltung“, räumt der Geschäftsführer ein. Doch so verhindere man Nachfragen von Interessierten, warum sie nach zwei Jahren kein Wohnungsangebot erhielten. Zudem sei es mit viel Arbeit verbunden, die Kontaktdaten aktuell zu halten. Den Interessenten helfe es zudem nicht, sich nur die Pläne der Wohnung anzusehen.

Der Auswahlprozess

Viel Skurriles gibt es bei den Terminen nicht, da angesichts des Verfahrens keine Extra-Trinkgelder für die Wohnbau-Mitarbeiter Sinn ergeben. So ist die Entscheidung auf mehrere Schultern verteilt. Wer einen Bewerberbogen nach der Besichtigung mitnimmt und spätestens zwei Wochen später komplett ausgefüllt zurückgibt, ist im Rennen. Drei bis vier Familien werden dann beispielsweise eingeladen, wobei die echte Bedürftigkeit, schnell unterzukommen, eine entscheidende Rolle spielt. Beim Vorstellungstermin müssen sie einen guten Eindruck hinterlassen, was die Vermittlungsabteilung und das soziale Management bewerten. Passen muss auch die Struktur in der Hausgemeinschaft.

30 Prozent vom Einkommen

Überschulden sollen sich die Mieter wegen des angespannten Wohnungsmarkts nicht. „Wir achten darauf, dass der Mietpreis nicht 30 Prozent des Einkommens überschreitet.“ Schließlich gebe es Menschen, die ihre Verhältnisse überschätzen. Die Durchschnittsmiete bei der Wohnbau liege bei 5,75 Euro pro Quadratmeter, aktuell laufe eine Anpassung um 15 Prozent. Bei Neuvermietungen liege der Durchschnittspreis bis 7,50 bis acht Euro. „Mit den moderaten Mieterhöhungen wappnen wir uns für die Zukunft“, will Heiler den Bestand in Schuss halten, also auch attraktive Wohnungen anbieten, wenn das Wohnungsangebot steigt, aber die Nachfrage sinkt.

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