Weil am Rhein Wenn Wohnungsnot droht

Beatrice Ehrlich
Um Menschen, die sich ihre Wohnung nicht mehr leisten können, kümmert sich die Fachstelle Wohnungssicherung. Foto: Ehrlich

Nah an den Menschen bleiben mit dem Ziel, die Wohnung zu retten. Darum bemüht man sich bei der Fachstelle Wohnungssicherung der AGJ-Wohnungslosenhilfe in Weil am Rhein. Einen Einblick in aktuelle Entwicklungen gewannen die Mitglieder des Kultur-, Sport- und Verwaltungsausschusses bei der Vorstellung des Jahresberichts.

Von Beatrice Ehrlich

Weil am Rhein. Fachstellenleiter Stefan Heinz und Sozialarbeiter Gael Haab stellten den Jahresbericht der seit 2014 in Weil am Rhein existierenden Fachstelle bei der jüngsten Ausschusssitzung im Rathaus vor.

Den meisten Fällen von Wohnungslosigkeit Betroffener (über 65 Prozent) liegt demnach eine Räumungsklage zugrunde. Steht eine solche im Raum, wird die Fachstelle vom Amtsgericht Lörrach informiert und kann so ganz gezielt mit den Betroffenen Kontakt aufnehmen. Bei etwa einem Viertel liegt die Zahl derjenigen, denen gekündigt wird, die aber im direkten Anschluss keine für sie geeignete Wohnung finden.

Durch die enge Vernetzung mit weiteren Akteuren im Sozialwesen können die Mitarbeiter in vielen Problemlagen den Betroffenen Hilfe anbieten oder sie an andere Stellen weiterverweisen. Im Jahr 2021 wurden 49 Haushalte erreicht, 90 Prozent davon konnten bis zum Jahresende abgeschlossen werden, was aber nicht immer bedeuten muss, dass auch eine Lösung gefunden wurde. Heinz bedankte sich für die enge und gute Zusammenarbeit mit der Stadt Weil am Rhein.

Von drohender Wohnungslosigkeit betroffen sind vor allem Familien mit Kindern. Auffallend in den vorgelegten Zahlen ist auch, dass in sehr vielen Fällen Menschen über 60 Jahre dazugezählt werden müssen. Heinz wies darauf hin, dass diese Gruppe im vergangenen Jahr größer geworden sei und verweist in diesem Zusammenhang auf das Problem der Altersarmut. Was weiterhin auffällt, ist dass ein großer Teil der von Wohnungslosigkeit Bedrohten berufstätig ist und ein Einkommen bezieht. Dieses reicht allerdings oft nicht aus, um Mietschulden zu begleichen.

Knapp 70 Prozent der Betroffenen haben einen Migrationshintergrund im Vergleich zu einem Anteil an der Gesamtbevölkerung in Höhe von rund 30 Prozent. Im Jahresbericht wird in diesem Zusammenhang darauf hingewiesen, dass es Migranten offensichtlich schwer falle, öffentliche Leistungen zu beantragen. Schuld seien mangelnde Sprachkenntnisse und Scham, aber auch die komplexen rechtlichen Zusammenhänge und komplizierte behördliche Abläufe. Die Notschlafstelle in Lörrach sei 2021 von weniger Personen aus Weil am Rhein genutzt worden, da die Stadt Weil kurzfristig ein Appartement zur Verfügung stellte.

„In einer Zeit, in der es weiterhin extrem schwierig ist, bezahlbaren Wohnraum zu finden, sei jede Wohnungssicherung als Erfolg zu werten, heißt es im Fazit der Fachstelle. Oft würden teure Wohnungen angemietet, weil kein preisgünstiger Wohnraum vorhanden sei. In diesem Fall seien Mietschulden bereits im Vorfeld absehbar.

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