Weil am Rhein Wenn Zugezogene lernen, Alemannisch zu verstehen

Erhard Zeh Foto: Weiler Zeitung

Weil am Rhein (sif). Erhard Zeh, 18 Jahre lang bis zu seiner Pensionierung 2011 Rektor der Hans-Thoma-Schule in Haltingen, darüber hinaus erfolgreicher Chorleiter und bekannter Gitarrist und Sänger alemannischer Lieder, gibt seit knapp vier Jahren an der Weiler Volkshochschule auch Kurse in „Alemannisch für Zugezogene“. Am Montag startet ein neuer Kurs, im Januar weitere für Fortgeschrittene. Mit Erhard Zeh sprach Siegfried Feuchter.

Frage: Wie vielen Leuten haben Sie schon in den VHS-Kursen die alemannische Sprache nähergebracht?

Acht Kurse habe ich in den zurückliegenden knapp vier Jahren gegeben. Insgesamt waren es rund 80 Kursteilnehmer.

Frage: Das ist erstaunlich, denn Sie sind ja kein urwüchsiger Alemanne.

Nein, ich bin gebürtiger Franke. Ich kam aber mit sechs Jahren nach Marzell. Da bin ich natürlich mit der alemannischen Sprache groß und schnell vertraut geworden. Gymnasium in Müllheim, Studium an der PH Lörrach sowie später die Tätigkeit als Chorleiter – ich bin immer im alemannischen Raum geblieben.

Frage: Wer besucht die Kurse?

Das ist unterschiedlich. Ich hatte schon Ostfriesen, Berliner, aber auch Spanier und Südamerikaner – querbeet eben. Es sind Leute, die teilweise schon länger hier leben, an Heimat interessiert sind und die alemannische Sprache besser verstehen wollen. Genauso sind Leute darunter, die seit Kurzem hierher gezogen sind, weil sie eine neue Arbeitsstelle hier haben, aber die ersten drei Wochen im Alemannenland fast nichts verstanden haben. Es geht bei den Kursen nicht darum, dass jemand hinterher alemannisch schwätzen kann, sondern vielmehr darum, dass er unseren Dialekt möglichst versteht. Ich hatte beispielsweise eine Seniorin aus einem Altenheim im Kurs. Sie kam deshalb, wie sie mir sagte, weil sie am Frühstückstisch ihre sich in Alemannisch unterhaltenenden Tischnachbarn so gut wie nicht verstanden hat und diesen Zustand ändern wollte.

Frage: Sie vermitteln den Teilnehmern nicht nur alemannische Sprachkenntnisse, sondern bringen ihnen auch die Lebensweise, Traditionen und Bräuche der Alemannen näher, ebenso Kultur, Geschichte und Weinbau.

All das ist wichtig, wenn man hier lebt. Dabei will ich dieses Hintergrundwissen übers Markgräflerland möglichst locker und spielerisch vermitteln. So habe ich immer meine Gitarre dabei und singe Mundartlieder. Auch eine Weinprobe auf Alemannisch haben wir schon gemacht.

Frage: Wie groß ist die Erfolgsquote bei den Alemannischkursen?

Das weiß ich nicht. Ich weiß nur, dass die Volkshochschule schon begeisterte Rückmeldungen bekommen hat. Das zeigt, dass die Kurse offensichtlich gut ankommen, was mich natürlich freut. Mir macht es auch Spaß, außerdem habe ich durch die Kurse schon einige interessante Leute kennengelernt.

Frage: Welche Bedeutung hat der Dialekt?

Er ist Heimat und Muttersprache, also die Sprache, die wir von den Eltern gelernt haben. Der Dialekt hat auch etwas Verbindendes. Kultur, Geschichte, Bräuche, Lebensverhältnisse sind mit der Sprache gekoppelt. Manchmal kann Dialekt aber auch Abgrenzung sein.

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