Weil am Rhein Wettstreit der wilden Worte

Das Duo „Einfach So“ bei seiner Einlage über das Faultier, im Hintergrund die Slammer Foto: Joachim Pinkawa Foto: Weiler Zeitung

Die Weiler Stadtbibliothek, die in diesen Tagen ihr 25-jähriges Bestehen feiert, hatte für Donnerstag zum Poetry-Slam einige Talente aus der Region eingeladen, die sich dem modernen Dichterwettstreit auf der Bühne stellten. Nick Salsflausen (alias Niklas Ehrentreich), ebenfalls in der Szene bekannter Slammer, moderierte wortgewandt.

Von Joachim Pinkawa

Weil am Rhein. Poetry-Slam ist aus der modernen Kulturlandschaft kaum mehr wegzudenken. In dem Wettstreit müssen literarische Texte innerhalb einer bestimmten Zeit und ohne jegliche Hilfsmittel, außer der eigenen Stimme und Textnotizen, vorgetragen werden. Das Publikum darf als Jury die Beiträge bewerten. Nick Salsflausen übte mit dem fast 50-köpfigen Publikum kurz eine Beifallsskala von 1 bis 10 (leichter Applaus bis frenetischer Beifall) erfolgreich ein.

Der aus Weil am Rhein stammende Riccardo Raps gab als erster Slammer äußerst unterhaltsam seine „ersten Erinnerungen und nie Vergessbares“ als „Bodesuuri“ (wildes Krabbelkind) von der Leopoldhöhe bis Alt-Weil preis. Als Gesandte aus dem Wiesenthal suchte Inna Manthei anlässlich einer Enttäuschung wegen unterlassener Hilfeleistung nach einem Schwimmbadsturz slammend die Menschlichkeit.

Moritz Konrad aus Karlsruhe slammte mit ekstatischer Steigerung einen Text über Geschenke als „trojanische Pferde“ für sozialen Druck auf den Beschenkten und Gruppenzwang. Lois Stettler aus Basel philosophierte gekonnt und nachdenkenswert über persönliche Erfahrungen („Ich mag keine Strandferien“), und Maurice Koller aus Frenkenbach setzte sich in einem „Brief an Kevin“ mit Erlebtem auseinander.

Mit Zwischeneinlagen

Außer Konkurrenz ergänzte das Duo „Einfach So“ (Cäcilia Bosch und Ansgar Hufnagel) das Programm. Sie gaben Einblicke in ihr Bühnenprogramm „Hals und Reimbruch“ und leiteten äußerst anschaulich und unterhaltsam mit Betrachtungen zum „Faultier“ zum Finale über – mit wortgewandtem Text (Ansgar Hufnagel) über die „Entdeckung der Langsamkeit“ und der pantomimischen Darstellung dazu von Cäcilia Bosch.

Im zweiten Teil der „Weiler Ekstase“ präsentierte Nick Salsflausen nach ausgewertetem Beifallszuspruch die drei Finalisten. Als erster Finalist steigerte sich dann Moritz Konrad in einem Brief an seinen Freund Sebastian über „Sex im Stockbett der Jugendherberge“ bis zur verbalen Ekstase in das Thema rein. Maurice Koller präsentierte als modernen Text und in Versform eine Zusammenfassung von Goethes Faust, und Lois Stettler in Jugendsprache über jugendliche Ansichten („Meine Erde ist flach, vielleicht noch mit ein paar Hügeln, sonst flach, keine Kugel“). Gebührenden Beifall erhielten alle drei Finalisten – als Beifalls-Sieger kristallisierte sich aber deutlich Moritz Konrad heraus. Das Publikum und auch Bibliotheksleiterin Ellen Benz zeigten begeistert und werteten den Abend als vollen Erfolg.

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