Weil am Rhein Wie eine echte Prinzessin gelebt hat

Weiler Zeitung

Von Daniela Buch

Das höfische Leben der Prinzessinnen und Prinzen im ausgehenden 17. Jahrhundert hat das Stück „Perücke, Puder und Schönheitsfleck“ erlebbar gemacht, das im großen Saal des Alten Rathauses vom Basler Ensemble „Le Souper du Roi“ aufgeführt wurde. Die als Mitmach-Konzert konzipierte Inszenierung war altersgerecht auf Kinder als Publikum zugeschnitten, und dennoch auch für Erwachsene unterhaltsam und interessant.

Weil am Rhein. Als Erzählerin und Hauptfigur trat Barbara Leitherer, Gambistin, Tanzmeisterin und Dozentin für Historischen Tanz an der Musikakademie in Basel, in der Rolle der im Jahre 1668 geborenen Prinzessin Charlotte von Braunschweig und Lüneburg auf.

„Mir scheint, die Sitten haben sich geändert. Aber da ihr hier bei mir zu Besuch seid, möchte ich euch bitten, mich standesgemäß zu begrüßen“, sagte sie in die Runde schauend – und damit gleich die erste Lektion einleitend, in der gelernt wurde, wie man als Mädchen eine elegante Referenz, als Junge eine Verbeugung inklusive korrekten Hutziehens vollbringt.

Ihre Erzählungen wurden von Musik der Komponisten Lully, Händel und Bach umrahmt und begleitet. Aus dem Ensemble „Le Souper du Roi“, das Absolventen der Schola Cantorum Basiliensis, des Conservatorium van Amsterdam und der Bremer Musikhochschule versammelt und an die Tradition Barocker Ensembles anknüpft, musizierten Barbara Leitherer (Viola da Gamba), Dominique Tinguely (Fagott), Robert Herden (Oboe), Georg Fritz (Oboe), Sebastian Bausch (Cembalo), und Johannes Knoll (Ensembleleiter, Oboe).

Die rund 30 Personen umfassende Zuschauerschar fühlte sich – wahlweise mit historischen Kostümen als Prinzessinnen, Prinzen und Hofstaat ausstaffiert und behütet – schnell mittendrin in der Geschichte. Spätestens bei der Auswahl der Kostüme und der Anprobe verwischte die Grenze zwischen Bühne und Zuschauerraum komplett.

„Prinzessin Charlotte“, von Barbara Leitherer resolut und charmant portraitiert, berichtete von ihrer Kindheit, ihrer Erziehung und ihrem Tagesablauf, warum sie eine Kammerzofe brauche – ein Korsett und mehrere Schichten an Kleidern ließen sich kaum allein anziehen – und dass die Kinder in einem anderen Teil des Schlosses schliefen als die Eltern, die man einmal am Tag besuchen durfte, und mit „Sie, Frau Mama“, und „Sie, Herr Papa“ anzusprechen hatte.

Der Lehrer kam ins Schloss, und für die Etikette gab es eine Erzieherin. Dass Charlotte nur zu gerne wie die Brüder das Fechten und das Reiten gelernt hätte und es bedauerte, als Mädchen nicht mit auf die Jagd gehen zu dürfen, nahm man ihr sofort ab. Aber als sie Musikunterricht bekam, freute sie sich. Es folgte ein mit Späßchen gespickter Exkurs in Instrumentenkunde, wobei auch die Bedeutung der Musiker in einer Zeit, in der es kein Radio und keine Tonaufnahmen gab, in den Mittelpunkt gerückt wurde.

Für reichlich Humor sorgten die Ausführungen dessen, was bei Tisch zu beachten ist: Verboten ist lautes Rülpsen, mit dem Messer in den Zähnen zu stochern, mit offenem Mund zu sprechen, vor dem König zu essen oder weiter zu essen, wenn der König aufgehört hat. Höhepunkt des Musiktheaters war der Ball nach dem Festbankett, an dem das Publikum nochmals richtig mitwirken durfte und in Figuren und Tanzschritten unterwiesen wurde.

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