Weil am Rhein Wieder Zirkusluft schnuppern

Weil am Rhein - Der Moskauer Circus ist in der Stadt. Derzeit wird das große Zelt auf dem Parkplatz des Weiler LGS-Geländes aufgebaut, in dem vom 5. bis 8. August Vorstellungen unter dem Programmtitel „One World“ gezeigt werden. Unsere Zeitung hat hinter die Kulissen geblickt.

Mit dem Zirkus reisen nicht nur 20 Hochleistungsartisten, sondern auch sieben Papageien und fünf Tiger. „Nummern mit Papageien gibt es fast gar nicht“, sagt Direktor Gino Frank im Gespräch mit unserer Zeitung. „Das haben wir exklusiv dieses Jahr neu im Programm.“ Der Moskauer Circus sei auch der einzige Großzirkus auf Deutschlandtournee mit Raubtieren. Das ist nicht unumstritten (siehe nebenstehender Bericht).

Gezeigt werden außerdem Kraftakrobatik an den Strapaten mit „Supertalent“-Teilnehmer Sascha, Artistik auf dem Drahtseil oder am Luftring sowie Handstandakrobatik und Antipodenartistik. Ein „Spring-Festival auf dem Trampolin“ bietet laut Ankündigung die „Tonitos Family“ aus Spanien. Das Clown-Duo „Red & Blue“ aus Russland will für Unterhaltung sorgen.

Die Artisten haben laut Frank alle eine Ausbildung beim Moskauer Staatszirkus absolviert. „Disziplin wird dort groß geschrieben.“ Außerdem sei Artist in Russland ein anerkannter Beruf.

Unter Corona gelitten

„Manege frei“ heißt es im 23 Meter hohen Zirkuszelt, das laut Frank über ein Belüftungssystem verfügt – Stichwort Corona. Zwei Tage dauert der Aufbau, 6000 Einzelteile werden verbaut. Aufgrund der Pandemie finden dort auch nicht 1500 Gäste Platz, sondern nur rund ein Drittel, um die Abstände einhalten zu können. Jeder Zuschauer erhält einen zugewiesenen Sitzplatz, bis dorthin ist Maskenpflicht. Außerdem gilt die 3G-Regel, vor Ort gibt es eine Teststation.

Dennoch sind die Zirkusleute sehr froh, dass wieder Vorstellungen stattfinden können. „Die neun Monate Stillstand waren katastrophal“, sagt der Direktor. „Das ist nicht unser Leben“, ergänzt Raubtierdompteur Raphael Markus Korittnig.

Und auch finanziell war es schwierig: „Noch zwei Monate mehr und den Zirkus gäbe es nicht mehr.“ Staatliche Hilfen hätten sie keine erhalten. „Wir haben von Ersparnissen gelebt.“ Dabei seien viele Kosten weitergelaufen. Und auch die große Weihnachtsgala konnte nicht stattfinden. „Das war fatal“, meint Frank. Der Zirkus hat 50 Mitarbeiter und ist laut Frank einer der drei großen Zirkusse in Deutschland.

Tournee durch 25 Städte

Nun hat das Geschäft aber wieder Fahrt aufgenommen. Die Tournee startete in Dachau, über Ulm ging es nach Rheinfelden und nun nach Weil am Rhein. 20 Stationen folgen noch, unter anderem in Müllheim. Es sei jedoch schwierig, überhaupt Plätze zu finden, auf denen der Zirkus gastieren kann. „Viele Städte sagen einfach nur, dieses Jahr geht es nicht“, bedauert Frank. In Weil am Rhein habe er aber sofort eine Zusage erhalten, freut er sich. Und das Gelände sei vorbildlich.

Zwar sei jetzt eigentlich die schlechteste Zeit für Zirkusgastspiele, erklärt Korittnig mit Blick auf die Urlaubszeit. Aber pandemiebedingt verreisen weniger Leute. „Die ersten drei Stationen waren okay, es herrscht wieder etwas Normalität“, berichtet der Direktor. „Die Menschen wollen raus und etwas unternehmen. Und hier ist es schön für Kinder, aber auch für Erwachsene.“

Der Moskauer Circus gastiert vom 5. bis 8. August auf dem Weiler LGS-Parkplatz. Vorstellungen finden täglich ab 17 und 19.30 Uhr statt, am Sonntag nur ab 11 Uhr. Am Donnerstag ist Familientag, alle Plätze außer Loge kosten zehn Euro; am Freitag ist Spartag, Erwachsene zahlen Kinderpreise. Tickets gibt es im Internet unter www.eventim.de, unter Tel. 0170/ 2038633 oder direkt an der Zirkuskasse eine Stunde vor Show-Beginn. Besucher ab sechs Jahren müssen negativ getestet, genesen oder vollständig geimpft sein. Vor Ort gibt es eine Teststation.

Weil am Rhein (wz/sas). Während der Corona-Pandemie gab es im Moskauer Circus zeitweilig keine Tiernummern, jetzt hat der Zirkus wieder Tiger und Papageien im Programm. Die Tierrechtsorganisation Peta kritisiert dies scharf, heißt es in einer Pressemitteilung: „Großkatzen und andere Tiere leiden im Zirkus unter einer meist von Gewalt und Zwang geprägten Dressur und artwidrigen Haltungsbedingungen.“

Peta appelliert an das Unternehmen, sämtliche Tierdressuren endgültig einzustellen und die Tiere an Lebenshöfe, zoologische Einrichtungen oder Auffangstationen abzugeben. „Wildtierdressuren sind völlig aus der Zeit gefallen und müssen darum endlich in die Geschichtsbücher verbannt werden. Seit der Pandemie sind alberne Tricks mit Wildtieren absurder als je zuvor. Denn wir wissen längst, dass unterhaltsame Zirkusprogramme auch ohne Tierleid möglich sind“, sagt Peter Höffken, Fachreferent bei Peta. „Tiere gehören grundsätzlich nicht in die Manege, denn ihre arteigenen Bedürfnisse können in einem reisenden Betrieb unmöglich erfüllt werden.“ Selbst die Haltung von domestizierten Tieren wie Pferden, Rindern oder Ponys sei bei vielen Zirkussen mangelhaft, heißt es. Was der Zirkus dazu sagt Dompteur Raphael Markus Korittnig sieht das anders, wie im Gespräch mit unserer Zeitung deutlich wird. Darauf angesprochen, dass Wildtiernummern bekanntlich umstritten sind, meint er: „Die Tiere werden seit Generationen im Zirkus geboren, sie kennen nichts anderes.“ Durch ihr Leben beim Zirkus würden sie immer etwas Neues sehen und andere Umgebungen erleben. „Im Zirkus werden Tiger bis zu 20 Jahre alt, in Freiheit sind zehn Jahre schon viel“, erklärt Korittnig. „Und wo sonst kann ein Kind schon einen Tiger aus dieser Distanz sehen? Nicht mal im Zoo.“

Schon sein Vater und sein Großvater vor ihm seien Dompteure gewesen. „Das ist unser Leben.“ Die Arbeit mit den Tigern sei für sie Kultur. „Wie der Stierkampf in Spanien, wobei das schlimmer ist, weil die Stiere getötet werden.“ Mit Blick auf das Freigehege fügt er hinzu: „So etwas gab es vor 30 Jahren nicht.“ Zur Größe erläutert er, dass die Gehege noch transportierbar sein müssten. „In vielen Städten sind auch die Plätze nicht groß genug.“

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